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Betrug am Schalter : Amtsrichter bestraft ehemaligen Azubi

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zwei Jahre auf Bewährung lautete das Urteil für einen früheren Mitarbeiter der Förde-Sparkasse. Der einstige Azubi hat nach Überzeugung des Amtsgerichtes gezielt Kundendaten ausgespäht und dann gefälschte Überweisungen getätigt.

Wegen Betrugs in Tateinheit mit Urkundenfälschung hat das Amtsgericht Kiel gestern einen ehemaligen Azubi der Förde-Sparkasse in Eckernförde zu zwei Jahren Haft verurteilt. Die Strafe wurde für eine Dauer von drei Jahren zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss der 28-Jährige in dieser Zeit mit monatlich 200 Euro einen Teil des Schadens rund 100  000 Euro begleichen, 7200 Euro würden folglich bis 2020 zusammenkommen.

Die Verteidigung hatte vergeblich auf Freispruch plädiert. Sie sah die Schuld des schweigenden Angeklagten nicht als bewiesen an, es gab weder ein Geständnis noch handfeste Beweise. Nach Meinung des Anwaltes trugen etwa die gefälschten Überweisungen „höchst unterschiedliche Handschriften“. Bedienernummer und Dispo-Stempel – eigentlich ganz persönliche Arbeitsmittel in der Sparkasse zum Abzeichnen hoher Überweisungen – „waren frei verfügbar“. Zudem rügte der Verteidiger, dass die Hintermänner nie in den Fokus der Ermittler geraten waren. Soll hießen: Die Aufklärung erfolgte nur ansatzweise.

Diesen Missstand hatten an den fünf vorherigen Verhandlungstagen der Richter (wie berichteten) als auch der Staatsanwalt in seinem Schuldplädoyer bemängelt. Immerhin lagen die Taten, begangen vom Herbst 2010 bis Januar 2011, gute sechs Jahre zurück. Die Ursache: Von Anfang 2012 bis Anfang 2014, hätten die Ermittlungen nach den Worten des Anklägers „stagniert“, und zwischen Anklage-Erhebung und Prozessbeginn vergingen noch einmal 18 Monate.

Doch insgesamt bescheinigt der Staatsanwaltschaft dem Ex-Azubi (und seinen unbekannten Mittelfern) eine hohe kriminelle Energie. Die Methode sei immer die gleiche gewesen: Der angehende Bankkaufmann habe die Kontodaten vermögender Kunden ausspioniert. Mit gefälschten Belegen wurden dann Dutzende von Überweisungen vorgenommen. Zuvor hatten die Hintermänner mit fadenscheinigen Erklärungen gutgläubige türkische Landsleute überredet, ihre Konten zur Verfügung zu stellen.

In seiner Urteilsbegründung wertete der Richter die vom Staatsanwalt vorgetragenen Indizien als „erdrückend“. So habe der Ex-Azubi meist direkt vor und nach den Überweisungen interne Konto-Abfragen unternommen. Zudem befanden sich auf seinem Handy Fotos mit den Namenszügen von zwei betroffenen Sparkassen-Kunden. Und auch sein extrem hoher Lebensstil passte nicht zum Monatsgehalt in Höhe von 570 Euro. Nach Angaben der Ermittler hat der Angeklagte aber in einem einzigen Jahr 10  000 Euro für Urlaub, Taxifahrten und Handyrechnungen ausgegeben. Angeblich hatte der 28-Jährige Gewinne beim Poker gemacht – Belege aber wurden nicht vorgelegt.

Das Urteil folgte weitgehend dem Plädoyer des Staatsanwaltes. Bei den zwei Jahren Haft auf Bewährung gelten wegen der langen Verfahrensdauer sechs Monate als verbüßt. Der Richter hielt aber fest: „Hinter den Taten steckte gezielte Überlegung – das ist nicht so schnell gemacht wie beim Ladendiebstahl.“ Übrigens: Möglicherweise hätte sich die Betrugsserie fortgesetzt. Doch ausgerechnet bei einer stolzen 61  000-Euro-Buchung für die Unfallkasse Nord hatte der Täter vergessen, eine zweite Unterschrift einzuholen. Der Richter stellte fest: „Man hat es übersehen.“

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erstellt am 06.Feb.2017 | 18:32 Uhr

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