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Zob-Baustelle : Alte Tankstellen verseuchten den Boden

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Baustellenbesuch: 2000 Tonnen kontaminiertes Erdreich wurden ausgehoben und müssen entsorgt werden. Die Beton-Köpfe von 37 Stahlträgern des alten Parkhauses werden zudem entfernt.

shz.de von
erstellt am 12.Aug.2015 | 06:14 Uhr

Haufenweise belastetes Erdreich haben Arbeiter auf der Zob-Baustelle mitten in der Kieler Innenstadt ausgebuddelt. Rund 2000 Tonnen eines kontaminierten Aushubs liegen, von Planen abgedeckt, auf dem Gelände. Abgedeckt, damit das Material nicht ausgast oder ausschwemmt. „Es riecht nach Tankstelle“, sagt der städtische Projektleiter Ulf Böhm vom Tiefbauamt. Das liegt daran, dass sich dort, wo bis vor wenigen Monaten Kiels Zentraler Omnibusbahnhof samt Parkhaus standen, früher zwei Tankstellen befanden. Und deren Betreiber haben vor 1970, also bis der Zob gebaut wurde, schlicht nicht auf auslaufende Kraftstoffe geachtet. Die sickerten in den Grund.

Der Boden ist nach Angaben der Stadt mit polychlorierten Kohlenwasserstoffen, Benzol und sogenannten PAKs (Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe) verunreinigt – Bestandteile von Erdöl. Zahlreiche PAKs gelten als krebserregend, daher muss die Stadt nicht nur auf die Abdeckung und den anschließenden sicheren Abtransport des Erdreichs achten, sondern musste die Mitarbeiter etwa durch Ganzkörperschutzanzüge vor einer Kontamination bewahren.

Laboruntersuchungen des Materials ergaben, dass es auf einer Deponie der Klasse II entsorgt werden muss – diese ist für höhere Schadstoffbelastungen geeignet. „Aus diesem Grund wird das kontaminierte Erdreich auf der Deponie Schönwohld entsorgt“, teilte die Stadt gestern mit. Der Abtransport habe begonnen.

Indes haben auch Experten des Kampfmittelräumdienstes das Gelände bereits abgesucht. Ergebnis: 18 Verdachtsobjekte wurden freigelegt – alte Nagelkisten und stählerne Erdungsstäbe für Blitzableiter oder Schaltschränke.

Parallel werden derzeit die alten Pfahlkopfplatten des Zob rückgebaut – 37 Pfähle stecken 30 Meter tief im Grund. Sie bleiben. Per Hydraulikschere zerschneidet ein Bagger nur deren Stahlbeton-Köpfe.

Auch das Freilegen eines Bunkers steht bevor. „Die Decke wird aufgeschlitzt, der Bunker wird geleert und mit einem speziellen Material wieder befüllt“, erklärt Projektleiter Ulf Böhm. Ist später die alte Zob-Oberfläche entfernt, errichtet die Stadt neben dem Areal des neuen Zob einen provisorischen Parkplatz, der an das Hotel Atlantic vermietet wird. Dort entstehen Stellflächen für 150 Gäste-Fahrzeuge. Diese Arbeiten werden voraussichtlich Ende September abgeschlossen sein. Ab Oktober, so der Plan, wird um den Bunker herum aus Sicherheitsgründen eine Spundwand errichtet. Denn dessen Wand ist laut Böhm mit Pech angestrichen – ein Erdölprodukt. Ab Anfang 2016 könnte der Parkhaus-Neubau beginnen.

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