Hausruine in Kiel : Aufräumen nach dem Großbrand in der Feldstraße

Es war einmal eine gemütliche Wohnung: Die Künstlerin Susan Walke, die im vierten Stock unter dem Dach zu Hause war, hat den stärksten Löschwasserschaden zu beklagen. Sie will, sobald das Gebäude saniert ist, wieder einziehen.
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Es war einmal eine gemütliche Wohnung: Die Künstlerin Susan Walke, die im vierten Stock unter dem Dach zu Hause war, hat den stärksten Löschwasserschaden zu beklagen. Sie will, sobald das Gebäude saniert ist, wieder einziehen.

Aufgequollene Bücher, zerstörte Bilder, verrußte Kleidung: In der Ruine an der Feldstraße konnten die Mieter ihre Habseligkeiten sichten.

shz.de von
16. Juli 2015, 06:11 Uhr

Kiel | Am Mittwoch hatten sie sich zu entscheiden, die Mieter im Brandhaus an der Feldstraße. Welche Dinge lohnt es sich zu verpacken, welche Gegenstände sind so verrußt, verkohlt oder vom Löschwasser aufgequollen, dass sie nur noch als Sondermüll entsorgt werden können? Auf eigene Gefahr hin durften sie die Ruine betreten. Die Feuerwehr hat im einsturzgefährdeten Treppenhaus eine Nottreppe errichtet.

Das Feuer hatte Ende Juni das Mehrfamilienhaus verwüstet. Die Feuerwehr rettete alle 30 Bewohner. Eine Frau kam mit einer Rauchgasvergiftung in die Klinik. Bis zu 70 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Die Flammen hatten sich rasch über alle Stockwerke bis zum Dach ausgebreitet. Das Treppenhaus wirkte wie ein Kamin und war nach kürzester Zeit unpassierbar. Der Döner-Imbiss brannte völlig aus.  Die Experten haben starke Indizien für einen Versicherungsbetrug gefunden. Drei Beschuldigte sind in Haft. Zwei Täter haben sich offenbar selbst schwer verletzt, als der Dönerladen in die Luft flog.

Unter dem Dach, im vierten Stock, war 15 Jahre lang die Wohnung von Susan Walke. Viele Werke der Bildhauerin und Grafikerin sind zerstört, auch die Sammlung mit Originaldrucken heimischer wie französischer Kollegen ist vernichtet. Ihr persönliches Foto-Archiv konnte sie retten. Dafür aber ist die uralte Wiege, ein wertvolles Familien-Erbstück, in Flammen aufgegangen. Schwester Marion und Freundin Dorle halfen Susan Walke am Mittwoch, das Durcheinander zu sichten.

Im ersten Stock durchkämmte Peter Scholtyssek seine Schallplattensammlung. Der Berufsmusiker der Polizei-Bigband konnte in der Brandnacht, aufgeschreckt von Schreien der Nachbarn, nur seine Oboe und sein Englischhorn in Sicherheit bringen. Barfuß wartete er auf dem Balkon auf die Feuerwehr.

Im Erdgeschoss flüchteten André Schönherr und die Kumpels der Studenten-WG zwar durchs Fenster auf die Straße, mitnehmen aber konnten sie nur das Haustelefon, um die Feuerwehr zu alarmieren. Tür an Tür wohnten sie mit dem Dönerladen, in dem sie am Vorabend türkische Pizza kauften. Erstmals gab’s Rabatt. Niemand ahnte, dass der Besitzer in der Nacht das Haus in Brand setzen ließ.

Die Eigentümer Rosemarie und Hans Jochen Schümann wollen das Gebäude so schnell wie möglich entkernen, komplett sanieren und wieder vermieten. Am liebsten an die Alt-Mieter, die jetzt bei Freunden und Verwandten wohnen. „Es ist eine tolle Hausgemeinschaft“, schwärmt Rosemarie Schümann.  

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