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Kiel

18. Oktober 2017 | 13:43 Uhr

Aufwind für Ausbildungsberufe?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2017 | 12:27 Uhr

„Wir erwarten, dass in diesem Jahr 3500 Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben werden.“ – Die Prognose von IHK-Präsident Klaus-Hinrich Vater ist alles andere als optimistisch. Doch Jahr für Jahr gibt es weniger Bewerber als Ausbildungsplätze. Einer der Gründe dafür, dass voraussichtlich jedes dritte Ausbildungsunternehmen nicht alle seine Ausbildungsplätze ab diesem Herbst besetzen werden kann, ist der mangelnde Überblick der Schüler über die Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt, erklärt Vater.

Abhilfe schafft seit gestern die Nordjob, die Fachmesse für Ausbildung und Studium. 61 Unternehmen, 19 Institutionen, 15 (Berufs-)Fachschulen und 19 Hochschulen ebenso wie diverse Vereine und Initiativen berichten in der Sparkassen-Arena bis einschließlich heute aus erster Hand und stellen ihren Beruf vor. „Die Schüler sollen informiert werden, welche Möglichkeiten es gibt“, sagt Vater. Mit etwa 4500 jungen Interessierten rechnen die Veranstalter – die Industrie- und Handelskammer zu Kiel und das Institut für Talententwicklung (IfT).

64 allgemeinbildende Schulen in Kiel, Rendsburg-Eckernförde und Plön hatten die Organisatoren im Vorfeld besucht, um die Werbetrommel für die Nordjob zu rühren. Dabei hatten die Schüler nicht nur das aktuelle Messehandbuch mit Informationen zu Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten, sondern auch die Gelegenheit erhalten, verbindliche Beratungsgespräche mit den Nordjob-Ausstellern zu organisieren.

Dass der Nachwuchs schon seit einigen Jahren in den Ausbildungsberufen fehlt, hat mehrere Gründe, weiß IHK-Präsident Klaus-Hinrich Vater. „Viele drehen nach der Schule noch eine Schleife, machen etwa über ein weiterführendes Schulsystem einen Fachhochschul-Abschluss.“ Und auch der „Akademisierungswahn“ nehme Jahr für Jahr zu. „Viele meinen, dass sie größere Karrierechancen mit einem Studienabschluss haben.“ Dabei spiegle dieser Trend keineswegs die Lage auf dem Arbeitsmarkt wider, betont Vater: „70 Prozent aller Arbeitsplätze in der Wirtschaft haben ihren Ursprung in der Ausbildung, 30 Prozent sind Akademiker. Und daran wird sich auch nichts ändern.“ Doch der – häufig auch durch die Eltern forcierte – Druck, unbedingt studieren zu müssen, führe unter anderem dazu, dass jeder dritte Studienanfänger sein Studium abbricht. „Bei den Ingenieurswissenschaften ist es sogar jeder Zweite“, so Vater. Das sei nicht nur fatal für die Hochschulen, erklärt der IHK-Präsident, sondern auch für die Wirtschaft, der zunehmend die Fachkräfte fehlten. Vor allem aber hat der Studienabbrecher keinen Berufsabschluss.

Dass die berufliche gegenüber der akademischen Ausbildung einen schlechteren Ruf genießt, ist für Klaus-Hinrich Vater nur schwer nachzuvollziehen. „Eine Ausbildung ist keineswegs minderwertig. Es ist nur wichtig, eine passgenaue Ausbildung für den Einzelnen zu finden, dann stehen demjenigen auch alle Chancen offen.“ Auch ein Studium sei nach einer abgeschlossenen Ausbildung durchaus noch möglich.

Dass es nach wie vor jedes Jahr 15 bis 20 Prozent Abbrecher unter den Auszubildenden gibt sei der falschen Vorstellung des Einzelnen von seinem Ausbildungsberuf geschuldet. Mit der Nordjob-Messe will die IHK Aufklärungsarbeit leisten. „Hier gibt es ausgezeichnete Informationen über Bildungs- und Berufschancen. Wer bereit ist, kann auf der Nordjob seinen Karriereweg beginnen“, erklärt Klaus-Hinrich Vater.

Die schulische Leistung steht bei Ausbildungsbetrieben übrigens nicht immer an erster Stelle, weiß der IHK-Präsident: „Fertigkeiten wie Sozialkompetenzen und Disziplin haben in vielen Berufen deutlich stärkeres Gewicht als der Notendurchschnitt.“ Wer Interesse hat, kann sich noch heute von 8.30 Uhr bis 14.45 Uhr in der Sparkassen-Arena bei der Nordjob beraten lassen. Der Eintritt ist frei.

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