Stickoxide : Bessere Luftwerte – Habeck atmet auf

Die entscheidende Passage: Auf diesem Abschnitt des Theodor-Heuss-Rings liegen die Stickoxide seit Jahren über dem Limit.
Die entscheidende Passage: Auf diesem Abschnitt des Theodor-Heuss-Rings liegen die Stickoxide seit Jahren über dem Limit.

Der amtierende Umweltminister will eine generelle Sperrung von Strecken mit starker Abgasbelastung unbedingt vermeiden. Deshalb lässt verschiedene andere Szenarien prüfen. Wozu auch ein Verbot für die sogenannten Stinker gehört.

shz.de von
30. Januar 2018, 17:33 Uhr

In der laufenden Auseinandersetzung um die unerlaubt hohen Stickoxid-Werte auf einigen Straßen des Landes gab sich Schleswig-Holsteins Noch-Umweltminister Robert Habeck gestern zuversichtlich. „Pauschale Fahrverbote, bei dem niemand mehr über den Theodor-Heuss-Ring fahren kann, werden nicht erforderlich sein.“ Allerdings: Bei der Aufstellung eines neuen Luftreinhalteplans wird im Ministerium auch über Fahrverbote für sogenannte „Stinker“ unter den Lastwagen nachgedacht. Das wiederum wäre ein Szenario, vor dem Oberbürgermeister Ulf Kämpfer – etwa mit Blick auf den Ostuferhafen – intensiv gewarnt hatte.

Habeck fühlt sich sich in seiner Prognose gestärkt durch die Messwerte des vergangenen Jahres. Danach ist die Belastung durch Stickoxide landesweit gesunken. So fiel der Wert im kritischen Bereich des Kieler Theodor-Heuss-Rings im Verlauf der B 76 um 15 Prozent von 65 auf 56 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. In der benachbarten Bahnhofstraße ging die Belastung von 42 auf 41 Mikrogramm zurück. Die Europäische Union hat als Limit einen Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm festgeschrieben, zumindest der Heuss-Ring liefert Werte, die erheblich über der erlaubten Grenze liegen.

„Das Ministerium arbeitet deshalb zusammen mit allen beteiligten Akteuren mit Hochdruck an der Fortschreibung des Luftreinhalteplans für die Stadt Kiel“, erklärte Habeck gestern. Das Land reagiert damit auf eine Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Die Organisation will in diesen Tagen erreichen, dass das Bundesverwaltungsgericht über die Zulässigkeit möglicher Fahrverbote auf arg betroffenen Straßen entscheidet.

Laut Habeck werden im Ministerium eine Reihe unterschiedlicher Szenarien geprüft. Dazu gehört offenbar auch ein Verbot für die sogenannten „Stinker“ unter den Transportern – Diesel-Lastwagen, die die Euro-6-Norm nicht erfüllen. „Die Messergebnisse zeigen deutlich, dass die Emissionen des Straßenverkehrs auf dem Theodor-Heuss-Ring die Hauptursache für die hohen Belastungen sind“, so Habeck.

Oberbürgermeister Kämpfer sieht die Gefahr, dass die Speditionen künftig um Kiel einen großen Bogen machen, sollten Fahrverbote Geltung erhalten. Denn eine realistische Ausweichstrecke für den vielbefahrenen Theodor-Heuss-Ring existiert in der Stadt nicht. Wie viele andere Kritiker auch sieht Kämpfer vor allem die Autobauer in der Pflicht, für niedrige Abgaswerte der Motoren zu sorgen.

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