Protest im MKrankenhaus : Bitterer Brief an den Minister

Post für den Minister: Die Aktivgruppe schickt den Offenen Brief nach Berlin.
Post für den Minister: Die Aktivgruppe schickt den Offenen Brief nach Berlin.

Die Aktivgruppe „12:44“ im Städtischen Krankenhaus verlangt endlich spürbare Verbesserungen in Gesundheitswesen. In einem Offenen Brief an Gesundheitsminister Jens Spahn rügen sie seine Pläne von Personaluntergrenzen bei der Pflege.

shz.de von
19. November 2018, 18:44 Uhr



Immer weniger Personal für immer mehr Patienten – für die Krankenschwestern und Pfleger, die Therapeuten und Ärzte kann es auf diesem Weg nicht mehr weitergehen. Die Initiative „12:44 Uhr – Aktiv im Städtischen“ hat deshalb im Städtischen Krankenhaus Kiel Unterschriften gesammelt und einen Offenen Brief mit Forderungen an den Berliner Gesundheitsminister Jens Spahn verschickt. Zentraler Appell: Der Mensch muss wieder im Mittelpunkt des Gesundheitssystems stehen.

Börge Stange ist Pfleger auf der Kardiologischen Station. Für ihn sind die Arbeitsbedingungen von Jahr zu Jahr schlechter geworden. Wobei Stange nicht allein „sein“ Krankenhaus vor Augen hat. „Ich weiß, dass es auch in anderen Häusern gärt“, sagt er. Und in den privaten Krankenhäusern und Pflegeheimen, die noch eine Rendite abwerfen müssen, sei die Situation ohnehin schwieriger als in den öffentlichen Kliniken.

Zu den Aktiven der Initiative „12:44“ bekennen sich auch die Krankenschwestern Nina Neumann und Manuela Rasmussen, die Kinderkrankenschwester Birte Baillie, der Pfleger Florian Wolf und der Pflege-Lehrer Helmut Oeverdieck. Sie alle sind überzeugt, dass Spahn mit seiner vollmundigen Ankündigung von „Personaluntergrenzen“ das Problem nicht lösen, sondern im Gegenteil noch verschärfen wird. Und sein Satz „Wir haben verstanden“ ist für sie nur eine leere Worthülse. Solange sich jedenfalls die Zahl der Patienten, die von einer Krankenschwester (oder einem Pfleger) betreut werden, nicht spürbar verringert.

Laut Stange kümmert sich eine Fachkraft heute um 13 bis 15 Patienten, beim Nachtdienst sind es sogar 30 oder mehr. Die Initiative „12:44“ aber verlangt einen Schlüssel von eins zu sechs – erst dann wäre eine ausreichende Betreuung gesichert. „Wir betrachten das Einzementieren des schlechten Ist-Zustandes mit Sorge“, heißt es im Offenen Brief an Jens Spahn. Gefordert wird eine kostendeckende Vergütung der Krankenkassen für die Arbeit im Krankenhaus.

Verbittert haben die Frauen und Männer im Städtischen Krankenhaus in der Vergangenheit registriert, dass etwa für verschuldete, aber „systemrelevante“ Banken teure Rettungsschirme aufgespannt wurden. Provokant fragen die Aktiven der Gruppe „12:44“ den Minister: „Verstehen Sie die Pflege und die anderen Berufe im Krankenhaus auch als systemrelevant?“

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