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Kieler Reitturnier : Aus für „Baltic Horse Show“

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Endgültiges Aus für internationales Reitturnier: Die Baltic Horse Show in Kiel ist abgesagt. Top-Reiter können im Ausland mehr verdienen.

shz.de von
erstellt am 14.Jun.2017 | 19:02 Uhr

Kiel | Die Nachricht kam plötzlich, aber nicht überraschend: Das internationale Reitturnier Baltic Horse Show in der einstigen Kieler Ostseehalle wird 2017 nicht stattfinden. Mehr noch, das Aus ist endgültig für das Turnier in der Landeshauptstadt. Wirtschaftliche Veränderungen, die insgesamt schwieriger gewordene Situation im Reitsport und mangelnde Zukunftsperspektiven haben die Veranstalter jetzt zur Absage des Events (5. bis 8. Oktober) veranlasst. Initiator Peter G. Rathmann erklärte in einer Stellungnahme: „Wenn sich keine positiven Perspektiven mehr aufzeigen, muss man Geschäftsmann genug sein, um die Situation zu beenden.“ Das Kieler Turnier ist nun eine von mehreren internationalen Veranstaltungen in Deutschland, deren Macher die Segel streichen mussten.

Rathmann und sein damaliger Mitstreiter Jörg Münzner hoben im Jahr 1990 das internationale Turnier aus der Taufe, beendeten damit eine mehrere Jahrzehnte währende Turnierpause in Kiel. Jetzt nach 27 Jahren kommt das Aus für die Veranstaltung, die gerade in den vergangenen Jahren deutlich an Akzeptanz bei Zuschauern gewonnen hatte. Als Grund gibt Rathmann die Sponsorenmisere und auch geplante Umbauten an der Arena mitten in Kiel an, die die ohnehin schon komplizierte Unterbringung der Pferde und das Parken mitten in der Innenstadt nicht mehr zugelassen hätten. „Dass es für uns Turnierveranstalter in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden ist, Sponsoren für den Reitsport zu gewinnen, zeichnete sich auch in Kiel seit Längerem ab“, erklärte Rathmann über die Beweggründe für das Ende der Baltic Horse Show, deren Organisation zuletzt fast eine Million Euro kostete. „Wir haben mit viel Energie und Engagement versucht, diesem Trend entgegenzuwirken.“ Jedoch vergebens.

Bereits nach der Baltic Horse Show im Oktober 2016 war klar, dass ein langjähriger Partner aus der Finanzierung aussteigen würde. Die Warsteiner Brauerei reduzierte das Sponsoring. Betroffen davon ist auch das Nachwuchsprojekt Warsteiner Reitsportförderung. „Der Vertrag ist ausgelaufen und wurde einfach nicht verlängert“, bestätigt Sinje Vogelsang, Leiterin der Unternehmenskommunikation in Warstein.

Leicht war es nie für die Veranstalter in Kiel. So kostete es jahrelange Mühen und Gespräche, um für das Turnierwochenende im Oktober die dringend für Pferdezelte benötigte Fläche des Exerzierplatzes zu bekommen. Einziger Grund des langjährigen „Nein“ aus der Stadtverwaltung war der Wochenmarkt am Sonnabend.

Peter G. Rathmann hatte Ideen für die Pferdesportszene entwickelt, die auch außerhalb Schleswig-Holsteins für Aufsehen sorgten: Der Meteor-Preis für außergewöhnliche Verdienste zählt dazu, ebenso die Gründung des Partner- und Wirtschaftskreises Holsteiner Masters, der Pferdeszene und Unternehmen zusammen brachte, das Fahrduell der Baltic Horse Show oder zuletzt auch der Talentwettbewerb für Pferdeshows.

Peter G. Rathmann hatte bereits vor zwei Jahren die Zukunft geregelt und mit dem Vorstandsmitglied des Holsteiner Verbandes, Stephan Johannsen, und dessen Schwägerin Claudia Fuhs Verstärkung geholt. Johannsen hat als Springreiter die Anbindung an die Pferdeszene, Fuhs übernahm die Geschäftsführung für die Holsteiner Masters. Tatsächlich blieb die Baltic Horse Show jedoch untrennbar mit dem Namen Peter G. Rathmann verknüpft. Wer von Kieler Turnier spricht, spricht auch über den Verlagschef und Pferdesportfan. Seine vielfältigen Kontakte und der Spürsinn für das, was Sponsoren erwarten, verhalfen der Baltic Horse Show zu Stabilität. Möglich, dass seine Mitstreiter für eine ähnlich starke Rolle mehr Zeit benötigt hätten.

Die Entwicklung des internationalen Pferdesports mit weltweit ausgetragenen und millionenschweren Serien wie der Global Champions Tour und knapp hundert Veranstaltungen auf Fünf-Sterne-Niveau hat weitreichende Folgen für Veranstalter in Deutschland. Drei-Sterne-Turniere wie Kiel haben es schwerer, ein prominentes Teilnehmerfeld zusammen zu bekommen. Wer kann und genug erstklassige Pferde hat, sucht sich eher ein höherdotiertes Turnier aus oder legt ein Pausenwochenende ein. Der sportlichen Qualität tut das keinen Abbruch, leichter vermarkten lässt sich ein nicht mehr im TV übertragenes Turnier gleichwohl nicht. Das klassische Pferdesportland Schleswig-Holstein hat nun mit den VR Classics in Neumünster noch ein großes internationales Turnier.

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