Kieler Sommer-Oper : Blaue Bühne vor blauer Förde

Probesitzen vor der Bühne: (vorne von links) Cetin Yildirim von Pickardt (Gaarden), Claudia Fröhlich (Mettenhof), Lena Wendt (Bootshafen), Evi Ahr (Friedrichsort). Dahinter: (v. l.) Wilfried Pahl (Wik), Stadtrat Gerwin Stöcken und Theaterchef Daniel Karasek.
Probesitzen vor der Bühne: (vorne von links) Cetin Yildirim von Pickardt (Gaarden), Claudia Fröhlich (Mettenhof), Lena Wendt (Bootshafen), Evi Ahr (Friedrichsort). Dahinter: (v. l.) Wilfried Pahl (Wik), Stadtrat Gerwin Stöcken und Theaterchef Daniel Karasek.

Wegen der Bauarbeiten in der Kieler Innenstadt zieht die Sommer-Oper um. „Was Ihr wollt“ feiert am Freitag auf dem MFG-5-Gelände Premiere. Mit der kostenlosen Übertragung in fünf Stadtteile wird das Shakespeare-Stück zur weltweiten größten Opernaufführung.

shz.de von
26. Juni 2018, 18:50 Uhr

Man nehme einen Klassiker aus dem Theater oder aus der Oper, suche junge angesagte Musiker und mache daraus ein Rockpop-Musical. So lauten die Zutaten für die Kieler „Sommer-Oper“, die vor ihrer siebten Saison steht. Das Rezept aus der Kieler Kunst-Küche erweist sich als schmackhaft: Gemessen an Zuschauern ist die Aufführung wohl die größte Opernaufführung weltweit.

Denn die Premiere des Shakespeare-Stücks „Was Ihr wollt“ an diesem Freitag, 29. Juni, um 20.30 Uhr wird per Satellit in fünf Kieler Stadtteile übertragen. Dort sitzen an weißgedeckten Biertischgarnituren Tausende von Theater- und Musikfreunden. Die Aufführung wird stets zum kostenlosen kulturellen Gemeinschaftspicknick unter freiem Himmel.

In dieser Saison steht die Open-Air-Bühne nicht auf dem Rathausplatz – dort laufen Bau-Arbeiten für den Kleinen Kiel-Kanal –, sondern auf dem ehemaligen Gelände des Marineflieger-Geschwaders zwischen Holtenau und Friedrichsort. Auf dem riesigen Areal soll irgendwann ein moderner neuer Stadtteil an der Förde entstehen. Doch die Verhandlungen stocken, es wird noch dauern, bis die ersten Baufahrzeuge anrücken.

Für die Sommer-Oper aber ist das Gelände ideal. Erstens, weil die Veranstaltung auch nördlich des Kanals Fuß fassen kann. Zweitens, weil genügend Parkplätze zur Verfügung stehen. Drittens, weil die Bühne viel größer ausfällt als bisher und auf den Rängen 950 Zuschauer Platz finden – das sind fast doppelt so viele wie vorher.

Und dann ist da auch noch der traumhafte Ausblick auf die Kieler Förde. Daniel Karasek, Intendant des Kieler Theaters, schwärmt geradezu: „Die Lage der Bühne direkt am Wasser ist bestens geeignet für das Illyrien von Shakespeare.“ Scherzhaft fügt er hinzu: „Die Schiffe halten wegen unserer Proben auf der Förde an.“ Nun: Vor dem MFG-5-Gelände verläuft die Wartezone für den Nord-Ostsee-Kanal – aber vielleicht schnappt ja dennoch manch ein Seemann Häppchen aus der Liebeskomödie von Shakespeare auf.

Übertragen wird „Was Ihr Wollt“ auch in diesem Sommer auf große Leinwände in fünf Stadtteile. Allein auf den Stufen am Bootshafen finden 2500 bis 3000 Besucher Platz. Am Skagerrak-Ufer in Friedrichsort werden 1000 Gäste erwartet, am Ufer des Heidenberger Teiches in Mettenhof 1200. Der einzige Standort auf dem Ostufer findet sich auf dem Vinetaplatz mitten in Gaarden, hier ist für 800 Musicalfreunde gedeckt.

Ganz neu dabei ist die Wik mit ihrem historischen Marinequartier. Vier Baugenossenschaften haben hier zusammen 155 Wohnungen hochgezogen (gut ein Drittel öffentlich gefördert), die allermeisten Mieter sind bereits eingezogen. Die Sommer-Oper wird hier zum ersten großen Gemeinschaftsprojekt. „Was Ihr wollt“ könnte eben auch der Leitspruch der Neu-Wiker sein.


> „Was Ihr wollt“ von William Shakespeare läuft von Freitag, 29. Juni, bis Sonnabend, 14. Juli, täglich (außer montags) jeweils um 20.30 Uhr.

Eintrittskarten gibt es in vier Preiskategorien zwischen 30 Euro (ermäßigt: 21 Euro) und 79 Euro (ermäßigt; 55,30 Euro). Vorbestellungen sind möglich an den Theaterkassen unter Tel. 0431 / 901 901.

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