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Uni-Projekt aus Kiel : Bäckereien sollen auf Einwegtüten verzichten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Um 20 Prozent solle die Ausgabe von Einwegtüten gesenkt werden - ist das Ziel zweier Studentinnen. Sie wissen, wie es gehen könnte.

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2016 | 06:03 Uhr

Kiel | Bäckereien in Schleswig-Holstein und darüber hinaus sollen auf Einwegtüten für Brot, Brötchen oder Kuchen verzichten - das ist das Ziel zweier Kieler Studentinnen. Dabei ist doch zurzeit alles so einfach: Schnell zum Bäcker, Snack wählen, Tüte mitnehmen, fertig. Doch wer denkt darüber nach, wie viel Müll die Brötchentüte verursacht – und das unnötig, wie die Kieler Studentinnen Anja Kromer (27) und Christina Lehmann (25) finden.

Der Trend zum tütenlosen Einkaufen schwappt aus Berlin nach Schleswig-Holstein über. In der Hauptstadt hatte zuerst der Supermarkt „Original Unverpackt“ eröffnet, indem Kunden nur lose Ware einkaufen. Zuletzt eröffnete mit „Unverpackt“ ein ähnliches Geschäft in Kiel.

„Umtüten“ heißt das Projekt der Studentinnen im Ideenwettbewerb Yooweedoo der Kieler Universität, dessen Publikumspreis sie deutlich mit 415 Stimmen bei einer Online-Abstimmung ergattert haben. Neben den 2000 Euro finanzieller Unterstützung haben Anja Kromer (Studentin der Nachhaltigkeitswissenschaften) und Christina Lehmann (studiert Umweltmanagement) dazu ein Preisgeld von 1000 Euro erhalten. „Wir hatten viel dafür geworben. Trotzdem war der Sieg überraschend“, sagen beide.

Die Konkurrenten kamen aus der ganzen Republik – gegen 30 weitere soziale, nachhaltige Projekte setzten sie sich durch. Darunter waren auch andere Kieler Initiativen wie „Entzueckt“ von zwei Mädels, die Stoffreste aus der Textilindustrie zu Unterwäsche verarbeiten wollen oder die rollende vegane Grillbar „Røstprinzessin“.

Sicher, das Thema Tüten-Verzicht ist groß in Mode. Im Fokus stehen Plastikbeutel. Doch auch die Ökobilanz der Papiertüte ist Anja Kromer und Christina Lehmann ein Dorn im Auge: „Ihr Kreislauf ist sehr energieaufwändig und umweltschädlich“, urteilen sie. Die Lebensdauer von der Theke bis zum Mülleimer liege im Minutenbereich. Christina Lehmann betont: „Keiner würde auf die Idee kommen, die Tüten wiederzuverwenden.“

Um ein Umdenken bei Kunden zu erreichen, wollen die beiden mit der Kooperation von Bäckereien ein Anreizsystem schaffen, auf Papiertüten zu verzichten – über eine Treuekarte oder mit direktem Rabatt – und eine Alternative zur Einweg-Tüte anbieten.

In Zusammenarbeit mit der Brücke Schleswig-Holstein sollen im Pilotprojekt, das seit April und bis September läuft, 500 Mehrweg-Beutel entstehen – außen Baumwolle, innen ein ökologischer, auswaschbarer Kunststoff. Die sollen erst einmal in Kieler Bäckereien angeboten werden, für einen Preis zwischen drei und sechs Euro. Mit dem Veterinäramt hätten sie wegen der strengen Hygienevorschriften eine Lösung gefunden, sagen die zwei: Ein Weidekörbchen mit einem Snackhalter, das auf der Theke stehen kann. Dort kann der Kunde sein Essen herausnehmen und in einer mitgebrachten Dose oder der Mehrwegtasche verstauen.

Die Studentinnen haben etliche Bäckereibetriebe abgeklappert. Zwei Anbieter hätten bereits zugesagt, ab dem Sommer mitzumachen. Vorläufiges Ziel der jungen Frauen: in 20 Filialen die Einwegtüten-Ausgabe um 20 Prozent senken – bei voller Kundenzufriedenheit.

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