Abgase am Theodor-heuss-Ring : Als Rettung ein Staubsauger

Möglichst weit weg von Wohnblöcken und der Messstation (links): Brummis und alle anderen Diesel-Autos sollen auf dem Kieler Theodor-Heuss-Ring ausschließlich die linke Fahrspur benutzen.
Möglichst weit weg von Wohnblöcken und der Messstation (links): Brummis und alle anderen Diesel-Autos sollen auf dem Kieler Theodor-Heuss-Ring ausschließlich die linke Fahrspur benutzen.

Überdimensionale Absauganlage gegen Diesel-Abgase: Oberbürgermeister Kämpfer will jetzt auch Luftreiniger am Theodor-Heuss-Ring testen. Schon im Februar könnte die Apparatur testweise aufgestellt werden. Ob’s was bringt, weiß man heute noch nicht.

shz.de von
10. Januar 2019, 18:07 Uhr

Ulf Kämpfer lässt nichts unversucht. Im verzweifelten Bemühen, Fahrverbote am Theodor-Heuss unbedingt zu vermeiden, zieht der Kieler Oberbürgermeister jetzt auch eine Absauganlage ins technische Kalkül. Wie ein riesiger Staubsauger soll die Apparatur Stickoxide und andere Abgase einfangen. Ein Prototyp könnte bereits im Februar am vielbefahrenen Abschnitt der B  76 testweise aufgestellt werden.

Kämpfer betonte gleichzeitig: „Wir können aber nicht allein auf die Anlage setzen.“ Die Abgasanlage versteht er als Ergänzung zu den Plänen, die das Kieler Rathaus kurz vor Weihnachten vorgestellt hatte. So soll ein Teil der täglichen Lastwagen-Flotte künftig quer durch die Innenstadt rollen. Noch mehr Fassungslosigkeit erntete der zweite zentrale Vorschlag: Sämtliche Diesel-Fahrzeuge – darunter eben auch die vielen Brummis – sollen vor dem betroffenen B-76-Abschnitt auf die linke Spur wechseln, um dann ein paar hundert Meter später vor der Auffahrt zur Autobahn wieder nach rechts zu schwenken.

Kämpfer hat seine Vorschlagsliste Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht überreicht, der an einem juristisch sauberen Luftreinhalteplan arbeitet. „Der Schutz der Gesundheit der Anwohner am Theodor-Heuss-Ring hat oberste Priorität“, erklärte Albrecht: „Wir begrüßen daher jede Maßnahme, die zu einer Reduzierung der Stickoxidwerte beiträgt.“

Die Konzentration dieses Stoffes liegt seit Jahren erheblich über dem erlaubten Durchschnittswert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Die Menschen in diesem Abschnitt wohnen aber nur wenige Meter von der vierspurigen Fahrbahn entfernt.

Laut Kämpfer gibt es Gespräche mit zwei Herstellern von Luftreinigungsanlagen. Von einer Anlage für die Mittelplanke gebe es allerdings noch keinen testbaren Prototypen, vom mobilen „Stadtluftreiniger“ der Firma Purevento aus Trittau dagegen schon. Er hat die Größe eines Kleintransporters und ist mit einem Filtersystem ausgestattet. Der Container soll auf Höhe der Messanlage am Theodor-Heuss-Ring aufgestellt werden.

„Diesen Container kann man ohne großes Genehmigungsverfahren hinstellen“, erklärte der Oberbürgermeister. Die Anlage wird aber im Test nur ein paar Wochen in Kiel blieben. Denn die Firma möchte ihr Konzept auch in anderen Städten präsentieren. Kämpfer stellte aber auch fest, dass die Technik noch in der Erprobungsphase sei: „Weder ist die Produktion gesichert, noch ist die Wirksamkeit im Betrieb nachgewiesen.“

In Hamburg gelten seit Ende Mai 2018 auf Abschnitten zweier stark befahrener Straßen Durchfahrtsbeschränkungen für Diesel bis zur Euro-Norm 5. Das Bundesverwaltungsgericht hatte im Februar den Weg für Fahrverbote geebnet – für Kiel will Kämpfer dies ausdrücklich vermeiden. Er befürchtet Auswirkungen auf den Tourismus, die Logistikbranche und den Fährverkehr.

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