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Echt. Gut : Aufgemöbelt: Kiels erstes Sozialkaufhaus hat eröffnet

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die ehemalige Möbelbörse der Stadtmission an der Hasseer Straße ging gestern als „Echt. Gut“ unter neuen Vorzeichen an den Start. Viele Jobs sind vom Arbeitsamt gefördert.

shz.de von
erstellt am 13.Jun.2016 | 19:19 Uhr

Kiel | Karin Helmer zollte allen Mitarbeitern und Helfern höchsten Respekt. Die Geschäftsführerin der Stadtmission wies in ihrer kleinen Rede darauf hin, dass der mehrwöchige Umbau der früheren Möbelbörse „bei laufendem Betrieb“ stattgefunden hat. Trotz aller organisatorischen Schwierigkeiten aber könne sich das Ergebnis sehen lassen: An der Hasseer Straße 49 wurde gestern „Echt. Gut“ eröffnet – ein Kaufhaus der etwas anderen, der sozialen Art.

Sämtliche Waren sind erstens gebraucht, zweitens gespendet und drittens im eigenen Hause für den Verkauf aufbereitet. Ob nun der Wohnzimmertisch oder der Küchenschrank, der antiquarische Garderobenhaken, der Nachtschrank oder der bunte Teppich – mit den Angeboten bei „Echt. Gut“ lässt sich auch bei schmalem Geldbeutel eine ganze Wohnung einrichten. Sozialdezernent Gerwin Stöcken erinnerte daran, dass das Kaufhaus eine lange Tradition besitzt. Vor der Möbelbörse existierte in Kiel bereits das sogenannte „Möbellager“ – hier konnten Sozialhilfe-Empfänger ihre Bezugsscheine gegen die erwünschten Waren tauschen.

Das System hat sich mittlerweile geändert. Jeder darf bei „Echt. Gut“ vorbeischauen und einkaufen. Wer Hartz-IV-Empfänger ist, erhält einen Rabatt von 40 Prozent. Die Organisatoren setzen allerdings darauf, dass auch „Menschen, die etwas mehr haben, vorbeischauen und Mitbürger unterstützen, denen es nicht so gut geht“. So drückten es Karin Helmer und Gerwin Stöcken aus. Denn Sirpa Petersen vom Jobcenter hielt den Gästen gestern bei der Eröffnung vor Augen, dass mit den Einnahmen die sozialen Arbeitsprojekte gefördert werden.

Neben den wenigen Fest-Angestellten finden sich bei „Echt. Gut“ etwa 40 von der Arbeitsagentur geförderte Jobs. Die Helfer sichten, sortieren, reparieren und reinigen die gespendeten Waren – erst auf diese Weise ist ein vorzeigbares Sortiment überhaupt erst möglich. Im Keller des Sozialkaufhauses sind weitere Beschäftigungsmöglichkeiten vorhanden. Bis zu 50 psychisch Erkrankte, Menschen mit Drogenproblemen oder auch Wohnungslose finden in der Tischlerei, der Wäscherei und in der Metallwerkstadt feste, verlässliche Strukturen. Eigens gefertigte Produkte – vom hölzernen Spielwürfel über das kleine bunte Wandregal bis zum ansehnlichen Bollerwagen – ergänzen die Angebotspalette bei „Echt. Gut“.

Ein kleines Café mit eigener Lese-Ecke ist ebenfalls eingerichtet. Karin Helmer hofft, dass die Kunden sich bei ihrem „Einkaufsbummel“ ein bisschen Zeit nehmen und vielleicht auch mit den Mitarbeitern ins Gespräch kommen. Zu erkennen sind die Helfer an den T-Shirts mit der Aufschrift „Ich bin echt. gut.“ Allerdings trifft diese Zeile den sozialpolitischen Ansatz nicht exakt, wie die Geschäftsführerin gestern einräumte. Bei der nächsten Auflage an Berufskleidung für die Mannschaft soll es deshalb passender heißen „Wir sind echt. gut.“  

>  Geöffnet hat das Kaufhaus an der Hasseer Straße 49 wochentags von 10 bis 18 Uhr, am Sonnabend wird um 16 Uhr geschlossen. Wer Fragen hat oder Spenden abgeben möchte, kann sich unter Tel. 04 31  /2 60 44 570 an „Echt.Gut“ wenden.

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