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Kiel unter Segeln : Auf Nachtregatta: Unter dem Silbermond nach Dänemark

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Katharina Bambenek, sh:z-Volontärin aus Rendsburg, hat sich unter das Starterfeld der Aeroe-Rund-Regatta gemischt. Das Besondere an der jährlichen Wettfahrt: Die Teilnehmer segeln die Strecke von der Strander Bucht bis zum dänischen Marstal mitten in der Nacht.

shz.de von
erstellt am 12.Jun.2017 | 18:12 Uhr

Es war 20 Uhr, als wir das Großsegel unseres Bootes – einer neun Meter langen Larsen 28 – setzten. Hinter uns liefen unaufhörlich weitere Schiffe aus dem Schilkseer Olympiahafen in unsere Richtung aus. Anspannung lag in der Luft so kurz vor dem Start der 24. Aeroe-Rund-Regatta. 129 Boote kämpften sich Freitagnacht über 40 Seemeilen (74 Kilometer) bis zur dänischen Insel Aeroe. Für uns – zwei Männer und zwei Frauen – war es die erste Nacht-Regatta im eigenen Boot.

Kurz vor 21 Uhr setzten wir das vordere Segel. Um die Startlinie tummelten sich jetzt schon zahlreiche Boote. Dann der Schuss, der den Start für die erste Gruppe mit den schnellsten Booten der Wettfahrt markiert. Für uns hieß das: In zehn zehn Minuten sind wir an der Reihe. Am Steuer wurde selbst unser sonst so ruhiger Skipper Thomas langsam nervös. Gitta schaute angestrengt unter dem Segel hindurch, damit wir keinen Konkurrenten übersahen. Ein weiterer Schuss ertönte, und kurz danach waren auch wir über die Startlinie.

Zunächst lief alles gut, bis uns ein anderer Segler nach links wegdrängte und wir plötzlich im Windschatten eines kleinen Bootes hingen. Wir schaukelten in den Wellen und mussten mit ansehen, wie uns das breite Feld davon fuhr. Dutzende bunte Segel der Konkurrenz zeichneten sich gegen die untergehende Sonne ab.

Kaum hatten wir uns aus dem Getümmel befreit, setzten auch wir das bunte bauchige Segel, um wieder ein wenig an Geschwindigkeit zu gewinnen. So lange das Vorsegel – der sogenannte Spinnaker – oben war, wurden alle Hände an Deck gebraucht. Bis kurz vor Mitternacht rauschten wir parallel zur Küste Richtung Damp über das Wasser und hofften, den einen oder anderen aus unserer Gruppe doch noch einholen zu können. Vergebens. Der Spinnaker stand nicht, immer wieder fiel das Segel ein, und die Wellen, die von hinten unter das Boot griffen, machten das Kurshalten schwierig. Gegen Mitternacht drehte der Wind, und wir mussten das Segel einholen. Ruhe kehrte an Bord ein. Ruhe und Kälte. Ohne Bewegung halfen auch Mütze, Schal und lange Unterhose nicht mehr gegen die kalten Luftmassen, die vom Wasser hoch an Deck waberten.

Wenigstens hatten wir nicht mit Dunkelheit zu kämpfen. Zwischen den Wolken brach der Vollmond hervor, der uns wie ein riesiger Scheinwerfer verfolgte und das Meer in ein skurriles Silber einfärbte. Bei dem Anblick der tiefschwarzen Wellen neben dem Silberstreifen verstand ich, woher die Geschichten über See-Ungeheuer kommen. Trotz der nächtlichen Helligkeit überkam uns kurz nach 1 Uhr dann doch die Müdigkeit. Den Kopf an die Bordwand gelehnt und leicht zitternd, fragte ich mich, wieso ich mir diese Tortur antat – nachts bei dieser Kälte um eine Insel zu segeln. Spätestens bei der ersten Bahnmarke waren die Zweifel aber schon wieder vergessen. Kurz vor 3 Uhr frischte der Wind auf. Endlich waren wir auf der Zielgeraden.

Als die Sonne hinter den seichten Wellen hervorkroch, sahen wir auch wieder andere Schiffe. Kurz vor dem Ziel schlich sich ein Boot von hinten an uns heran. Im letzten Versuch, noch ein paar Sekunden gut zu machen, setzten wir noch einmal den Spinnaker. Dann wurden wir von einem lauten Tröten erlöst, als wir über die Ziellinie fuhren. Das kleine Boot hatten wir hinter uns gelassen. Als wir aber wendeten, sahen wir das Ausmaß der Yachten, die vor uns durchs Ziel gefahren waren und Kurs auf den Hafen genommen hatten.

Bei der Siegerehrung am Abend dann die traurige Gewissheit: Gruppenletzter mit sieben Minuten Abstand zum Platz vor uns. Ein maues Ergebnis für die erste Nachtregatta. Es gibt ja aber immer noch die Aeroe-Rund im nächsten Jahr.


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