Modellprojekt in Kiel : Ausländer – ausdrücklich willkommen

Zeichen gesetzt: Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, Manfred Schmidt, Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Projektleiterin Angela Köllner (v.l.)
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Zeichen gesetzt: Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, Manfred Schmidt, Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Projektleiterin Angela Köllner (v.l.)

Kiel nimmt als einzige Kommune im Land an bundesweitem Modellprojekt teil . Ein erster Schritt: Die Ausländerbehörde heißt jetzt Zuwanderungsabteilung und soll in ein ansprechenderes Domizil umziehen.

shz.de von
16. Januar 2015, 06:27 Uhr

Es soll ein Signal nach außen sein: Die Kieler Ausländerbehörde hat einen neuen Namen, will den negativen Beiklang abschütteln. Die Mitarbeiter melden sich seit Jahresbeginn als Zuwanderungsabteilung am Telefon – und wenn es sein muss, auch auf Englisch: „Immigration Office“. Diese Umbenennung ist Teil einer neuen Philosophie, die den Zuwanderern damit stärker als bisher zeigen soll, dass sie ausdrücklich willkommen sind. Im Zuge eines bundesweiten Modellprojekts des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge wurde dies als erster Schritt umgesetzt, der die Willkommenskultur fördern soll. Kiel nimmt als einzige Kommune in Schleswig-Holstein daran teil – weil sie bereits auf einem guten Weg ist und als Beispiel dienen kann, hieß es gestern. Sie erhält dafür 60  000 Euro.

Es gehe nicht mehr, wie früher oft in Ausländerbehörden verbreitet, um eine Abgrenzung, sondern um eine Öffnung, sagte Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer bei einer Zwischenbilanz des Modellprojekts. Die Stadt sei schließlich „dringend“ auf Zuwanderung, besonders auf Fachkräfte, angewiesen. Überraschenderweise sei Kiel die westdeutsche Großstadt mit dem kleinsten Ausländeranteil. Der lag 2013 bei 6,84 Prozent. Gemeint sind Kieler ohne deutschen Pass. Die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund liegt hingegen bei rund 20 Prozent. 2014 gab es in Kiel 1900 Zuzüge von Ausländern – darunter viele Studenten, aber auch viele syrische Flüchtlinge. Diese Zahl sei vergleichsweise hoch gewesen, sagte Christoph Cassel, Leiter der Zuwanderungsabteilung. Eingebürgert wurden nach Auskunft der Stadt 2013 insgesamt 660 und im vergangenen Jahr 637 Personen. Die meisten kamen 2014 aus der Türkei (164), gefolgt von Irak (155), Polen (46), Russland (34)und Pakistan (21). Bei 217 Personen wurde die Herkunft nicht genauer aufgeführt. Genau diese Eingebürgerten sollen nun im Dezember nach langer Pause wieder in einer zentralen Feier im Ratssaal besonders begrüßt werden.

Für Rückenwind sorgte zudem ein Besuch des Präsidenten des Bundesamts für Flüchtlinge, Manfred Schmidt, gestern im Rathaus. Im Vorfeld rückte ein bereits seit längerem angedachter (und immer wieder verschobener) Umzug der ehemaligen Ausländerbehörde in ein neues, ansprechenderes Domizil wieder nach oben auf die Prioritätenliste. „Wir haben bereits zwei interessante Objekte in zentraler Lage im Auge“, sagte Cassel. Das Besondere daran: In Zukunft sollen Migrationsberatungsstellen ebenfalls dort angesiedelt werden. „Das ist ein Meilenstein – denn früher waren sich beide Seiten spinnefeind“, meinte Kämpfer: „Die einen waren die Ausländervermeider, die anderen die Ausländerfreunde.“ Bisher landen alle ausländischen Neu-Kieler, die zum ersten Mal mit der Verwaltung in Kontakt kommen, im Gebäude einer ehemaligen Schnapsfabrik. Die Behörde liegt versteckt im Hinterhof in der Fabrikstraße, ist über eine Art Feuertreppe zu erreichen. Zeit, dass sich das ändert – das sieht auch OB Kämpfer so, der das Thema zur Chefsache erklärt hat.

Darüber hinaus ist nur wenig an diesem auf zwei Jahre angesetzten Pilotprojekt mit konkreten Taten verbunden. Vielmehr wurde ein Prozess des Umdenkens und einer veränderten Haltung der Behörden-Mitarbeiter den Ausländern gegenüber angestoßen. Der wird sich, wie Kämpfer hofft, selbst tragen, auch wenn die Laufzeit im Oktober dieses Jahres zu Ende ist.

Als „großen Erfolg“ wertete die rot-grün-blaue Rathauskooperation die bisherigen Bemühungen der Verwaltung. „Gerade in Zeiten von wieder aufkeimender Fremdenfeindlichkeit in ganz Europa, seit Pegida besonders peinlich auch in Deutschland, ist es erforderlich, die Menschen als öffentliche Hand in vorbildlicher Weise willkommen zu heißen“, teilten Lisa Yilmaz (SPD), Lydia Rudow (Grüne) und Marcel Schmidt (SSW) mit.

Bleibt noch einer übrig. Wie äußerte sich Manfred Schmidt, Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, zur Kieler Situation? „Ich bin stolz auf die Stadt Kiel. Die Teilnahme am Projekt ist eine Auszeichnung.“



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