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Deichverstärkung in Friedrichsort : Angst um den Falckensteiner Strand

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Landesschutzdeich muss bis 2020 verstärkt werden. Doch die Stadt legt nun gegen eine Vorplanung des Landes Veto ein: Strandabschnitte und Biotope könnten verloren gehen.

shz.de von
erstellt am 13.Jan.2016 | 06:07 Uhr

Kiel-Friedrichsort | Die Landeshauptstadt sorgt sich um ihr wohl beliebtestes Ausflugsziel: den Falckensteiner Strand. Denn wegen des Klimawandels und des damit verbundenen steigenden Meeresspiegels muss der Friedrichsorter Deich verstärkt werden. Bis 2020 soll die Maßnahme umgesetzt sein. Was das Land nun vorschlägt, lässt jedoch bei Verwaltung und Politik in Kiel die Alarmglocken läuten.

Geht es nach Vorentwürfen aus dem Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz in Husum, die der Redaktion vorliegen, dann wird die Deichkrone bei einer Bauzeit von zwei Jahren auf fünf Meter verbreitert, mindestens um einen Meter erhöht oder mit einer teilweise den Schutzwall um bis zu zwei Meter überragenden Spundwand versehen. Geschätzte Baukosten: rund sechs Millionen Euro. Der Landesbetrieb zieht eine Kombination mehrerer Varianten an verschiedenen Abschnitten vor. In jedem Fall ist von Betonsteinen, Schotter, Geröll, Asphalt, Baggergut aus dem Nord-Ostsee-Kanal und Stahl die Rede. Wertvolle Strand-Biotope würden durch die Verstärkung fast komplett überbaut werden, Strandseen verschwinden, vorhandene Tiere wie Wildbienen ihren Lebensraum verlieren. Die neue Konstruktion würde nicht nur den Strand selbst verschmälern, teils durch eine Steinschüttung zerstören, sondern mitunter auch bis ins Wasser selbst hineinragen. Die Festung Friedrichsort, ein Kulturdenkmal, wäre betroffen – ein Teil der Außenwälle würde seine historischen Formen einbüßen. Auch die im Sommer oft überfüllten Parkplätze würden reduziert. Nicht zuletzt wäre die Zukunft des bekannten Ausflugslokals „Deichperle“ ungewiss.

Auch wenn die Planung noch am Anfang steht: Baudezernent und Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne) hat bereits an den Landesbetrieb einen mehrseitigen Protestbrief geschrieben, in dem er die Sorgen der Stadt um ihr „Kleinod“ an der Kieler Förde deutlich zum Ausdruck bringt. So schreibt er von „erheblichen Bedenken“, fordert eine naturnahe, „gestalterisch hochwertigere Lösung“. Etwa, dass der Deich als preußischer Deich zu erkennen bleibt.

Und das ist nicht bei jeder Variante gegeben, wie eine Bewertung in der Vorplanung des Landesbetriebs erkennen lässt. Zitat: „Ein Nachteil (...) ist, dass die Oberkante der Hochwasserschutzwand (...) über 2,0 Meter freistehen wird. Dadurch verhindert sie neben der biologischen Durchgängigkeit auch den freien Blick der Strandbesucher auf die Kieler Förde.“ Andere Lösungsvorschläge weisen den Nachteil auf, dass eine „schwarze Schotteroberfläche“ das Landschaftsbild dominieren würde.

Todeskinos Brief hat in Kiels Kommunalpolitik bereits Wellen geschlagen. Arne Langniß von den Kieler Grünen spricht von seiner Sorge, „dass der Strand verschwindet. Das beunruhigt mich, dass das Land Aktionen startet, die uns die schöne Ecke nehmen.“ Auch das Industriegebiet in Friedrichsort dürfe keinen Schaden nehmen. „Wir gehen das an“, versprach Todeskino. Man stelle indes die Notwendigkeit nicht in Frage. Es gehe nur um die Ausführung der Deichverstärkung. Und er führte weiter aus: „Ich sehe das Land in der Pflicht, entsprechend Pläne zu entwickeln, die das Kleinod erhalten. Es kann nicht sein, dass wir dort eine ,Büsumer Schüttung’ kriegen – mit Geröllambiente und schieren Betonwänden“, mahnte Todeskino. Die nun vorgesehene Deichverstärkungsanlage sei auch aus touristischer Sicht „nicht angemessen“.

Die Stadtverwaltung fordert einen Architekten-Wettbewerb rund um die Verstärkung des Schutzwalls am Falckensteiner Strand. Zudem verlangen Kommunal-Politiker, dass die Pläne in den Ausschüssen vorstellt werden. Der Husumer Landesbetrieb hat nach Angaben der Stadt in ersten Gesprächen seine Dialogbereitschaft bekräftigt.

 

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