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Weihnachtsmann in Kiel : Besondere Bescherung für besondere Kinder

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine Dartscheibe und ein Hubschrauber: In Kiel beschenkt der Weihnachtsmann Kinder drogensüchtiger Eltern. Weihnachtslieder werden auch angestimmt.

shz.de von
erstellt am 20.Dez.2013 | 06:47 Uhr

Julias* Geschenk hat die Nummer 44, das von Max* trägt die Zahl 43. Die Zehnjährige hatte sich eine Dartscheibe gewünscht, ihr zwölfjähriger Bruder wollte gern einen ferngesteuerten Hubschrauber haben. Beides haben sie vom Weihnachtsmann bekommen – ein paar Tage vorgezogen. Diese Wünsche hat ihnen nicht ihre Mutter Monika* (39, Namen geändert) erfüllt. Kunden eines Kieler Optikers hatten diese vorab erfahren und dafür gespendet – und so eine ganz besondere Bescherung ermöglicht: Die Weihnachtsfeier bei HiKiDra in Kiel. Bei Knabbereien, heißen Getränken und Weihnachtsliedern stimmten sich Julia, Max, ihre Mutter Monika und 30 weitere Kinder mit ihren Familien auf die Feiertage ein.

HiKiDra – die sperrige Abkürzung steht für ein Kieler Hilfsprojekt, das sich speziell an Kinder drogenabhängiger Eltern richtet. HikiDra ist Teil der Fachambulanz Kiel, an der Drogensüchtige beraten, begleitet und behandelt werden. Zurzeit nehmen etwa 50 Kinder und 80 Eltern die kostenlose Hilfe in Anspruch.

Monika ist eine der Mütter, die sich in der Einrichtung in der Boninstraße Rat holt, „wenn ich allein nicht weiter weiß“. Seit vielen Jahren lässt sich die Alleinerziehende in der Fachambulanz wegen ihrer Cannabis-Sucht behandeln. Vier Mal hat sie mit ihren Kindern schon bei Leiter Jan Rademann und seinen Kollegen Weihnachten gefeiert. Tochter Julia gefällt es sehr: „Das ist jedes Mal richtig cool. Macht Spaß zu singen, und der Weihnachtsmann ruft die Namen der Kinder auf, um ihnen das Geschenk zu geben.“ Sie kennt die Sucht ihrer Mutter: Bei HiKiDra besucht sie die Präventionsgruppe für Schulkinder. „Ich weiß von falschen Freunden, und wie das zur Drogensucht führen kann“, sagt das Mädchen mit den braunen Haaren. Eben so, wie es bei ihrer Mutter war. Es geht Julia ganz locker über die Lippen. „Sie hat das richtig gut verstanden“, sagt Monika. Das Team um Jan Rademann versucht, die Kinder schonend auf die Probleme ihrer Eltern vorzubereiten.

Das Team besteht aus dem Sozialpädagogen Rademann, einer Heilpädagogin sowie einer Erzieherin und bietet einzelnen Kindern oder Familien genauso Unterstützung an wie Gruppen. Ob beim Familien-Frühstück, der Präventionsgruppe für Schulkinder oder beim Hausbesuch: Vorrangig geht es bei HiKiDra darum, die Heranwachsenden so zu stärken, dass sie das Problem ihrer Eltern besser verstehen und nicht in dieselbe Suchtfalle tappen. „Bei diesen Kindern besteht ein stark erhöhtes Risiko dafür“, sagt Jan Rademann.

In der Landeshauptstadt sind Rademann zufolge im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich viele Drogenabhängige gemeldet, die im Methadon-Programm leben, rund 1250 Kieler. „Wir gehen durch eigene Erhebungen von über 300 Kindern aus, die direkt und offiziell betroffen sind.“

Julia und Max bekommen übrigens auch noch von der Mama kleine Geschenke. Nummer 43 und 44 sind nur der Vorgeschmack aufs Fest.

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