Aus dem Leben der Maria Slavona

Landesbibliothek erwirbt den Nachlass der norddeutschen Impressionistin mit Hunderten Briefen, Urkunden und Fotos

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15. November 2012, 03:59 Uhr

Kiel | Maria Slavona gilt als eine der bedeutendsten deutschen Impressionistinnen des 19. Jahrhunderts. Die 1865 als Marie Dorette Caroline Schorer geborene Lübeckerin hatte Kontakt zum jungen Picasso, führte eine Galerie auf dem Pariser Montmartre und war eine gute Freundin der Künstlerin Käthe Kollwitz.

Der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek ist es jetzt gelungen, den Nachlass von Maria Slavona zu erwerben. Nachdem sie vor zwei Jahren in den Besitz erster Dokumente gelangte, konnte mit Unterstützung des Landes der Nachlass vervollständigt werden.

"Das ist eine große Bereicherung unserer Sammlung, die mittlerweile knapp 250 Nachlässe umfasst", betont Direktor Jens Ahlers. Während der deutschlandweiten Ausstellung über die Slavona-Zeitgenössin Fanny Gräfin zu Reventlow wurde der Kontakt zur Familie der norddeutschen Malerin hergestellt, die der Landesbibliothek schließlich den Nachlass anbot. Hunderte Briefe an ihre Mutter, Freunde und ihre Tochter Lilly Ackermann gehören zur Sammlung genauso wie Fotos und Lebensdokumente. Die Dokumente gewähren Einblicke in das bürgerliche Leben im Kaiserreich und die aufregende und schwierige Zeit der Malerin während der Pariser Montmartre-Bohème.

Nach dem Kunststudium in Berlin und München zieht Slavona 1890 in die französische Hauptstadt. Der dänische Maler Willy Grétor begleitet sie in die Kunsthauptstadt, von ihm bekommt sie die uneheliche Tochter Lilly. Doch der Grétor lässt sie schon bald sitzen. Trotz aller Probleme liebt sie das Leben in Frankreich, die 16 Jahre in Paris werden zur wichtigsten Station im Leben der Künstlerin.

Mit der Jahresausstellung 1893 der Société Nationale des Beaux-Arts auf den Champs de Mars stellt sich der erste Erfolg für Slavona ein. Ihr Werk "Alte Blumenfrau" gilt als das Kunstwerk der Ausstellung. 1897 eröffnet sie ein eigenes Atelier auf dem "Künstlerhügel" Montmartre. 1900 heiratet sie den schweizer Kunsthändler Otto Ackermann, mit dem sie ein Künstlerhaus eröffnet, das Maler wie Camille Pissarro, Edvard Munch, Max Liebermann und Dichter Rainer Maria Rilke anlockt.

Sechs Jahre später ziehen sie zurück nach Lübeck, um Tochter Lilly in der Nähe ihrer Familie aufwachsen zu sehen. Doch Slavona und Ackermann stoßen an der Trave auf Ablehnung, trotz erfolgreicher Ausstellungen in Berlin, Zürich, Paris oder Wien. Die untersagte Wertschätzung wird durch den Kauf von Slavonas Gemälde "Kahlhorst bei Lübeck" durch den französischen Staat für das Luxembourg-Museum zusätzlich karikiert. Nur zwei Jahre später zieht die Familie nach Berlin, wo Slavona nach langer Krankheit 1931 stirbt.

Die Korrespondenz mit ihrer Tochter, die rund 1500 Briefe umfasst, schildert nicht nur das gesundheitliche Leiden der Malerin, sondern auch die Inflationszeit der 1920er Jahre. "Slavona war keine Sozialkritikerin, sie bediente vielmehr den Geschmack der damaligen Zeit", sagt Kornelia Küchmeister, Leiterin der Handschriftenabteilung. Slavona malte Stillleben, Tiere und Landschaften.

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