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Feuer in Kieler Dönerladen : Auftakt im Brandstifter-Prozess: Keine Worte der Entschuldigung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Drei Angeklagte sollen für das Feuer an der Feldstraße verantwortlich sein, das im Juni 23 Menschen in Lebensgefahr brachte. Am Donnerstag begann der Prozess.

shz.de von
erstellt am 17.Dez.2015 | 17:26 Uhr

Kiel | Unter großem öffentlichen Interesse hat am Donenrstag am Kieler Landgericht einer der wohl spektakulärsten Prozesse der letzten Jahre begonnen. Vor der 2. Strafkammer müssen sich der Inhaber eines Döner-Ladens an der Feldstraße und zwei weitere Männer wegen besonders schwerer Brandstiftung verantworten. Sie sollen für verheerende Feuer verantwortlich sein, das Ende Juni ein mehrgeschossiges Wohnhaus zerstörte. Für die 23 Bewohner bestand akute Lebensgefahr, weil sich das Feuer in rasender Geschwindigkeit über das Treppenhaus in den Dachstuhl durchfraß und den Fluchtweg versperrte. Viele Betroffene saßen bei der Prozesseröffnung auf der Zuschauerbank – sie hofften vergeblich auf Worte der Entschuldigung.

Bereits kurz nach der Tat hatten die beiden Verdächtigen gestanden, den Brand gelegt zu haben. Sie hatten Brandbeschleuniger benutzt und waren bei den anschließenden Explosionen verletzt worden. In den Vernehmungen bei der Polizei gaben sie an, Geld für die Brandstiftung angeboten bekommen zu haben.

Die Staatsanwältin rief bei der Verlesung der Anklage noch einmal die fürchterlichen Ereignisse in der Nacht vom 28. auf den 29. Juni in Erinnerung, die die Hausbewohner um ihr Domizil und einen Großteil ihres Besitzes gebracht hatten. Laut Anklagevertreterin hat der 43-jährige Imbissbetreiber seinen Kumpanen (20 und 23 Jahre alt) jeweils 1500 Euro gezahlt, damit sie den Dönerladen namens „Fantastico“ in Brand setzen. Das Geschäft lief schlecht, der Inhaber hatte offenbar kräftige Schulden, die er mit der Versicherungssumme von 31.000 Euro begleichen wollte.

Fünf Liter Benzin sollen die beiden Brandstifter dann an drei Stellen ausgekippt haben. Mit einem Feuerzeug wollten sie die Flüssigkeit in Brand setzen – sie rechneten nicht damit, dass die Dämpfe sofort zu einer gewaltigen Explosion führte, die sogar parkende Fahrzeuge auf der Straße vor dem Haus zerstörte. Die beiden Männer, so die Anklage, wurden selber schwer verletzt. Sie flüchteten mit einem vierten Mann – der mit dem Auto in der Nebenstraße gewartet hatte und von der Tat offenbar nichts ahnte – zunächst nach Mettenhof, um schließlich das Städtische Krankenhaus aufzusuchen. Wegen ihrer Brandverletzungen an Kopf und Händen war schnell eine Verbindung zu dem Feuer an der Feldstraße hergestellt, so kamen die Ermittler den drei Tätern auf die Spur.

In der Brandnacht hatten sich die meisten Bewohner auf ihre Balkone zum Hinterhof geflüchtet. Dort allerdings konnte die Feuerwehr ihre Drehleiter nicht ausfahren. In der Anklage heißt es: „Einige Bewohner waren in Panik. Sie wollten springen und dachten bereits daran, ihre Abschiedsworte per SMS zu schreiben.“ Buchstäblich in letzter Minute konnte die Feuerwehr Stehleitern ansetzen, die aber nicht hoch genug waren. In der vierten Etage wurden die Menschen unter Atemschutzmasken durch ihre brennende Wohnung zur Vorderseite geführt, wo die rettende Drehleiter stand.

Von der Zuhörerbank wollten betroffene Bewohner wie Susan Walke, Lea Niemann oder André Schönherr gestern ihrem ehemaligen Döner-Nachbarn noch einmal in die Augen schauen, doch sie wurden enttäuscht. Der Angeklagte hielt den Kopf meist gesenkt. Und während die beiden angeklagten Brandstifter sich nach Aussage ihrer Verteidiger aussagewillig geben, macht der in Handschellen aus der U-Haft vorgeführte Auftraggeber von seinem Schweigerecht Gebrauch. Zeichen der Reue oder der Entschuldigung gab’s zum Prozessauftakt nicht. Und noch etwas störte die stillen Beobachter: Laut Anklage waren die beiden Brandstifter Praktikanten im Döner-Laden gewesen, dort gesehen aber hat sie keiner der früheren Bewohner.

Der Prozess wird mit der Anhörung von Zeugen und Gutachtern Anfang Januar fortgesetzt.

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