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Kiel : Altstadthaus-Abriss verzögert Bau-Pläne

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein von Kielern geliebtes Altstadthaus muss abgerissen werden - denn wenn die geplante Tiefgarage nebenan entsteht, ist das Haus nicht mehr standfest.

Kiel | Rückschlag für eines der größten Bau-Projekte in Kiel: Die 20-Millionen-Euro-Pläne für eine Wohnbebauung in der Altstadt müssen geändert werden – und die Arbeiten, die eigentlich dieses Jahr beginnen sollten, verzögern sich. Grund: Ein historisch bedeutsames Gebäude, das sowohl die Stadt Kiel als auch ein neuer Investor erhalten und in das Quartier integrieren wollten, soll nun abgerissen werden. Gestern verkündete Bürgermeister und Baudezernent Peter Todeskino (Grüne) die Hiobsbotschaft. Zur Überraschung der Stadt, so Todeskino, stellten neue Gutachten die Standfestigkeit des Hauses in der Falckstraße 16 in Frage. Eine Sanierung mit zusätzlicher Sicherung sei zu langwierig und zu teuer. Der Bürgermeister möchte dort aber endlich neuen Wohnraum sehen. Ein Einsturz-Risiko will er auch nicht eingehen. Also: Abbruch.

Von Anfang an. Es geht um das Areal Alte Feuerwache, direkt am Kleinen Kiel und unweit des Alten Markts sowie des Stadtmuseums Warleberger Hof. Auf der 5800 Quadratmeter großen Fläche, wo bis zum Sommer letzten Jahres Platz für 124 parkende Autos war, sollen 60 Eigentumswohnungen und 40 Studenten-Appartements entstehen. Die Kieler Ratsversammlung hatte sich bereits 2007 dafür ausgesprochen. Direkt an dieser Fläche befindet sich das alte Gebäude. Kieler und Kiel-Kenner kennen es als frühere Adresse des „Werkstatt-Cafés“.

Eine Investorengemeinschaft und Projektgesellschaft von BIG Gewerbe Bau und Frank Heimbau (Projektgesellschaft Alte Feuerwache mbH & Co.KG) entwickelt derzeit die Bebauung des Areals. Weiterer Partner ist die Rohwer Immobiliengesellschaft, deren Geschäftsführer Rüdiger Rohwer das Gebäude mit einer Grundstücksfläche von 138 Quadratmetern im März 2012 von der Stadt Kiel gekauft hat.

Kiels Baudezernent Todeskino und Architekt Dr. Felix Schmuck aus dem Stadtplanungsamt erläuterten gestern mit dem externen Statiker Johannes Vogt die Entwicklung des Bauvorhabens sowie des alten Gebäudes. Die Stadt verpflichtete demnach den Eigentümer Rüdiger Rohwer vertraglich, das Gebäude innerhalb von zwei Jahren zu sanieren und die bisherige gastronomische Nutzung dauerhaft zu übernehmen. Das Gebäude ist bekanntermaßen stark sanierungsbedürftig und seit Jahren wegen herabfallender Fassadenteile eingerüstet. Der Sanierungsaufwand in Höhe von 1,1 Millionen Euro war nach Angaben der Stadt bereits gutachterlich bestätigt.

Doch das dicke Ende kam im April dieses Jahres. Rohwer legte ein weiteres Gutachten vor. Demnach steht die Standsicherheit des Gebäudes in Frage. Das bestätigte gestern Statiker Vogt: „Das Haus ist auf einer Bodenplatte auf Pfählen tiefgegründet.“ Diese Platte reicht in das Bebauungsgrundstück Alte Feuerwache hinein. Vogt: „Dort ist allerdings eine Tiefgarage geplant. Ein Drittel der Bodenplatte und die Pfähle müssten weg.“ Damit ist das Gebäude nicht mehr ausreichend gesichert. Schon jetzt zeigten sich im Inneren „deutliche Risse“ – das Haus ist in Bewegung. Eine Sicherung würde Vogt zufolge etwa neun Monate dauern und mindestens eine halbe Million Euro zusätzlich verschlingen, der Quadratmeterpreis auf 6000 Euro steigen. Ein Abbruch ist Todeskino zufolge deshalb „unumgänglich, um die Projekte wirtschaftlich, zeitgerecht und sicher durchführen zu können“. Er bedauerte dies: „Wir wollten das Haus sehr gerne erhalten – das war uns 1,1 Millionen Euro wert. Aber jetzt wird klar, dass das wirtschaftlich nicht vertretbar ist. Insofern muss sich die Stadt den neuen Erkenntnissen beugen und dem Abriss zustimmen.“

Wie geht es jetzt weiter? Mit Eigentümer und Bauherr Rohwer werden in Abänderung des bestehenden Kaufvertrages „neue Bedingungen und preisliche Aspekte für den zu planenden Neubau verhandelt“, hieß es gestern. Der Plan: Ein neuer Wettbewerb, bei dem verschiedene Architekturbüros – auch aus Kiel – ihre Entwürfe einreichen sollen. Und dabei will die Stadt Vorgaben machen. Das Abbruch-Haus steht nicht unter Denkmalschutz, hat jedoch nach Ansicht der Stadt eine „historische Bedeutung“ durch seine Lage an der Ecke Falckstraße/Jensendamm. Architekt Felix Schmuck: „Ziel ist nicht ein Klon, sondern eine intelligente und sensible Re-Interpretation der Fassade.“

In der nächsten Ratsversammlung möchte sich Todeskino den Abriss absegnen lassen. Schließlich hatte die auch den Grundsatzbeschluss zur Sanierung des Gebäudes getroffen. Läuft alles nach Plan, beginnt der Abbruch nach der Vorstellung des Bürgermeisters „noch in diesem Jahr“.

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erstellt am 16.Okt.2013 | 07:03 Uhr

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