Projekt aus Kiel : Ausgefallene Ideen gegen Wohnungsnot

Schwarzes Brett an der Uni: Heute kein Garant mehr für ein WG-Zimmer in Studenten-Städten wie Kiel.  Foto: dpa
Schwarzes Brett an der Uni: Heute kein Garant mehr für ein WG-Zimmer in Studenten-Städten wie Kiel. Foto: dpa

Bezahlbare Wohnungen sind in Kiel Mangelware. Das Projekt "Wohnen für Hilfe - Hand gegen Koje an Land" des Studentenwerks soll Wohnpartnerschaften stiften.

shz.de von
11. August 2012, 02:34 Uhr

Kiel | Früher galt es unter Studienanfängern als Garantie für ein WG-Zimmer: Das schwarze Brett an der Uni. Heute verlagert sich das Angebot ins Internet. Aber auch da sind Wohnungen und Zimmer fix vergeben - denn "günstiger Wohnraum ist in Kiel Mangelware, das Preisniveau ist fast vergleichbar mit Städten wie Hamburg oder München", sagt Benjamin Raschke vom Studentenwerk Schleswig-Holstein. Eng wird es auch in den Wohnheimen: In Kiel gibt es rund 30.000 Studenten an Uni, FH und Muthesius-Kunsthochschule, weiß Raschke. Lediglich sechs Prozent (1870 Plätze) von ihnen kommen in einem Studentenwohnheim unter. Das ist unter dem Durchschnitt: Bundesweit liegt die Quote zwischen zwölf und 14 Prozent. Und die Zahl der Studienanfänger, da ist sich das Studentenwerk Schleswig-Holstein sicher, wird zum Semesterstart im Herbst wieder Rekorde brechen. Schon jetzt gibt es mehr als 2000 Bewerber für einen Platz im Wohnheim - Tendenz steigend.
Kreative Ideen für neuen, preiswerten Wohnraum sind also gefragt. Das Studentenwerk hat nun ein Projekt ins Leben gerufen, das im Norden einmalig ist: "Wohnen für Hilfe - Hand gegen Koje an Land" soll sogenannte Wohnpartnerschaften stiften. Familien, ältere Menschen oder auch soziale Einrichtungen bieten eine Unterkunft. Im Gegenzug erhalten sie vom Studenten Unterstützung, beispielsweise beim Einkauf, im Garten, beim Kochen oder bei der Kinderbetreuung. Der neue Mitbewohner soll allerdings nicht als billige Putzkraft verstanden werden - darauf weist Astrid Dürkoop vom Studentenwerk ausdrücklich hin: "Es gilt die Faustregel: Eine Stunde Arbeit im Monat für einen Quadratmeter Wohnraum."
"Für das kommende Semester sind noch drei Wohnungen frei"
Bundesweit beteiligen sich bereits 14 Städte, Pionierarbeit hat dabei die Stadt Freiburg geleistet. Auch in Schleswig-Holstein soll die Wohnpartnerschaft in mehreren Städten aufgebaut werden. Doch ob das Projekt zu einer Beruhigung der angespannten Wohnraumsituation im preisgünstigen Segment sorgen kann, ist fraglich. Im gesamten Land erhofft sich das Studentenwerk "eine zweistellige Zahl" an Wohnpartnerschaften - ein Tropfen auf den heißen Stein.
Schon im vergangenen Jahr sorgte ein kurioses Projekt in Kiel für Aufsehen, als Studenten im Holtenauer Kurt-Engert-Seniorenhaus sechs Zimmer bezogen. "Für das kommende Semester sind noch drei Wohnungen frei", sagt Heimleiter Hermann-Josef Stebens. Kosten: je nach Größe und Lage zwischen 200 und 300 Euro warm. Ein identisches Projekt ist in einem Gaardener Seniorenheim in Planung, doch auch hier dürfte das Angebot nicht zu einer Verbesserung der dramatischen Wohnungssituation beitragen. Eine weitere Erschwernis für Studenten: Von 131.000 Wohnungen in Kiel sind nur 16.000 Einzimmerwohnungen.
"Die Masse der Wohnheim-Wünsche geht Richtung Westufer"
Ein anderes Problem in der Landeshautstadt ist die Diskrepanz bei der Verteilung der Wohnheime. Nur eines von zehn Häusern befindet sich auf dem Ostufer, obwohl dort rund 5000 Studenten die Fachhochschule besuchen. "Die Masse der Wohnheim-Wünsche geht Richtung Westufer", nennt Dürkoop eine Ursache für dieses Missverhältnis. Eine Verbesserung der Kieler Wohnheimsituation ist in Sicht, so Dürkoop: "In Kiel soll gebaut werden, wobei entweder eine Aufstockung bei einem alten Wohnheim in Frage kommt oder ein Neubau. Der jedoch dann wieder auf dem Westufer."
Interessierte können sich an das Studentenwerk Schleswig-Holstein wenden, die Ansprechpartnerin Alexandra Dreibach ist unter Telefon 0431/8816314 oder per E-Mail unter wohnenfuerhilfe@studentenwerk-s-h.de zu erreichen. Dort sind auch Bewerbungsbögen für Miet- und Vermiet-Interessierte erhältlich.

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