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In Kiel : Begrüßungsgeld immer stärker gefragt

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

2553 junge Neu-Kieler haben seit Dezember die 100 Euro erhalten. Die Zahlen der Antragsteller steigen. Auch die Nachbarstadt Rendsburg buhlt zurzeit um Studenten - Rotarier wollen sie mit Stipendien an den Kanal locken.

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erstellt am 09.Apr.2015 | 05:33 Uhr

Seit Dezember vergangenen Jahres stand im alten Kieler Rathaus ein Aufsteller an prominenter Stelle, direkt im Foyer. Er wies alle Interessierten auf die Auszahlung des Begrüßungsgeldes hin. Bis Ende März konnten sich Studenten sowie Auszubildende und Berufsfachschüler, die ihren Hauptwohnsitz in der Stadt angemeldet haben, einmalig 100 Euro abholen. Ein Angebot, das offensichtlich ankommt: „Es wird jedes Jahr mehr“, sagt Joachim Kläschen von der Pressestelle der Landeshauptstadt Kiel. Immer mehr junge Leute nehmen das 2006 eingeführte „Bonbon“ in Anspruch. Es wurde 2014 von 150 auf 100 Euro abgesenkt, um auch Auszubildende und Berufsfachschüler berücksichtigen zu können.

Die Bilanz: In den vier Monaten seit Anfang Dezember erhielten 2553 junge Neu-Kieler die 100 Euro. Im Jahr zuvor hatten im selben Zeitraum noch 2331 Antragsteller die Hand aufgehalten. Die Stadt zahlte nun also gut eine Viertelmillion Euro aus, um den Nachwuchs an Kiel zu binden.

Die Landeshauptstadt macht dies natürlich nicht nur, weil sie möchte, dass sich Studenten, Azubis und Berufsfachschüler an der Förde wohlfühlen. Auch klar, dass sie hofft, dass diese möglichst lange bleiben. Sie zahlt sogar gern – weil sich der Bonus pro Neubürger steuerlich für sie lohnt. Laut Sprecher Joachim Kläschen erhält die Stadt „überschlägig durch den kommunalen Finanzausgleich zwischen 800 und 1000 Euro pro neu Hinzugezogenem mit Hauptwohnsitz in Kiel“. Das Begrüßungsgeld sei kein Nullsummenspiel für die Stadt. „Der fiskalische Mehrwert ist bewiesen“, lobte schon Bürgermeister Peter Todeskino das Programm, das allerdings auch einige Städte wieder abgeschafft haben.

Studenten als belebender Faktor für eine Kommune – auf die Idee ist man jüngst auch im benachbarten Rendsburg gekommen. Der Rotarier und Vorsitzende des Verschönerungsvereins, Dr. Norbert Klause, will mit seinen rotarischen Freunden Studenten aus Kiel zum Wohnen in die rund 30 Kilometer entfernte Stadt am Nord-Ostsee-Kanal locken (wir berichteten). Stärkstes Argument: Die Wohnungskosten sind in Rendsburg deutlich niedriger als in Kiel. Mit Stipendien möchten die Rotarier nun Nachwuchs-Wissenschaftler aus der beliebten Studentenstadt abziehen. Sogar der Präsident der Christian-Albrechts-Universität, Lutz Kipp, war Ende März der Einladung zum Rendsburg-Tag gefolgt, an dem 20 Studenten teilnahmen. Und die zeigten sich sogar interessiert. Kipp lobte Rendsburg zudem als „Stadt mit Potenzial“.

Was sagt die Stadt Kiel zu solch einem Vorstoß? „Die Bemühungen der Rendsburger Rotarier und der Rendsburger Verwaltungsspitze zeugen von großem Engagement“, teilt Pressesprecherin Annette Wiese-Krukowska mit. Finanzielle Anreize setze Kiel mit dem Begrüßungsgeld allerdings auch. „Entscheidender sind aber für viele Studierende die kurzen Wege zwischen Wohnung und Hochschule“, ist Wiese-Krukowska überzeugt. Der Wohnungsbau für die wachsende Landeshauptstadt werde daher zur Zeit kräftig angekurbelt. Wiese-Krukowska: „Projekte wie Wohnen-für-Hilfe zeigen zudem, dass auch kreative Wege beschritten werden, um der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt kurzfristig zu begegnen.“

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