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Angeklagter wollte Freundin anzünden

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22-Jähriger hatte Verflossene auch mehrmals bedroht / Vorwurf: Versuchter Totschlag / Gestern Verhandlungs-Auftakt am Kieler Landgericht

Kiel/Kellinghusen | "Die Beziehung war perfekt", soll Kevin (22, Name geändert) gesagt haben. Und das kurz bevor er zugab, seine damalige Freundin Mona (20, Name geändert) während eines Streits mit Benzin übergossen zu haben, um sie anzuzünden. Auch wenn der Angeklagte zum Prozessauftakt vor dem Kieler Landgericht gestern schwieg - am ersten Verhandlungstag kamen so viele vorherige Aussagen des 22-Jährigen aus Protokollen zur Sprache, dass sich das Bild eines widersprüchlichen, aggressiven und impulsiven jungen Mannes aufdrängte, der die Trennung von seiner "großen Liebe" Mona offenbar nicht verkraftet hat. Wegen des Vorwurfs des versuchten Totschlags muss sich der junge Mann aus Kaltenkirchen, der sich derzeit in Haft befindet, nun vor der zuständigen 2. Strafkammer in Kiel verantworten.

Von Anfang an. Kevin und Mona führen im Jahr 2009 eine Beziehung. Kevin lebt damals bei seinem Vater in Kellinghusen bei Itzehoe. Laut Anklage gerät das Paar am 1. Mai 2009 in einen heftigen Streit, bei dem die Freundin handgreiflich wird. Mehrmals soll sie ihn mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Der Angeklagte geht demnach in einen Schuppen, um mit seinem Motorrad wegzufahren. Er muss es betanken, nimmt einen 20-Liter-Kanister Benzin zur Hand. Mona folgt Kevin, so die Anklage, in den Schuppen, und schubst ihn mehrfach. Daraufhin entschließt sich Kevin laut Staatsanwaltschaft dazu, seine Freundin mit Benzin zu übergießen, hält ein Feuerzeug an deren durchtränkte Kleidung. Das Feuerzeug funktioniert jedoch nicht. Kevin, so der Vorwurf, ist zu dem Zeitpunkt bewusst, dass Mona dabei sterben könnte. "Das war ihm jedoch mindestens gleichgültig", schloss der Staatsanwalt gestern bei der Verlesung der Anklage.

Zwischen dem Zeitpunkt des Benzin-Dramas und der Eröffnung der Hauptverhandlung sind nun vier Jahre vergangen. Warum? Auch das war gestern, nach viel Vorgeplänkel zwischen Verteidigung und Kammer, Thema. Erst eineinhalb Jahre nach dem Vorfall zeigte Mona Kevin damals an. Die heutige Ex-Freundin des Angeklagten war zwar noch nicht als Zeugin geladen. Durch die Aussage zweier Polizistinnen jedoch, die die Anzeige bearbeitet hatten, wurde die schwierige Beziehung des Paares deutlicher.

Kevin, ein kleiner junger Mann mit trainierten Oberarmen, Pickeln im Gesicht und kurz geschorenen Haaren, war wegen kleinerer Delikte zwischenzeitlich im Gefängnis. Vor dieser Zeit und danach soll er Mona massiv bedroht haben. "Ich bringe dich um, wenn du dich trennst", soll er laut Anzeige mehrfach am Telefon gesagt haben. Einen Kumpel schickte er demnach zu Mona, damit der ihr "die Haare abschneide und sie zusammenschlage". Er werde auch ihren Eltern oder einem neuen Freund etwas antun. Nachdem Kevin im Herbst gerade aus der Haft entlassen worden war, brach der Angeklagte im Oktober 2011 in das Elternhaus seiner Ex-Freundin in Hamburg ein, nahm diverse Gegenstände von Mona mit. Nach Aussage der Polizistinnen aus Hamburg war dieser Vorfall wohl für Mona Anlass, die Drohungen erstmals ernst zu nehmen und Kevin anzuzeigen. Erst da sei auch erstmals die Benzin-Attacke aktenkundig geworden.

Die hat die junge Frau, die im September 21 Jahre alt wird, offenbar gut überstanden. "Wir vertrugen uns wieder. Gesundheitliche Probleme hatte ich deswegen nicht", gab sie bei der Anzeige zu Protokoll." Die eine Polizistin fand dies eher "naiv", die andere "relativ cool und abgeklärt". Der Prozess wird kommenden Montag fortgesetzt.

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erstellt am 07.Aug.2013 | 03:59 Uhr

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