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Muthesius-Kunsthochschule in Kiel : „Akute Gefährdung“: Alte Mu ohne Strom

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Gebäudemanagement des Landes hält die früheren Räume der Kunsthochschule für nicht betriebssicher. 80 Kreative hoffen auf eine schnelle Lösung.

shz.de von
erstellt am 22.Mär.2016 | 16:07 Uhr

Kiel | Es bleibt neuerdings dunkel in den Werkstatträumen der früheren Muthesius-Kunsthochschule in Kiel. Der Strom wurde abgestellt. Die rund 20 Initiativen der „Alten Mu“ haben zwar Heizung, aber darüber hinaus keine Grundlage zum Arbeiten. PCs in den Büros bleiben ausgeschaltet, elektrische Arbeitsgeräte wie Bohrmaschinen legen eine Zwangspause ein – und natürlich gurgelt auch nirgendwo eine Kaffeemaschine vor sich hin. Die offene Werkstatt ist genauso betroffen wie die Jungunternehmer der „Goldeimer“-Komposttoiletten oder die „Lillebräu“-Macher, die sonst Workshops anbieten und in ihrem Labor neue Bier-Sorten testen.

Hintergrund: Das Gebäude-Management Schleswig-Holstein (GMSH) hat offenbar bei einer Begehung festgestellt, dass die Betriebssicherheit der Elektroanlagen nicht gewährleistet ist und eine „unmittelbare Gefahr für die Nutzer besteht“, sagt Michael Päpke vom Verein Alte Mu Impuls-Werk. Die Begehung war zusammen mit einer avisierten Zwischenlösung – einem Mietvertrag zwischen den Kreativen und dem Land mit zweiwöchiger Kündigungsfrist – anberaumt worden.

Und nun ist der Strom weg. Über die Entscheidung seien sie einen Tag vor dem Einstellen der Stromversorgung am 11. März vom Kanzler der Muthesius-Kunsthochschule, Dirk Mirow, informiert worden, so Päpke. Muthesius-Sprecherin Ursula Schmitz-Bünder bestätigt: „Die Räume sind nicht betriebssicher, die Leitungen liegen teilweise auf dem Putz. Es gab Überschwemmungen, wir haben deswegen ein Schriftenlager geräumt. Wir können diese Verantwortung nicht übernehmen.“

Es ist ein Schlag ins Kontor des Vereins, der sich im vergangenen September gegründet und große Pläne mit dem Gelände hat (wir berichteten). Die Idee: Die rund 80 Akteure wollen eine Genossenschaft aufbauen, um das Gebäude vom Land zu kaufen und ein kreatives Dorf in der Stadt zu gründen – inklusive Wohnturm mit Hostel, begrünten Dächern, Mini-Windkraftanlagen, Kinderbetreuung und mehr. Ein blaues Plakat zeigt die Vision jetzt direkt am Eingang am Lorentzendamm. Ein Baucontainer für die „Bauleitung“ komplettiert die Installation. Denn das soll es sein: sowohl Kunst als auch Signal an die Kieler – und die Entscheider. Damit schaffen die Initiativen ganz plakativ Tatsachen. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem weiterhin ungewiss ist, ob sie längerfristig bleiben dürfen. Eigentlich sind sie immer noch Hausbesetzer. Geduldete Hausbesetzer.

Gestern Abend trafen sich der zuständige Staatssekretär Rolf Fischer (SPD), Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer sowie Vertreter der Muthesius-Hochschule zu einem Gespräch über praktische Fragen der Zwischennutzung des seit 2012 leer stehenden Komplexes. Bekannt ist das Interesse der Stadt, Schüler des RBZ  1 dort zeitweise unterzubringen. Bis zur nächsten Ratsversammlung am 21. April soll nach Angaben der Stadt eine Beschlussvorlage vorliegen.

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