Baukulturwerkstatt : Bausteine für die Zukunft

Die flachen Kasematten sind das Markenzeichen der noch zu dänischen Zeiten angelegten Festung Friedrichsort.
Die flachen Kasematten sind das Markenzeichen der noch zu dänischen Zeiten angelegten Festung Friedrichsort.

Erstmals richtet die Bundesstiftung Baukultur eine zweitägige „Werkstatt“ in Kiel aus. Am 4./5..Juli wollen die Experten einen unbefangenen Blick werfen auf drei historische Quartiere: den Campus der Universität, das Olympia-Dorf Schilksee und die Festung Friedrichsort.

shz.de von
11. Juni 2018, 19:43 Uhr

In der Zunft der Städteplaner und Bau-Experten gewinnt die Landeshauptstadt gegenwärtig kräftig an Renommee. So richtet jetzt die in Potsdam ansässige Bundesstiftung Baukultur ihr Augenmerk auf die boomende Stadt im Norden. Erstmals hält die Stiftung – die als unabhängige Einrichtung regelmäßig der Bundesregierung und dem Parlament Berichte abliefert und zugleich Handlungsempfehlungen präsentiert – Anfang Juli eine zweitägige „Baukulturwerkstatt“ in Kiel ab.

Die Stadt an der Förde ist für Reiner Nagel, den Vorstandsvorsitzenden der Stiftung, ein geeigneter Ort, um historische Quartiere gezielt in den Blick zu nehmen, zu bewerten und neue Anstöße zu geben – ohne den Charakter dieser Orte zu zerstören. Für die „Werkstatt“ haben sich Nagel und die Kieler Bau-Stadträtin Doris Grondke drei exemplarische Plätze ausgesucht: den Campus der Christian-Albrechts-Universität im Bereich Westring/ Olshausenstraße, die für Olympia 1972 geschaffene Siedlung Schilksee und die jahrhundertealte Festung Friedrichsort in direkter Nähe zum Gewerbegebiet.

Mit dem Kennerblick von außen und ohne starre Planungsvorschriften soll am Mittwoch und Donnerstag, 4. / 5. Juli, im Stena-Terminal am Schwedenkai nach Ansätzen für eine kräftige Aufwertung gesucht werden. „Erbe. Bestand. Zukunft“ heißt denn auch das laufende Programm der Bundesstiftung Baukultur.

Was bedeutet das beispielsweise für die Festung Friedrichsort, die seit Jahrzehnten im Dornröschenschlaf liegt? Die „Werkstatt“ soll Impulse liefern. Man will etwa über eine verbesserte Nutzung nachdenken, über eine museale Herrichtung ebenso reden wie wie über die Möglichkeiten zur Schaffung von Wohnraum.

„Wir sind nicht kanalisiert auf bestimmte Ergebnisse. Wir wollen debattieren, was geht und was nicht geht“, betont Doris Grondke. Sie spricht bewusst von der „Leistungsphase Null“ – von einer Ideensammlung unterhalb des verbindlichen Baurechts. Die Stadt hat dieses Verfahren bereits bei der Planung des Kleinen Kiel-Kanals verfolgt. Dutzende von Wünschen begleiteten damals die Planung für das „Wasserbecken“ mitten in der Stadt und sorgten für eine große Akzeptanz.

Für die „Baukulturwerkstatt“ hat die Stiftung Partner wie den Bund Deutscher Architekten, die Bundes-Ingenieurkammer oder auch die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen gewonnen. Das ist für Nagel kein Zufall. Mit der engen Verbindung von Stadt und Hafen, mit den Naturräumen an der Förde und nicht zuletzt mit einer „entspannten Bevölkerung“ besitze Kiel gegenwärtig eine steigende Attraktivität. Trotz des Dilemmas der Zerstörung im Krieg und manch unglücklicher Wiederaufbau-Leistung. „Wir wollen das baukulturelle Verständnis wecken“, erklärt Doris Grondke den tiefen Sinn der „Werkstatt“. Die Arbeit lohnt sich in ihren Augen allemal. Denn: „Kiel ist die tollste Stadt überhaupt.“

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