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Landgericht : Anklage fordert mehr als acht Jahre Haft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Plädoyers im Prozess um Messer-Angriff eines 55-Jährigen auf eigenen Sohn. Der Vater soll seinem Sohn mit einem Steak-Messer aufgelauert und ihm gedroht haben, ihn umzubringen. Hintergrund ist ein Familienstreit.

shz.de von
erstellt am 20.Feb.2014 | 04:34 Uhr

Folgt man dem Staatsanwalt, dann hat Eugen P. (55, Name geändert) die Tat knallhart durchgezogen. Aus „Verärgerung, Zorn und Hass darüber, dass die Familie auseinanderbrach“, habe der Mann aus Wahlstedt (Kreis Segeberg) die Messer-Attacke gegen den eigenen Sohn (32) geplant, per SMS angekündigt – und im Sommer letzten Jahres ausgeführt, argumentierte der Anklagevertreter gestern vor der 8. großen Strafkammer im Kieler Landgericht. Besonders ein „SMS-Bombardement“ des Angeklagten gegen Mitglieder seiner Familie vor der Tat wertete der Staatsanwalt als aussagekräftig. Mit Sätzen wie „Versteckt euch, ich stech’ euch alle ab!“ oder „Du musst sterben, ich habe keine Angst vor dem Gefängnis“ hatte Eugen P. Sohn, Ehefrau und jüngerer Tochter gedroht, sich zwischendurch aber auch entschuldigt.

Am 25. August vergangenen Jahres soll der aus Kasachstan stammende Eugen P. seinem Sohn vor dessen Haus in Wahlstedt aufgelauert haben (wir berichteten). Er sprang der Anklage zufolge ins Auto des Sohnes, zückte ein Steakmesser mit Zehn-Zentimeter-Klinge – und richtete es auf den 32-Jährigen. Weil der Vater stark alkoholisiert war, konnte das Opfer sich wehren. Es erlitt dabei leichtere Blessuren wie Ritzer an der linken Hand sowie eine Prellung an der Stirn. Schließlich gelangen dem Sohn Flucht und Notruf.

Versuchter Mord, in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung: Staatsanwalt Torsten Holleck sah die Vorwürfe gegen Eugen P. in der Hauptverhandlung bestätigt. Niedrige Beweggründe, Heimtücke und Tötungsvorsatz als Mordmerkmale seien gegeben. Holleck forderte darum in seinem Plädoyer eine Haftstrafe von acht Jahren und zwei Monaten für den Angeklagten. Der Vertreter der Nebenklage schloss sich dem an. Der Verteidiger plädierte auf eine Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten mit dreijähriger Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung. Bemerkenswert dennoch ein Satz von Holleck: „Der Angeklagte ist hoch zu bestrafen, aber es ist nachvollziehbar, dass ein Mensch in so einer Situation ausrasten kann.“

Mit der „Situation“ beschreibt die Anklage einen regelrechten Kleinkrieg innerhalb der Familie, die sich in zwei Lager aufgeteilt hat. Auf der einen Seite stehen Vater und ältere Tochter (29), die ihren Vater im Zeugenstand gestern in Schutz nahm („Ich glaube nicht, dass er meinen Bruder umbringen wollte“). Auf der anderen Seite stehen Ehefrau sowie jüngere Tochter und Sohn. Die gewaltsamen Streitigkeiten, vor allem um Geld und eine Trennung des Ehepaares, gipfelten wenige Wochen vor der Tat in einem Annäherungsverbot des Vaters gegenüber Ehefrau und jüngerer Tochter. Sie eskalierten schließlich in dem Messer-Angriff gegen den Sohn.

„Verletzter Stolz, das Zusammenbrechen des Lebenskonstrukts wie ein Scherbenhaufen, Schulden, das Verlassenwerden durch die Ehefrau“ (Holleck) – der Sohn war in den Augen des Angeklagten dafür verantwortlich, dass er selbst von Ehefrau und jüngerer Tochter verlassen wurde und auch finanziell vor dem Nichts stand. Unter anderem hatte die Ehefrau zugegeben, hinter dem Rücken ihres Mannes in dessen Namen einen Kreditvertrag über 5000 Euro abgeschlossen zu haben – auch die Unterschrift hatte sie gefälscht. Der Sohn hatte später Mutter, die jüngere Tochter sowie deren kleinen Sohn bei sich aufgenommen.

Der Angeklagte hatte zum Prozessauftakt aber jede Mordabsicht bestritten. „Ich wollte ihm nur Angst einjagen. Ich wollte ihn nicht töten“, sagte er über den Angriff auf seinen Sohn.

Im Prozess wurde durch die Aussage eines psychiatrischen Gutachters deutlich, dass der Angeklagte wohl alkoholabhängig und eher „einfach strukturiert“ sei. Vor allem unter Alkoholeinfluss werde Eugen P. aggressiv und gewaltbereit. Starke Stimmungsschwankungen traten zudem bei ihm auf – manifestiert etwa in den inhaltlich schwankenden SMS-Nachrichten an die Familie. Diese hätten Stalking-Qualitäten.

Am kommenden Montag wird das Urteil erwartet.

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