Afrikanische Schweinepest : Bedrohung der Existenz: Bauern in SH fürchten die Schweinepest

Ist ein Tier erstmal mit der Afrikanischen Schweinepest infiziert, stirbt es schnell einen qualvollen Tod. Für Menschen ist das Virus jedoch ungefährlich.
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Ist ein Tier erstmal mit der Afrikanischen Schweinepest infiziert, stirbt es schnell einen qualvollen Tod. Für Menschen ist das Virus jedoch ungefährlich.

Um das Ausbrechen in Deutschland zu verhindern, halten Bauern, Jäger mit Landwirtschaftsminister Robert Habeck am Freitag ein Krisentreffen ab.

shz.de von
12. Januar 2018, 09:32 Uhr

Kiel | Früher hat er es selbst einmal so gesagt: „Es ist keine Frage mehr, dass die Afrikanische Schweinepest nach Schleswig-Holstein kommt, sondern wann.“ Doch jetzt formuliert das der neu gewählte stellvertretende Präsident des Bauernverbandes, Dietrich Pritschau, etwas anders: „Wir müssen alles daran setzen, die Pest aus dem Land zu halten.“

Denn wenn die Afrikanische Schweinepest (ASP), die in Osteuropa bereits ausgebrochen ist, nach Deutschland kommen sollte, könnte das für einige Betriebe das Aus bedeuten, fürchtet Bauernverbands-Chef Werner Schwarz: „Es würde erhebliche Brüche in der Struktur der Schweinehaltung geben. Vor allem kleinere Betriebe werden aufgeben müssen.“

Sollte die ASP ausbrechen, fürchtet Schwarz Milliardenschäden für Schweinehalter und die Fleischindustrie. Es würde ein sofortiges Exportverbot für Schweineprodukte aus Deutschland verhängt. Dabei werden in Deutschland 125 Prozent des heimischen Verbrauchs produziert, so dass 25 Prozent in den Export gingen. Dieser Markt könne dann zusammenbrechen.

Auch um das zu verhindern, treffen sich heute Vertreter von Bauern und Jäger zu einem „Gipfeltreffen“ bei Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Auch Tier- und Naturschützer sowie Beamte des Innenministeriums, der Polizei und Vertreter der kommunalen Spitzenverbände werden daran teilnehmen. „Um die Prävention weiter zu stärken und im Falle eines Ausbruchs so gut wie möglich handeln zu können, ist ein intensives Zusammenspiel aller Beteiligten notwendig“, erklärt Ministeriumssprecherin Nicola Kabel. Bereits jetzt gebe es ein Frühwarnsystem in Schleswig-Holstein mit einem intensiveren Schwarzwild-Monitoring durch die Jäger, um erste Anzeichen einer Seuche so schnell wie möglich zu erkennen. Außerdem werde das Schwarzwild verstärkt bejagt, um die Bestände zu reduzieren und der Verbreitung der Seuche zuvorzukommen.

Die ASP ist eine Tierseuche, die nicht auf den Menschen übertragbar ist. Sie führt aber bei Wild- und Hausschweinen nach kurzer Zeit zum Tod. Es gibt keine Behandlungsmöglichkeiten und bislang keine Impfstoffe. Nach Ausbrüchen in Russland und der Ukraine hat sich die ASP innerhalb der EU bereits in Polen, Estland, Lettland und Litauen ausgebreitet und rückt in den Ländern weiter gen Westen vor.

Die Bauern fordern nun eine Reduzierung des Schwarzwildes um 70 Prozent, allerdings sagen sie auch, dass der Markt für Wildschweinfleisch nahezu zusammengebrochen ist. Die CDU-Landtagsfraktion fordert landesweit Drückjagden – auch in den Landesforsten. „Notfalls sind die Schonzeiten zu verkürzen“, sagt der Abgeordnete Hauke Göttsch. So sieht das auch die FDP.

Die Jäger sind skeptisch, die Zahl der Schweine deutlich reduzieren zu können. „Schon jetzt haben wir Mühe, den Bestand zu halten“, sagt Hans-Albrecht Hewicker vom Landesjagdverband. Kein Jäger erlege ein gesundes Tier, das er anschließend nicht verwerten könne. Es gebe Fälle, in denen Jäger mehr Geld für die Untersuchung des Tieres durch einen Tierarzt zahlen müssten als sie später für das Schwein bekämen. „Die Menschen sollten mehr Wildschweinfleisch essen“, so Hewicker. Zudem sei es wichtig, dass Jäger nicht zu Jagden in von der ASP betroffene Gebiete reisten.

Hamburg hat jetzt Maßnahmen für die Eindämmung von Schwarzwild ergriffen. Wildschweine sind in Hamburg seit Freitag zum Abschuss freigegeben. Im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest hob die Wirtschaftsbehörde am Freitag die Schonzeit auf. Auch der Einsatz künstlicher Lichtquellen zur nächtlichen Jagd wurde ausnahmsweise genehmigt, wie die Behörde am Freitag mitteilte. Als eine Art Kopfgeld gibt es für Einlieferung von Kadavern erkrankter Tiere 100 Euro.

Die Landwirte wollen mittelfristig die Entwicklung eines Impfstoffes. „Das Heimtückische an dem Virus ist, dass es in Speiseresten über Monate überleben kann“, sagt Pritschau. Es könne also durch Wurstwaren aus Osteuropa nach Westen gelangen, und dort etwa von Wildschweinen aufgenommen werden, die sich durch weggeworfene Speisereste ernähren. „Und Wildschweine halten sich nicht an Grenzen.“ Deshalb müssten Warnschilder an Autobahnraststätten aufgestellt und diese eingezäunt werden. Zudem müssten alle, die auf landwirtschaftlichen Betrieben arbeiten, noch stärker auf Hygiene achten.

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