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Reformation : Als sich Theologen in der Kirche prügelten . . .

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Damals, vor 500 Jahren, ging es hoch her. In Kiel bekamen sich Anhänger und Gegner der Reformation in die Haare. Da flogen bei St. Nikolai schon mal die Fäuste – und aus dem fernen Wittenberg meldete sich Luther in seiner deftigen Art zu Wort.

shz.de von
erstellt am 25.Apr.2017 | 19:23 Uhr

Dicke Luft in Kiel. Martin Luther ist, wie man heute sagen würde, „not amused“, alles andere als erfreut. Am Freitag, 28. April, lassen zwei Schauspieler diesen Streit anno 1528 neu aufleben. In der Kirche St. Nikolai am Alten Markt lesen sie um 19 Uhr aus einem Briefwechsel zwischen Martin Luther und Kieler Akteuren. Musikalisch begleitet Rainer-Michael Munz diese Lesung. Der Kirchengeschichtler Prof. Dr. Johannes Schilling ordnet diese Auseinandersetzung zur Reformation in Kiel historisch und theologisch ein. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

Die Veranstaltung ist gleichzeitig die Eröffnung des Europäischen Stationenwegs. Bei diesem internationalen Projekt der Evangelischen Kirchen fährt ein Truck durch 19 Länder und sammelt Geschichten zur Reformation. Am Sonnabend, 29. April, können Besucher das auf dem Rathausplatz von 10 bis 18 Uhr live erleben.

Die Auseinandersetzung zwischen Martin Luther und Kiel ist eng mit einem Namen verbunden, mit Melchior Hoffman. Ursprünglich ein einfacher Kürschnergeselle aus Württemberg zählte der Laienprediger zum radikalen Flügel der Reformation. In Kiel prangerte er von der Kanzel soziale Missstände an, wandte sich gegen die etablierte Geistlichkeit und griff Mitglieder des Rats der Stadt an. Dabei soll es sogar zu Prügeleien in St. Nikolai gekommen sein. Entsetzt suchte der Stadtpfarrer im Februar 1528 schriftlich Rückendeckung bei Martin Luther. Der Reformator empfahl prompt dem Rat der Stadt in einem Brief, dem Laienprediger Hofmann das öffentliche Reden zu verbieten. Was Luther nicht ahnte: Der Stadtpfarrer entpuppte sich als Gegner der Reformation. Luther korrespondierte deshalb direkt mit verschiedenen Ratsherren – ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, in seiner gewohnt deftig, klaren Art. In St. Nikolai rezitieren die Schauspieler Markus und Ivan Dentler aus dem Ensemble der „Komödianten“ aus diesem Briefwechsel.

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