zur Navigation springen

Kommentar : Belästigung im Kieler „Sophienhof“: Kühlen Kopf bewahren

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Bauchgefühl fordert Taten statt Worte. Das Gefühl ist nachvollziehbar, aber trügerisch, kommentiert Holger Loose.

shz.de von
erstellt am 27.Feb.2016 | 13:23 Uhr

Keine Frage, es fällt schwer angesichts der jüngsten Vorfälle in einem belebten Kieler Einkaufszentrum Besonnenheit zu bewahren. Drei junge Frauen werden im „Sophienhof“ von einem aufdringlichen Mob verfolgt, immer wieder belästigt und in Angst versetzt. Was für ein abscheuliches Verhalten. Das Bauchgefühl meldet sich umgehend, fordert Taten statt Worte – bis hin zur sofortigen Abschiebung. Aber Vorsicht: Dieses Gefühl mag nachvollziehbar sein, es ist aber trügerisch und kein guter Berater. Auch wenn es schwer fällt, gerade jetzt ist ein kühler Kopf gefragt.

Eine Gruppe junger Männer mit Migrationshintergrund schert sich einen Dreck darum, ob sie die Mädchen in Panik versetzt. Ihnen ist es egal, welche Spielregeln in dem Land gelten, in dem sie zu Gast sind. Und sie machen sich offenbar auch keine Gedanken darum, welche Auswirkungen ihr schwachsinniges Handeln auf die aktuelle Diskussion um den Umgang mit Flüchtlingen und Migranten hat.

Sofort fallen einem da wieder die Vorfälle aus der Silvesternacht in Köln ein. Zum Glück sind in der Landeshauptstadt sexuelle Übergriffe und körperliche Gewalt gegen die jungen Frauen ausgeblieben. Das macht das Geschehene aber nicht besser.

Dennoch: Auch für die Männer, die in Kiel jeden Respekt für Recht und Ordnung vermissen ließen, gelten dieselben Gesetze wie für jeden anderen Menschen in Deutschland. Die Forderung, die Rädelsführer mit der ganzen Härte des Gesetzes zu bestrafen, ist berechtigt – alles, was darüber hinaus geht, ist populistisch und falsch.

Wir leben in einem Rechtsstaat, in dem jeder Bürger durch unverletzliche Grundrechte und eine unabhängige Rechtsprechung geschützt wird – und darauf sollten wir stolz sein.

Und noch eins: Kiel gilt zu Recht als weltoffene Stadt. Hier leben seit Jahrzehnten Tausende Menschen mit Migrationshintergrund Seite an Seite friedlich mit ihren deutschen Nachbarn zusammen. Das sollte durch nichts kaputt gemacht werden, schon gar nicht durch eine Horde dummer junger Männer, wo immer diese auch herkommen.
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert