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Vor gericht : Bande zog marodierend durch die Region

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein junges Kieler Trio steht wegen einer Einbruchserie vor Gericht: Firmen und Geschäfte haben sie mehrfach ausgeräumt, die Immobilien zudem verwüstet, Autos geklaut und einige angezündet – aus Zerstörungswut und Langeweile, so der Vorwurf.

shz.de von
erstellt am 23.Jun.2015 | 10:52 Uhr

Solch einen Fall hat der Staatsanwalt „in mittlerweile 30 Jahren“ nicht erlebt, wie er sagte: Drei junge Kieler sollen als Bande gewerbsmäßig zwischen Juni 2014 und Ende Januar dieses Jahres eine Reihe von auffälligen Einbrüchen und Diebstählen in Kiel und Umgebung begangen haben. Zudem zündeten sie mehrere Autos an. Insgesamt 44 Taten wirft die 10. Strafkammer am Landgericht den beiden Männern (26/27) und einer Frau (29) vor. Das Besondere: Ihre Opfer – eine Autowaschanlage in Kiel, ein Lebensmittelladen in Heikendorf, ein Strandkiosk sowie eine Pizzeria in Laboe – haben sie laut Anklage nicht nur einmal, sondern kurz nacheinander immer wieder heimgesucht. Nach langer Ermittlungsarbeit kam die Polizei dem Trio auf die Schliche. Seit Ende Januar sitzen die Drei im Gefängnis.

Kaugummi kauend und mit verschränkten Armen wirkte die Angeklagte, die mit dem 27-Jährigen verheiratet ist, bei der Verlesung der Anklage unbeeindruckt. Emotionslos ließen dies auch die beiden Männer über sich ergehen – der Staatsanwalt brauchte mehr als eine Stunde dafür. Demnach ging die Bande stets nach einem bestimmten Muster vor. Geeignete Objekte wurden ausgekundschaftet. Später klauten die Männer alte Autos , fuhren damit zu den Gebäuden. Sie bewaffneten sich mit Klappmesser und Reizgas, um mögliche Zeugen auf Abstand zu halten. Sie nahmen mit, was sich zu Geld machen ließ, teilten den Erlös untereinander auf. Vor allem ergatterten sie Rubbellose, Zigaretten, Tabak, Alkohol, Bargeld und Modeschmuck.

In der Waschstraße rissen die Männer laut Anklage  einen  Tresor mit 12 500 Euro Bargeld aus der Verankerung und warfen ihn später in die Ostsee. Zu den Einbrüchen und Diebstählen kommt eine Spur der Verwüstung hinzu: In beinahe blinder Zerstörungswut und aus Langeweile demolierten die männlichen Angeklagten offenbar serienmäßig auch die Geschäfte – bevor sie dort wenig später wieder einbrachen. Der Sachschaden beläuft sich laut Staatsanwalt auf rund 150  000 Euro.

Ein Einzelfall sticht heraus. Weil sich eine frühere Mitarbeiterin eines Gemüsehändlers vom Kieler Wochenmarkt verplapperte, beschloss das Trio laut Anklage, den Mann in seinem Haus auszurauben. Sie besorgten sich demnach Sturmhauben, Kabelbinder, Handschellen und eine ungeladene Schreckschusspistole. Damit wollten sie den Mann zwingen, Geld und Wertsachen herauszurücken. Sie vermuteten eine Beute im Wert von 200  000 Euro.

Doch der Mann war nicht zu Hause. Die Männer packten im Haus unter anderem lediglich Münzen im Wert von mehreren hundert Euro ein. Dafür verwüsteten sie das Haus. Sie rissen einen WC-Spülkasten aus der Wand, überfluteten das gesamte Erdgeschoss. Hängeschränke rissen sie von der Wand. Sie zerschlugen Geräte und Lampen, füllten Alkohol in den Fernseher. „Die Tapete beschmierten sie mit Mayonnaise und rohen Eiern“, wie der Staatsanwalt vortrug, und zertrümmerten Küchengeräte. „Der Zeuge leidet noch heute, er kann nicht mehr dort wohnen“, so der Staatsanwalt. Nach vorläufiger Einschätzung einer psychiatrischen Gutachterin kommt bei den Männern eine Minderung der Schuldfähigkeit wegen Alkoholmissbrauchs in Betracht. Der Prozess wird fortgesetzt.

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