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An der Förde den Horizont erweitert

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Studierende der University of Utah besuchten Kiel / Angelica Guzman (21) verbrachte fünf Wochen bei Familie im Stadtteil Kronsburg

shz.de von
erstellt am 09.Aug.2013 | 04:59 Uhr

KIel | Wenn Angelica Guzman heute wieder im Flieger Richtung USA sitzt und mit Plastikbesteck im lauwarmen Menü stochert, dann denkt sie vielleicht an die lecker-würzigen "Dönerboxes" zurück, die sie in Kiel gern gegessen hat. Oder sie erinnert sich an die knusprigen Waffeln mit Vanilleeis und einem Klacks Eierlikör von Gastmutter Angela Millarg aus Kiel-Kronsburg.

An einem der letzten Nachmittage kredenzt die Kielerin (68) zusammen mit ihrem Ehemann Helmut Ecksmann (62) ihrer Studentin mit mexikanischen Wurzeln aus dem Bundesstaat Utah deren Lieblingsgebäck an der Kaffeetafel. Zeit, eine kleine Bilanz zu ziehen für Angelica Guzman. "Eye-opening", sagt sie. Und meint: Die Reise habe ihr neue, überraschende Einblicke verschafft, im wahrsten Sinn die Augen geöffnet.

Fünf Wochen eines Entdeckungs-Trips liegen hinter der 21-Jährigen. Bis heute besuchte die angehende Politikwissenschaftlerin mit einer Gruppe anderer Studierender der University of Utah im Rahmen eines internationalen Programms die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Es ging dabei durchaus ums Lernen: Sprachkurse, interkulturelle Trainings und Einführungen in internationales Recht sowie in internationale Beziehungen halfen den zwölf jungen Leuten, die deutsche Sprache im Alltag zu lernen.

Wenn Angelica ehrlich ist, dann beschränkt sich das bisschen, was sie in der kurzen Zeit gelernt hat, doch auf "Bitte", "Danke" und ein paar andere im Alltag wichtige Ausdrücke. "Sie versteht aber viel mehr", erklärt Gastmutter Angela Millarg. Sie selbst hat eine Tochter, die in New Jersey bei New York lebt - daher sprechen sie und ihr Mann beide gut Englisch. Mit ihrem "Familienmitglied auf Zeit" versuchen sie viel auf Deutsch zu kommunizieren. Seit zehn Jahren nimmt das Paar ausländische Schüler und Studenten bei sich auf. So unterschiedlich alle waren und sind - "Angelica ist eine der wenigen, die ihre Kleider in den Schrank gehängt hat", sagt die Gastmutter lachend. Die meisten würden aus dem Koffer leben. Auch sei sie die erste gewesen, die besonders gut über Deutschland und auch die DDR-Vergangenheit informiert war.

Aber auch die Gaststudentin hat sich überraschen lassen. Zuerst einmal vom Wetter: "Ich hatte warme Pullover und Regenkleidung mitgebracht, weil ich gewarnt worden war, dass das Wetter hier nicht so gut ist", meint sie, blickt nach draußen in den Garten, wo die Sonne scheint. Sie hat mit der Reise nach Deutschland zum ersten Mal den amerikanischen Kontinent verlassen. Besonders beeindruckt haben sie die offenen Arme der Gastfamilie und die "entspanntere Lebensart", wie sie sagt: "Hier geht es nicht nur um Arbeit, Arbeit, Arbeit und Lernen, Lernen, Lernen", meint Angelica Guzman. Vielleicht will sie sogar in Europa weiterstudieren, weil ihr diese Mentalität besser gefällt.

Die freie Zeit hat Angelica Guzman auch zum Entspannen genutzt. Sich die Stadt angesehen und das Kultur- und Freizeitprogramm der Kieler Uni genossen. Dazu zählten Exkursionen nach Lübeck und Berlin - mit Besuch des Deutschen Bundestages, Museen und Theater - aber auch Veranstaltungen zur regionalen Geschichte Schleswig-Holsteins und ein kurzer Segelkurs. Auch auf Sylt ist sie gewesen, mit ihren Kommilitonen zum Bowling gegangen und hat sich die Oper "Carmen" in Eutin angesehen. "Eine tolle Erfahrung, wir haben viel Spaß gehabt", sagt Angelica, die zwar offen, aber insgesamt eher zurückhaltend wirkt.

Verabschiedet wurden die Studierenden von Übersee gestern mit einer "Farewell Party" im Internationalen Begegnungszentrum der CAU. Dort erhielten sie ihre Zertifikate und nahmen vorerst Abschied von der Kieler Uni, so Jan Bensien vom International Center: "Wir gehen davon aus, dass die Studierenden viele positive Eindrücke von Kiel und der CAU mitnehmen."

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