Meeresforschung : Algen halten die Haut geschmeidig

Ostsee-Experten im Labor:  (von links) Berit Joosep, Marju Roobal und Janno Joosep haben an der Universität Tallinn den Nutzen der Rotalge erforscht.
Ostsee-Experten im Labor: (von links) Berit Joosep, Marju Roobal und Janno Joosep haben an der Universität Tallinn den Nutzen der Rotalge erforscht.

Die Ostsee-Kooperation macht’s möglich: Das estnische Unternehmen Furcella OÜ strebt mit einer eigener Kosmetikserie auf den Markt. Ganz nach dem Vorbild von Oceanbasis in Kiel stammen die wichtigsten Zutaten von Meeresalgen.

shz.de von
06. Februar 2018, 18:28 Uhr

„Warum nur besitzen die uralten Fischer mit den faltigen Gesichtern solch weiche Hände?“ Das fragten sich die aus Estland stammenden Meeresforscher Berit und Janno Joosep bei einer Reise nach Bali. Die Antwort: Die Fischer reinigen täglich ihre Netze, ihre Hände kommen ständig in direkten Kontakt mit den Algen. Diese Beobachtung nutzten die Jooseps für die Entwicklung einer neuen Kosmetik-Serie. Sie beinhaltet als wesentliche Zutat den Stoff Furcellan, der aus der Ostsee-Rotalge (Furcellaria lumbricalis) gewonnen wird. Die „Berrichi“-Reihe gehört mittlerweile zu den Aushängeschildern des internationalen „Alliance“-Projektes, die Federführung liegt bei Geomar in Kiel.

30 Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Initiativen widmen sich bei „Alliance“ der marinen Biotechnologie. Erklärte Absicht: den langen Weg von der Idee bis zum vermarktbaren ,blauen‘ Produkt zu ebnen und begleiten. Es geht dabei um die Nutzung der Meeresressourcen für die Medizin, für Nahrungsmittel oder, wie jetzt, für die Kosmetik. „Berrichi“ umfasst aktuell eine Tages- und Nachtcreme sowie eine Spezialcreme für Herren. Sie tragen den ungewöhnlichen Stempel „Made in the Baltic Sea Region“ – im Ostseeraum hergestellt. Die Produkte sind über die firmeneigene Webseite (www. berrichi.ee/) erhältlich.

„Ich bin dem ,Alliance‘-Konsortium für seine große Hilfe dankbar“, erklärt Janno Joosep, der mit Furcella OÜ in Tallinn eine eigene Biotech-Firma gegründet hat. „Vorher hatten wir nur ein Rezept und eine optimistische Idee, aber alles ging nur sehr langsam voran. Jetzt aber sind innerhalb eines Jahres unsere Produkte fertiggestellt und auf dem estnischen Markt erhältlich.“ Das Netzwerk ermöglichte es Furcella, mit Anbietern des Algen-Rohmaterials aus dem Ostseeraum Verbindung aufzunehmen und Unterstützung beim Marketing und bei der Analyse des Kosmetikmarktes zu erhalten. Nach den Worten von Geomar-Sprecher Andreas Villwock unterstreicht diese Erfolgsgeschichte „die dynamische transnationale und transdisziplinäre Kooperation zwischen verschiedenen Blue-Biotech-Akteuren im Ostseeraum. Es zeigt auch, wie effektiv es ist, die verschiedenartigen Expertisen der Partner zu bündeln.“

Furcella OÜ will seine Arbeit mit den „Alliance“-Partnern fortsetzen. Zu den Projektzielen der Ostsee-Kooperation gehört die Entwicklung eines „blauen“, algenbasierten Biokunststoffes. Außerdem sollen die Kosmetika in anderen europäischen Ländern auf den Markt gebracht werden. In Sicht sind ferner „blaue“ Lösungen beispielsweise für biobasierte Medizinprodukte, für Nahrungs- und Futtermittel, für Farb- und Kraftstoffe oder für die empfindliche Technologie bei der Umweltbeobachtung.

Mit der Firma Oceanbasis am Tiessenkai in Holtenau widmet sich bereits ein Kieler Unternehmen der Algennutzung. Geschäftsführer Levent Piker und seine Mitstreiter haben sich allerdings der Braunalge verschrieben und mit „Oceanwell“ ebenfalls schon eine eigene Kosmetikserie aufgelegt. Die Holtenauer verkaufen sogar einen Sherry auf Algenbasis. Piker & Co sind nicht nur an „Alliance“ beteiligt, sie gehörten sogar zu den Mentoren für die estnische Neugründung.

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