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Kleptomanie : Bewährung für die 38-jährige Diebin

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sie konnte es einfach nicht lassen, als sie die Kassette entdeckte. Die Reinmachefrau ließ in einer Privatwohnung wertvollen Schmuck gestohlen. Vor Gericht zeigte sie sich geständig und therapiefähig – so kam sie mit einer Bewährungsstrafe davon.

shz.de von
erstellt am 24.Nov.2015 | 19:00 Uhr

Sauber machen sollte sie in der Wohnung einer Frau (51), die überraschend ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Die Cousine der Erkrankten hatte den Reinmachjob vermittelt und war auch dabei, als sich die 38-Jährige im Sommer 2014 ans Aufräumen und Aufwischen machte. Dabei stieß sie auf eine Schmuckkassette – und in einem unbeobachteten Moment ließ sie kurzerhand Goldketten, Armbänger und Ohrstecker mitgehen. Sie verkaufte ihre auf 2000 Euro geschätzte Beute wenig später im Pfandhaus für 500 Euro. Gestern im Amtsgericht gab’s die Quittung: vier Monate Gefängnisstrafe – allerdings für zwei Jahre ausgesetzt auf Bewährung.

Wahrscheinlich wäre es nicht so weit gekommen, hätte ein Bewährungshelfer schon vor zwei Jahren eingegriffen. Denn wegen ähnlicher Delikte war die Angeklagte bereits vor drei Jahren verurteilt worden, sie saß zeitweilig sogar in Haft. „Es war schrecklich“, erklärte sie gestern der Richterin. Obwohl im damaligen Urteil schriftlich festgehalten, hat sich der verordnete Bewährungshelfer nie bei ihr gemeldet. Womöglich hätte er früher erkannt, was die 38-Jährige jetzt selber mit Verspätung bei ihrer Psychologin erfahren hat: Sie muss lernen, gegen den Zwang zum Klauen anzukämpfen. Von Kleptomanie sprechen die Experten.

„Ich habe den Schmuck gesehen und habe ihn genommen. Es schoss mir einfach in den Kopf“, erklärte die voll geständige Angeklagte. Offenbar hat sie mittlerweile gelernt, den Drang zu bekämpfen. Als Reinigungskraft im Krankenhaus kam sie durchaus in Versuchung, widerstand aber erfolgreich – gestärkt durch die Gruppentherapie bei der Brücke in Neumünster.

Sie hat sich per Brief mittlerweile bei ihrem Opfer entschuldigt und Wiedergutmachung versprochen. Allerdings: Der ideelle Wert ist kaum zu ersetzen, unter den verhökerten Wertsachen war auch ein alter Ehering, er stammt noch von den Eltern der bestohlenen Frau.

Staatsanwältin wie Richterin zeigten sich angesichts von Geständnis, Reue und echtem Umkehrwillen gnädig. Die viermonatige Haftstrafe wegen Diebstahl und Betrug wurde für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, außerdem muss die 38-Jährige mindestens 50 Euro monatlich an ihr Opfer zahlen. Wichtig: Diesmal soll sich der Bewährungshelfer auch tatsächlich um die therapierte Kleptomanin kümmern.  

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