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PLantage in der WOhnung : Bewährungsstrafe für den Cannabiszüchter

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es war purer Zufall: Nach Wasserrohrbruch entdeckte zu Hilfe gerufene Feuerwehr in der Wohnung eines Mehr-Familien-Hauses in Kiel-Gaarden eine geheime Marihuana-Plantage. Das Amstgericht verurteilte den 34-jährigen Besitzer zu zehn Monaten Haft auf Bewährung.

Dumm gelaufen für den 34-jährigen Deutsch-Türken: Er hatte in seiner Zwei-Zimmer-Wohnung unter dem Dach eine geheime Marihuana-Plantage angelegt. Niemand ahnte etwas von den rund 100 Pflanzen, die dort in verschiedenen Entwicklungsstadien reiften. Dann aber brach in dem Mehrfamilienhaus in Gaarden-Süd das Wasserrohr. Und die zu Hilfe gerufene Feuerwehr entdeckte bei den Arbeiten am Gebäude eher zufällig den verbotenen „Zimmer-Garten“. Gestern wurde der Angeklagte vom Schöffengericht zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Dass die Plantage so schnell aufflog, hatte aber auch sein Gutes für den 34-Jährigen. Noch war das Marihuana mit einem Gesamtgewicht von knapp drei Kilo nicht in den Handel gekommen. Erste Ernte-Ergebnisse wiesen Schimmelbefall auf, was der kundige Staatsanwalt als „typische Anfängerfehler“ bezeichnete. Wäre die Indoor-Zucht ein paar Monate später aufgefallen und das Rauschgift bereits verkauft worden, hätte es eine deutlich stärkere Strafe gegeben. Das machte der Richter in seiner Urteilsbegründung klar.

Immerhin hatte der Angeklagte die Wohnung für die Plantage sorgfältig präpariert. Wassertonnen, Granulat und Dünger waren ebenso vorhanden wie Anzucht-Gewächshäuser, Wärmelampen und Zeitschaltuhren. Unter den Zeltplanen sorgten Apparaturen für eine geregelte Temperatur von 25 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 35 Prozent. Der 34-Jährige hatte mit einer ausgeklügelten Konstruktion auch dafür gesorgt, dass der verräterische süßliche Duft der Cannabispflanzen nicht nach draußen ins Treppenhaus dringen konnte.

Andererseits war der Angeklagte überhaupt nicht vorbestraft und außerdem voll geständig. Das erleichterte dem Gericht, zusammen mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung eine Vereinbarung über das Strafmaß zu treffen. Auch auf die Befragung von Zeugen hatte der Richter verzichtet.

Der 34-Jährige, der einen Realschluabschluss vorweisen kann, arbeitet als Gebäudereiniger und Möbelträger. Von seinen gut 1000 Euro netto muss er neben der eigenen Wohnung auch den Unterhalt für den dreijährigen Sohn (144 Euro) bezahlen. Zudem hat er noch Schulden von 3000 Euro an GEZ-Gebühren und Mietrückständen zu begleichen.

Das berücksichtigte der Richter in seinem Urteil. Denn neben der Haftstrafe von zehn Monaten – ausgesetzt für zwei Jahre auf Bewährung – muss der gescheiterte Drogenproduzent 600 Euro an eine Suchthilfe-Einrichtung zahlen. Das kann in monatlichen Raten von 30 Euro passieren. Am Schluss wandte sich der Richter noch einmal direkt an den Angeklagten, der sich im Verfahren selbst nicht geäußert hatte. „Mir fehlt ein Zeichen der Reue. Es hätte vielleicht eine Verringerung der Strafe gebracht.“  

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erstellt am 23.Okt.2015 | 06:10 Uhr

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