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Überfall am bett : Bewährungsstrafe für 42-jährigen Schlosser

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Am Tatbestand der Geiselnahme schrammte er knapp vorbei: Der 42-jährige Schlosser, der vor vier Jahren mitten in der Nacht seine Bekannte in ihrem Haus in Felde (Kreis Rendsburg-Eckernförde) überfallen hatte, wurde „nur“ wegen Körperverletzung, Nötigung und Hausfriedenbruchs verurteilt. Die Haftstrafe von zwei Jahren wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Ins Gefängnis muss er nicht: Der 42-jährige Schlosser, der im Sommer vor vier Jahren in Felde (Kreis Rendsburg-Eckernförde) ins Haus seiner Bekannten eingedrungen war, die Frau bedroht und ihr auch das Nachthemd hochgezogen hatte, wurde gestern zu einer 24-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Wegen Körperverletzung, Nötigung und Hausfriedenbruchs. Der Richter machte ihm klar, dass er nur knapp am Tatbestand der Geiselnahme vorbeigeschrammt war – darauf stehen fünf Jahre Gefängnis.

Den Blick meist gesenkt, die Hände gefaltet, hörte sich der breitschultrige Mann die einstündige Urteilsbegründung an. Zu den Bewährungsauflagen gehören ein finanzieller Schadenausgleich in Höhe von 6500 Euro – abzustottern in monatlichen Raten von 200 Euro – sowie die Teilnahme an einem Anti-Gewalt-Training, um künftige Konflikte besser lösen zu können. Denn nach richterlicher Auffassung kann der Angeklagte mit Frustration und Enttäuschung nicht umgehen.

Nur knapp vor besagter Tat hatte ihm seine Ex-Frau mitgeteilt, dass er den gemeinsamen zehnjährigen Sohn ab sofort nicht mehr zu sehen bekommt. Auch eine weitere Beziehung war gescheitert. Und so setzte der Schlosser große Hoffnungen in die Frau, die er in einer Mettenhofer Spielhalle kennen gelernt hatte. Er machte sich mit Gefälligkeiten nützlich, reparierte das Auto, kümmerte sich um ihr kleines Häuschen in Felde. Deshalb hatte er auch keine Schwierigkeiten mit dem Einbruch. Einmalhandschuhe, Kabelbinder und ein Messer hatte er dabei, als er mitten in der Nacht auf den 6. Juli 2010 vor dem Bett seiner Bekannten auftauchte, ihr mit der Lampe ins Gesicht leuchtete und sie bedrohte.

Sie sollte ihre Anzeige zurückziehen. Er hatte nämlich, als auch sie die Freundschaft aufgekündigt hatte, die Ersatzteile an ihrem Auto kurzerhand wieder abgebaut. Das brachte ihm ein offizielles Hausverbot und ein Verfahren ein. „Willst Du mich umbringen?“, fragte die Frau in ihrer Todesangst. „Nein, eigentlich nicht“, antwortete der Mann. Zwar schob er der im Bett liegenden Frau das Nachthemd hoch, doch zu weiteren Übergriffen kam es nicht. Im Gegenteil: Um die Lage zu entspannen, willigte die Frau ein, im Wohnzimmer gemeinsam eine Zigarette zu rauchen und ihre Anzeige zurückzunehmen. Der Mann verschwand.

Tragisch: Die Frau war in der Spielhalle schon einmal zum Überfallopfer geworden, sie arbeitete daran, ihr Trauma zu überwinden. Die zweite Tat warf sie völlig um, wie ein Gutachter erklärte. Sie flüchtete förmlich aus Felde, verkaufte ihr Häuschen mit Verlust, geriet in die Privatinsolvenz und versucht heute mühevoll, den Alltag wieder aus eigenen Kräften zu meistern. Ob sie je wieder arbeiten kann, ist fraglich. Deshalb ist auch das Urteil vor dem Landgericht noch nicht das Ende für den Angeklagten. Auf ihn wartet im Zivilverfahren noch ein Prozess um Schadenersatz.

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erstellt am 26.Nov.2014 | 21:37 Uhr

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