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Kieler Schlossviertel : Alte Adresse für neue Wohnungen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mit dem Richtfest im Schlossviertel feiert die vor Jahrzehnten verschwundene Fischerstraße eine Wiedergeburt. 213 Luxus-Wohnungen sollen bis Ende des Jahres fertiggestellt sein, 176 sind bereits verkauft.

Das Straßenschild, das Oberbürgermeister Ulf Kämpfer zum Richtfest als Gastgeschenk mitbrachte, hat eine kuriose Geschichte. Denn die Fischerstraße hat es einst gegeben, ist aber aufgrund der Neuanlage der Kieler Altstadt schon vor Jahrzehnten aus dem Straßenatlas verschwunden. Jetzt, wo im Schlossviertel gut 200 neue Wohnungen entstehen, feiert auch die Fischerstraße eine Wiedergeburt.

Das Schild hatte einst der Kieler Hans Paulsen beim Abriss gerettet. Genauer: Er hat es dem Antiquitätenhändler, der neben ihm stand und einen Schritt schneller war, für zehn Mark abgekauft und später damit seinen Partykeller im westfälischen Erkenschwick verschönert. Das erzählte gestern Dieter Sievers (79), ehemals Leiter der Theodor-Heuss-Schule in Kiel-Hassee. Er überzeugte seinen Schwager Paulsen, sich von dem guten Stück zu trennen, und brachte es im Oberbürgermeister-Büro vorbei, denn: „Das Schild gehört wieder nach Kiel.“

In seiner kleinen Gastrede vor Investoren und Käufern der 213 Luxus-Wohnungen betonte Kämpfer die Bedeutung des neuen Quartiers, das der Innenstadt ganz neue Impulse verleiht – waren doch in der vergangenen Jahrzehnten immer mehr Wohnungen im Kieler Zentrum zu Büro- und Geschäftsräumen umgewandelt worden. Die Innenstadt war praktisch entvölkert. Der Oberbürgermeister ging auch die Forderung nach bezahlbarem Wohnraum ein, die Demonstranten während des Richtfestes lautstark vortrugen. Kämpfer gestand einen Nachholbedarf gerade im sozialen Wohnungsbau ein, betonte aber gleichzeitig: „Wir brauchen jährlich 1200 fertige Wohnungen in allen Preisklassen.“

Der zum Teil neungeschossige Neubau im Schlossviertel gilt mit einem Volumen von 80 Millionen Euro als größtes Wohnbauprojekt der Kieler Innenstadt. Nach den Worten von Niels Bunzen, Geschäftsführer der Norddeutschen Grundstücksentwicklungs-Gesellschaft (NGEG), sind von den 213 Wohneinheiten bereits 176 verkauft. Überwiegend an Kunden der Generation 50 plus. Offenbar wollen etwa zwei Drittel der Käufer die Immobilie selbst nutzen, die anderen betrachten die Wohnung als Anlagemöglichkeit für künftigen Mietzins. Die Fertigstellung ist für Ende des Jahres vorgesehen.

Lutz Wiemer aus dem Vorstand der Hanse Merkur Grundvermögen – einer der Partner im Finanzverbund – betonte den ausgezeichneten Standort des Neubauprojektes. Selbst die benachbarte Rotlicht-Meile ließ ihn nicht zweifeln. Ganz im Gegenteil. „Das hat mich vollends überzeugt“, erklärte der Mit-Investor und erzählte den Richtfest-Gästen vom anrüchigen Viertel in Hamburg. „St. Pauli gilt immer noch als sozialer Brennpunkt“, so Wiemer. „Dort werden aber heute die höchsten Grundstückspreise erzielt.“  

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erstellt am 06.Jul.2017 | 19:30 Uhr

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