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Besondere Veranstaltung : Ausgefallene Outfits gesucht? Kieler Schauspielhaus verkauft Kostüme

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Kieler Schauspielhaus braucht Platz im Kostümfundus: 800 Unikate werden am Montagabend ab 20 Uhr angeboten.

shz.de von
erstellt am 22.Okt.2017 | 16:31 Uhr

Kiel | Die Kostüme des Schauspiel Kiels sind bunt, ausgefallen und maßgeschneidert. Für jeden Bühnendarsteller werden die Gewänder genau angepasst, auch bei einem Besetzungswechsel in letzter Minute. Nach der Aufführung landen die handgemachten Kleidungsstücke im Kostümfundus des Theaters. Einige von ihnen verbringen hier Jahrzehnte, andere werden komplett wiederverwendet. Wieder andere werden auseinander genommen, weil der Rock oder das Oberteil besonders schön gefertigt ist. Rund 50.000 Kostüme lagern derzeit an Kleiderständern in langen neonbeleuchteten Gängen. Rund 800 von ihnen sollen am Montag, 23. Oktober, an den Mann gebracht werden.

Preise ab fünf Euro

„Wir brauchen einfach wieder Platz im Fundus“, sagt Christine Heinze. Sie ist seit fünf Jahren Gewandmeisterin am Kieler Theater. „Deswegen haben wir uns dazu entschieden, einen Kostümverkauf zu organisieren.“ Angeboten werden Kleider aus dem Damenkostümfundus. Kosten sollen die Einzelstücke zwischen fünf und 25 Euro, je nach Fertigungsaufwand und Zustand. Aber auch ausgefallene Requisiten von vergangenen Inszenierungen werden im Schauspielhaus aufgebaut sein.

Einige der Kleider, die nun den Besitzer wechseln sollen, hat Heinze selbst genäht. Andere Kleidungsstücke sind schon an die 40 Jahre alt. „Wir warten aber mit Kostümen aus allen Dekaden auf“, so die Gewandmeisterin. Neben Kleidern, die aussehen als kämen sie aus den 50er Jahren, hängen Roben, die an mittelalterliche Gewänder erinnern. „Natürlich ist das alles auf Theater getrimmt“, erklärt Heinze. Das heißt: Die Gewänder sind nicht originalgetreuen Skizzen nachempfunden. Viel mehr sind sie ein Produkt der Phantasie von Regisseur und Schneidern. „Das Schöne ist aber, dass kein Kleidungsstück dem anderen ähnelt“, so Heinze. „Jeder Kostümbildner hat ganz eigene Vorstellungen und bringt neue Ideen ein.“

In welchem Jahrzehnt die Kostüme geschneidert wurden, sieht man den Kleidern trotz ihrer Vielfalt an. „Früher hat man andere Schnitte gehabt und ganz andere Stoffe verwendet als heute“, erklärt Heinze. Oft habe man früher auf Polyester zurückgegriffen. Eins hätten die Verkleidungen aus den verschiedenen Jahrzehnten jedoch gemeinsam: Sie unterscheiden sich deutlich von dem, was in regulären Einkaufsläden angeboten wird. „Fast alle Kostüme bestehen aus mehreren Lagen“, so Heinze. Zum einen sorge das dafür, dass das Kostüm besser hält. „Der Schauspieler kann sich dann einfach besser und freier auf der Bühne bewegen.“ Zum anderen ermöglichen die Stoffschichten es den Kostümbildnern, schnell Änderungen vorzunehmen. So müsste die äußere Schicht des Stoffes nicht zwangsläufig mit umgenäht werden. Durch die verschiedenen Schichten kommen die Kostümbildner auch so gut an die Nähte heran und können kleine Änderungen vornehmen.

Anprobe mit Hilfestellung

Je nach Aufwand stecken zwischen 25 und 200 Arbeitsstunden in den farbenfrohen Einzelstücken. „Aber alle sind mit Liebe gemacht“, sagt Heinze lächelnd. „Und alle Kostüme sind getragen und gelebt.“ Bei dem Verkauf am 23. Oktober werden auch einige Kostümbildner mit dabei sein, um die Kunden zu beraten und ihnen beispielsweise Tipps zur Pflege zu geben. „Wir helfen aber auch beim Anziehen“, so Heinze. Oft könne man nur schwer allein in ein Theaterkostüm hinein schlüpfen. Viele der Kleider sind beispielsweise mit Hakenleisten versehen, die von einer zweiten Person am Rücken geschlossen werden müssen. „Das kann ein bisschen schwierig sein, aber dafür sind wir dann da“, sagt Heinze.

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