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Betrugs-Prozess in Kiel : Bestechlicher Ex-NDR-Redakteur zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt

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Für die Zusage, Sendezeiten zu verschaffen, hat ein früherer NDR-Redakteur kräftig kassiert. Jetzt ist er vorbestraft und muss viel Geld zurückzahlen.

shz.de von
erstellt am 16.Mär.2016 | 12:00 Uhr

Kiel | Ein früherer Redakteur des Norddeutschen Rundfunks (NDR) ist in Kiel wegen Bestechlichkeit in 77 Fällen zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Zudem müssen der 62-Jährige und seine Frau rund 160.000 Euro als Vermögensabschöpfung zahlen, entschied das Kieler Landgericht am Mittwoch. Der Journalist habe Firmen und Verbänden vorgetäuscht, er könne ihnen Sendezeiten beschaffen und ihre Themen ins Programm heben, sagte der Vorsitzende Richter.

Mit seinen Taten hat der Angeklagte wohl auch die Glaubwürdigkeit des Journalismus untergraben. Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes Schleswig-Holstein, Günther Jesumann, warf dem Ex-NDR-Kollegen vor, dem „Journalismus einen Bärendienst erwiesen“ zu haben. „Er hat seinen Kunden glaubhaft gemacht, journalistische Inhalte seien kaufbar“, sagte er am Rande des Verfahrens.

Für die vom NDR nicht genehmigten Nebentätigkeiten bezog der Angeklagte dem Urteil zufolge rund 360.000 Euro brutto. Der Richter sprach von einem besonders schweren Fall der Bestechlichkeit, der sich der Redakteur als Amtsträger des öffentlich-rechtlichen Rundfunks schuldig gemacht habe. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft war der Journalist selbst nicht in den Verträgen aufgetaucht - sie seien über seine Frau und einen Freund gelaufen.

Auf das Konto der Ehefrau flossen wohl auch die Einnahmen des NDR-Redakteurs, die das Ehepaar für einen luxuriösen Lebensstil verwendet habe, etwa für ein gehobenes Reihenhaus im Kieler Nobelviertel Düsternbrook.

Die Dienste des 62-Jährigen als Medienberater hätten mehrere Firmen gegen Honorare von bis zu 186.000 Euro in Anspruch genommen, sagte der Staatsanwalt. Den Auftraggebern habe er vorgetäuscht, er könne ihnen Sendezeiten verschaffen. Tatsächlich aber habe der Redakteur keine Sendungen platziert. Das hätten auch gründliche Überprüfungen des NDR bestätigt.

Die weiteren Vorwürfe, der Mann habe sich mit falschen Angaben Arbeitslosengeld und einen Gründungszuschuss erschlichen, ließ der Staatsanwalt fallen. Der Redakteur war 2010 aufgeflogen. Seiner fristlosen Entlassung beim NDR kam er mit der Kündigung zuvor.

Mit dem Urteil folgte das Gericht weitgehend dem Antrag des Staatsanwalts. Strafmildernd wertete die Kammer unter anderem, dass der Angeklagte voll geständig war - wenn auch im Rahmen eines Deals zwischen Gericht, Ankläger und Verteidigerin. Gegen die Zusicherung einer Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren räumte der Angeklagte die Vorwürfe ein. Wegen der rechtsstaatswidrigen Verfahrensverzögerung gelten drei Monate der Strafe als verbüßt.

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