Geomar-Zentrale : Baukosten liegen jetzt bei 109 Millionen Euro

Blick von Anleger in Neumühlen:  So will sich die künftige Geomar-Zentrale an der Schwentinemündung spätestens Ende 2021 präsentieren.
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Blick von Anleger in Neumühlen: So will sich die künftige Geomar-Zentrale an der Schwentinemündung spätestens Ende 2021 präsentieren.

Die Investitionssumme für die Vergrößerung der Geomar-Zentrale auf dem Kieler Ostufer ist seit 2008 um 40 Prozent gestiegen. Was auch an der zwischenzeitlichen Insolvenz des General-Bauunternehmens liegt. Direktor Peter Herzig setzt jetzt auf Hilfe des Landes.

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22. Oktober 2018, 18:36 Uhr



Die gute Nachricht: Nach zeitlicher Verzögerung wegen der Insolvenz des General-Bauunternehmers laufen die Arbeiten zur Erweiterung der Geomar-Zentrale an der Schwentinemündung wieder auf vollen Touren. Die unangenehme Botschaft: Gegenüber der ursprünglichen Kalkulation über 75 Millionen Euro sind die Baukosten auf aktuell 109 Millionen Euro gestiegen. Und das stellt das anerkannte Meeresforschungsinstitut und seinen Direktor Peter Herzig vor Schwierigkeiten.

Man muss wissen: Im Jahre 2004 fusionierten das Institut für Meereskunde (bekannt für sein Aquarium und das Seehundbecken) auf dem Kieler Westufer und Geomar auf dem Ostufer. Damals wuchs der Wunsch, sämtliche Einrichtungen und Labore in einer gemeinsamen Zentrale auf dem Gelände des früheren Seefischmarktes an der Schwentinemündung zusammenzufassen.

2008 lag die Kostenberechnung vor. Der Bau des Probenlagers mit Tausenden von Bohrkernen vom Meeresboden, das neue Parkhaus mit 170 Autostellplätzen und Abstellflächen für 100 Drahtesel sowie vor allem der fünfstöckige Anbau mit Laboren und Lagerräumen sollten 90 Millionen Euro kosten. Oder 75 Millionen Euro netto, wenn man die Mehrwertsteuer abzieht.

Das ist wichtig, denn mit dem zwischenzeitlichen Übergang in das „Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung“ entfiel diese Steuerpflicht. Dafür aber musste Geomar sich eine eigene Bau-Abteilung zulegen, Planungskosten von 800 000 Euro berücksichtigen (was vorher die Gebäude-Management SH erledigt hatte) und einzelne Grundstücksankäufe vornehmen. Ebenfalls nicht berücksichtigt war der Bau der eigenen „Seewasseransaugleitung“, die stündlich 20 Kubikmeter Salzwasser in die Forschungsbecken spült – und mit 1,2 Millionen Euro zu Buche schlägt.

Schließlich meldete 2016 der General-Bauunternehmer Insolvenz an, was die Arbeiten ins Stocken brachte und ebenfalls zu Mehrkosten führte. Die Suche nach einer neuen Firma gestaltete sich schwierig. Herzig drückte es gestern so aus: „In ein angegessenes Brötchen beißt man nicht gerne.“ Kurzum: Von 2008 bis heute sind die Baukosten von 75 auf 109 Millionen Euro geklettert. Der größte Teil der Mehrausgaben ist gedeckt (etwa durch Mehrwertsteuer-Erstattung), es verbleibt jedoch ein kalkulatorisches Loch von rund zehn Millionen Euro.

Herzig sieht zurzeit keine andere Möglichkeit, als dass Geomar selbst – über kräftige Einschnitte bei der Forschung – dieses Minus ausgleicht. Das ist natürlich „keine gute Botschaft“ – wurde Geomar doch erst jüngst weltweit zu den Top 5 der Meereskunde-Forschung gekürt. Der Geomar-Chef setzt darauf, im Gespräch mit der Landesregierung von Daniel Günther Lösungen zu finden. Probenlager und Parkhaus sollen 2019, der Erweiterungsbau Ende 2021 fertig sein. Die Meereskundler werden exzellente Bedingungen für ihre Arbeit vorfinden – es wäre geradezu paradox, müssten die Forscher dann mit Einschnitten leben.

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