Havariertes Kreuzfahrtschiff : Bergung der Costa Concordia: Geomar Kiel ehrt Captain Sloane

Ein 300 Meter langes Wrack, aufgerichtet mit „Schwimmflügeln“: Die Bergung des Wracks der Costa Concordia war eine Meisterleistung, die heute in Kiel gewürdigt wurde.
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Ein 300 Meter langes Wrack, aufgerichtet mit „Schwimmflügeln“: Die Bergung des Wracks der Costa Concordia war eine Meisterleistung, die heute in Kiel gewürdigt wurde.

Er leitete die Bergung des Ozeanriesen „Costa Concordia“ und verhinderte damit eine Umweltkatastrophe: Nicholas Sloane wurde heute in Kiel mit dem Deutschen Meerespreis 2015 geehrt.

shz.de von
04. Mai 2015, 18:00 Uhr

Kiel/Giglio | Wenn auf den Weltmeeren etwas gewaltig schief geht, klingelt das Telefon von Nicholas Sloane. Spätestens seit der von ihm geplanten Bergung der havarierten „Costa Concordia“ gilt der Experte für Schiffsbergungen in seinem Fachgebiet als weltweite Referenz. Die „Neue Zürcher Zeitung“ adelte ihn nach dem Geniestreich zum „Helden der Meere“.

Am Montag bekam der 57-jährige Südafrikaner für sein erfolgreiches Risikomanagement bei der Bergung des vor der italienischen Insel Giglio havarierten Ozeanriesen den „Deutschen Meerespreis 2015“ verliehen. Der Preis wird vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und der Deutschen Bank ausgelobt und ist mit 20.000 Euro dotiert.

„Die Bergung des Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia vor der italienischen Insel Giglio war einer längsten, kompliziertesten und teuersten Bergungseinsätze der Geschichte“, heißt es in der Pressemitteilung von Geomar.

Das knapp 300 Meter lange, mit über 4000 Passagieren besetzte Kreuzfahrtschiff war im Januar 2012 auf Grund gelaufen und mit 65 Grad Breitseite auf einem Felsen liegen geblieben. 32 Menschen starben bei dem Unglück.

Über 2,5 Jahre hatte Nicholas Sloane mit seiner 500-Kopf-starken Mannschaft die Aufrichtung und den schließlichen Abstransport des havarierten Ozeanriesen geplant und erfolgreich bewerkstelligt. Er werde Giglio nur mit der „Costa Concordia“ zusammen verlassen, und er werde als Letzter von Bord gehen, hatte der selbstbewusste Bergungsexperte stets betont. Im Juli 2014 war es dann endlich soweit: Schlepper konnten das hochgelegte Wrack nach Genua ziehen, wo es verschrottet werden sollte. Mit einem langen Applaus und Sirenengeheule im Hafen wurde Sloane am Hafen von den erleichterten Einwohnern begrüßt. „Jetzt will ich nur noch ein Bier trinken und schlafen gehen“, gab er zu wissen: Sein vielleicht größter Auftrag war erfolgreich beendet. Kostenpunkt: 1,5 Milliarden Euro.

„Das Unglück der Costa Concordia zeigt uns, wie schnell und verheerend sich menschliche Fehler gerade auf den Weltmeeren auswirken können“, sagt Geomar-Direktor Professor Peter Herzig. „Nick Sloane hat mit seinem Team nicht nur eine riesige technische Herausforderung erfolgreich bewältigt, sondern auch einen immensen Umweltschaden vor der italienischen Küste vermieden“, so Herzig weiter. Dies sei für das Geomar als Meeresforschungseinrichtung natürlich ein ganz besonderes Anliegen, so der Direktor.

Es hatte einiges auf dem Spiel gestanden: Die über 2000 Tonnen Schweröl und 180 Tonnen Schmierstoff an Bord stellten eine erhebliche Gefährdung für die Umwelt dar, im Speziellen auch für mehrere Naturreservate in der Umgebung des Monte Argentario.

Mit Führungsstärke und technischer Raffinesse zum Ziel: Captain Nicholas Sloane.
dpa
Mit Führungsstärke und technischer Raffinesse zum Ziel: Captain Nicholas Sloane.

Für Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig, Schirmherr des Deutschen Meerespreises, kann Sloanes Leistung gar nicht hoch genug bewertet werden: „Trotz bester Ausbildung und hoher Sicherheitsstandards wird es eine 100-prozentige Sicherheit im Schiffsverkehr nie geben, denn menschliches Versagen ist häufig die Hauptursache für Schiffsunglücke. Darum ist es gut zu wissen, dass es Experten wie Nick Sloane gibt, die unter höchstem persönlichen Einsatz die Folgen solcher Katastrophen in Grenzen halten.“

In einer ersten Reaktion sagte Nicholas Sloane: „Es ist für mich eine große Ehre, diesen Preis, auch stellvertretend für die beteiligte Bergungsindustrie, entgegen nehmen zu dürfen. Ich möchte mich ausdrücklich bei allen Beteiligten bedanken, ganz besonders aber natürlich bei meiner Familie, die mit viel Geduld und Verständnis meine lange Abwesenheit ertragen hat“, so Sloane weiter.

An dem Festakt im Geomar nahmen laut Auskunft des Instituts knapp 300 geladene Gäste aus dem In- und Ausland teil, darunter der Kieler Oberbürgermeister sowie die Botschafter Südafrikas und Italiens.

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