Kieler Woche : Basteln, Hämmern und Matschen auf der Spiellinie

Bunte Bretter für ein Indianer-Haus: Seit 40 Jahren wird alljährlich zur Kieler Woche ein Kinderfestival auf der Krusenkoppel ausgerichtet.
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Bunte Bretter für ein Indianer-Haus: Seit 40 Jahren wird alljährlich zur Kieler Woche ein Kinderfestival auf der Krusenkoppel ausgerichtet.

Gesamtkunstwerk aus Kinderhand: Hunderttausende Kinder und Eltern tauchen wieder ab in eine Traumwelt hinter dem Kieler Landtag. Seit 40 Jahren begeistert die Spiellinie zur Kieler Woche Jung und Alt.

shz.de von
23. Juni 2014, 10:32 Uhr

Kiel | Die hölzernen Grundgerüste für die Tipis ragen auf der Krusenkoppel bereits in den Kieler Himmel. Bunte Holzlatten liegen zum Bau bereit im Gras. Innen und außen hämmern kleine Kinderhände, was das Zeug hält. Stück für Stück entsteht dort unter dem Motto „Die Kinder des Manitu“ seit dem Wochenende auf der traditionellen Spiellinie der Kieler Woche eine bunte Indianerwelt.

Das Kinder-Kulturprojekt existiert seit 40 Jahren und ist aus Sicht vieler Eltern ein wichtiger Teil des Sommerfestes. „Wir sind das größte Kinder-Kulturprojekt unter freiem Himmel in Europa“, sagt Spiellinien-Koordinatorin Rotraud Apetz. Im Schnitt nähmen Jahr für Jahr mindestens 300.000 Kinder und Erwachsene daran teil, wenn das Wetter auch mal durchwachsen sei. „Die Kieler lassen sich vom Wetter nicht abschrecken.“ Angeregt wurde das Kinderfestival durch die Spielstraße bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München. Anfänglich angesiedelt zwischen Bierbuden direkt an der 650 Meter langen Kiellinie ist die Krusenkoppel seit Jahren neue Heimat des Kontrapunktes zum Rummel des Sommerfestes.

Wer einmal dort ist, kommt meist wieder. „Wir sind Dauergäste“, sagte die zweifache Mutter Beata Tölke. In ihrem Rücken hämmern ihre Söhne Felix (5 Jahre) und Lukas (8) munter auf Holzbretter an einem Tipi ein. Die beiden haben sich bereits seit Tagen auf den Besuch der Spiellinie gefreut – trotz durchwachsenen Wetters zum Start. „Sie haben mir bereits im Vorfeld des Besuchs gesagt: Egal wie das Wetter wird, wir gehen los“, sagt die Kielerin.

Um sie herum wird auf der 57.000 Quadratmeter großen Krusenkoppel zwischen Tipis, Kanus und Traumfängern unentwegt gehämmert, geschraubt und gemalt. 140.000 Euro stehen für das Projekt in diesem Jahr zur Verfügung. 8000 Schrauben, 500 Kilogramm Nägel und 165.000 Tackernadeln sollen der bunten Kinderwelt Halt geben. Bis einschließlich Sonntag gilt es, zwölf Tonnen Lehm, 400 Klappen Stroh und einen Container Sand zu verbauen.

Das Baulager enthält auch 860 Balken, 4000 Latten-Schalung, 20 Bund Dachlatten, 100 Rundhölzer und 70 Fichtenstämme sowie drei Anhänger voll Weiden- und Nussbaumsträucher. Dazu kommen eine Lkw-Ladung Schaumstoff, 450 Liter Farbe, 2000 Wollknäuel, 3000 Kunststoffperlen, 1500 Federn, 400 Bettlaken und 200 Tischdecken. „Die Idee war von Anfang an, dass Kinder und Erwachsene gemeinsam gestalten“, sagt Apetz.

Hauptzielgruppe sind Kinder bis zwölf Jahre, aber auch ältere sind willkommen. Aber auch Erwachsene finden Gefallen an dem bunten Treiben auf der hügeligen Wiese mit Blick auf die auf der Förde schippernden Schiffe. „Sie kommen und genießen die Atmosphäre. Für viele ist ein wunderbarer Ort, eine Oase, in der man sich vom Trubel der Kieler Woche erholen kann.“ Apetz hat in den vergangenen Jahren aber auch eine Veränderung bei den Kindern festgestellt. „Die Kinder sind ungeübter“, sagt die Koordinatorin. Viele seien den Umgang mit Hammer und Schraubendreher nicht mehr gewohnt.

Größere Unfälle hat es in der vergangenen Jahren dennoch nicht gegeben. „Auf die Finger hauen sich die Kleinen öfter. Ab und zu fällt auch mal ein Kind vom Gerüst“, sagt sie. Erwachsene verknacksten sich auch schon mal einen Fuß. Nach neun Tagen geht die Großbaustelle am Sonntag zu Ende. Dann werden die Figuren und Gegenstände gegen Spenden abgegeben. „Es gab auch schon Kindergärten, die dann ein ganzes Häuschen abtransportiert haben“, sagt Apetz.

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