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Buch vorgestellt : Als Matrosen Geschichte schrieben

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der historische Kiel-Krimi spielt während der Revolution 1918. Autor Simon Voß aus Ahrensburg stellte jetzt sein erstes Buch vor.

shz.de von
erstellt am 21.Okt.2013 | 10:12 Uhr

Wo heute in Kiel das Schauspielhaus steht, existierte Anfang des 20. Jahrhunderts ein kleines Theater. Hier wartet ein junger Werftarbeiter auf seine Angebetete, eine Schauspielerin. Er hat Zeit – denn nach dem Ende des Ersten Weltkrieges hat die Werft keine Arbeit für ihn. Die Menschen in Kiel hungern und unter den Arbeitern und Matrosen gärt es. August Guerin, so heißt der Arbeiter, und seine Lotte werden hineingesogen in den Strudel der Ereignisse, die Weltgeschichte schreiben werden.

Simon Voß ist Historiker. Der Lehrer arbeitet an einem Gymnasium in Ahrensburg und war als Vater einer kleinen Tochter in Elternzeit gegangen. Diese Zeit nutzte er, um seinen ersten Roman zu schreiben: In der Buchhandlung Hugendubel in der Holtenauer Straße stelle er „Dezemberkälte“ vor, das im Wachholtz Verlag erschienen ist.

Der Autor ist gebürtiger Kieler. Und daher fiel seine Wahl auch auf ein Kieler Thema. In der Schule hat er sich bei einer Projektwoche in der zehnten Klasse mit dem Matrosenaufstand beschäftigt. Zusammen mit einer Klassenkameradin ging er auf die Straße und befragte die Menschen zu diesem historischen Ereignis. „Wir trafen sogar noch Zeitzeugen!“ Das war Ende der 80er Jahre. Voß meint, dass die Landeshauptstadt aus diesem großen geschichtlichen Ereignis viel zu wenig mache. Zwar gibt es ein Denkmal, dass an den Matrosenaufstand erinnert. Doch wer kennt Hans-Jürgen Breustes Plastik „Wik“ im Prinzengarten am Kleinen Kiel? Es gibt seit zwei Jahren auch einen „Platz der Kieler Matrosen“ – so heißt seit dem 17. Juni 2011 der Bahnhofsvorplatz.

Zur Erinnerung: Am 4. November 1918 bricht der Aufstand in Kiel los. Am 5. November rufen die Matrosenverbände einen Generalstreik aus. Am 6. November weht die rote Flagge der Revolution in allen Hafenstädten – auch Hamburg. Am 7. November erfasst die Revolution die Industriestädte im Ruhrgebiet und andere Regionen. Am 9. November dankt Kaiser Wilhelm II. ab und ruft Philipp Scheidemann in Berlin die Republik aus. Doch damit kehrt noch lange nicht Ruhe ein. Reaktionäre Kräfte wollen die alte Ordnung wiederherstellen. Das ist der Hintergrund, der Rahmen für das Buch von Simon Voß, das das Etikett „Krimi“ trägt, aber diesen Stempel nicht unbedingt benötigt hätte.

„Obwohl die meisten Personen – wie August Guerin oder Korvettenkapitän Wolf von der Groende – fiktiv sind, sind ihre Motive doch ganz real und stehen stellvertretend für die Beweggründe anderer, die damals wirklich dabei waren“, sagt Autor Simon Voß über seine Protagonisten. Und das ist ihm wirklich ausgezeichnet gelungen – die Atmosphäre jener Zeit einzufangen. Ein alter Kieler Reiseführer, Postkarten-Bildbände aus der Vergangenheit der Landeshauptstadt und viele, viele Tage im Landesarchiv haben ihm dabei geholfen. Da findet zum Beispiel das Stinkeviertel Erwähnung: Eine Fäkaliendüngerfabrik im Grasweg sorgte dafür, dass auch das Bürgertum auf dem westlichen Fördeufer nicht nur schön wohnte (eine Szene, die die Zuhörer der Lesung sehr amüsierte).

Auch eine Anzeige aus einer damaligen Zeitung fand Eingang in eine Buchszene: „Kriegsheimkehrer bietet sich als Meister für eine Bäckerstube an. Wenn eine Tochter im Betrieb ist, ist spätere Heirat nicht ausgeschlossen.“ Es gibt etliche dieser kleinen Details, die sich im dem Buch finden.


Simon Voß,

„Dezemberkälte“,

272 Seiten,

9.90 Euro,

Wachholtz Verlag

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