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Gründerzeit-Haus : Akute Einsturzgefahr: Abriss von Kieler Mehrfamilienhaus

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Eigentümerin ließ das Gründerzeit-Haus in der Sternstraße 2a verfallen - die Stadt sieht sich zum Abbruch gezwungen.

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2013 | 00:31 Uhr

Kiel | Die Haustür ist mit schwarzer Farbe beschmiert, Fensterscheiben wurden eingeworfen und notdürftig repariert. Hinter den Fenstern der Erdgeschoss-Wohnung stapelt sich Gerümpel, ein schiefer Lampenschirm schickt seinen letzten Gruß des Verfalls hinaus auf die Sternstraße: Auch wenn das Gründerzeit- und Mehrfamilienhaus unweit des beliebten Kieler Schrevenparks optisch nicht ansprechend ist – wie es um dessen Bausubstanz bestellt ist, lässt sich von außen nicht erahnen. Die Bauaufsicht der Landeshauptstadt jedoch sagt: „Akute Einsturzgefahr“. Der echte Hausschwamm, ein holzzerstörender Pilz, habe sich durchs Gebälk gefressen. Die Eigentümerin habe alles verkommen lassen. Nun zieht die Stadt die Reißleine – Abriss.

„Es ist jammerschade für einen ansonsten intakten Straßenzug in dieser Lage“, sagt die Leiterin der städtischen Bauaufsicht, Birgit Kulgemeyer, über das leer stehende fünfgeschossige Haus mit der Rotklinker-Fassade, in dem sich früher im Erdgeschoss eine Boutique befand, teilweise Fremdenzimmer vermietet wurden. „Ein bemerkenswerter Schritt. So etwas kommt nicht so oft vor. Aber es gibt keinen anderen Weg“, sagt Kulgemeyer.

Der Zwangsabbruch ist der vorläufig letzte Akt eines langwierigen Verwaltungsverfahrens zwischen der Stadt Kiel und der Eigentümerin, das über mehrere Stufen eskaliert ist. Das 1905 errichtete Wohnhaus ist den Angaben der Verwaltung zufolge seit vielen Jahren baufällig. Nach einer aktuellen Bewertung von Prüfstatikern sei ein „rapider Verfall der Gebäudesubstanz zu verzeichnen“, hieß es in einer Pressemitteilung. Auch sei mittlerweile die Konstruktion, die das Gebäude sichert, vom Schimmel angegriffen. Dann folgt ein Satz, der dramatisch klingt: „Es muss davon ausgegangen werden, dass das Gebäude herbstlichen Unwettern nicht mehr standhält.“

Und die Eigentümerin? Die Frau, deren Name nicht bekannt ist, hat sich offenbar nicht um ihr Haus kümmern wollen. Mehrmals hat die Bauaufsicht die Schleswig-Holsteinerin aufgefordert, Sicherungsmaßnahmen zu veranlassen. Den entsprechenden Anordnungen wurde, wie es im Behördendeutsch heißt, „nicht Folge geleistet“. Bereits im Jahr 2010 hatte die Stadt die hofseitigen Balkone abbrechen lassen, da diese abzustürzen drohten. Außerdem „wurden auf Kosten der Eigentümerin sämtliche Geschossdecken abgestützt“.

Jetzt ist offenbar nichts mehr zu retten. Um einen unkontrollierten Einsturz zu vermeiden, plant eine Fachfirma den Abbruch des Hauses. Bauarbeiter verlegten gestern Stahlplatten, um Gehweg und Parkplätze zu schützen. Die vorbereitenden Arbeiten werden nach Auskunft der Stadtverwaltung wohl mehrere Wochen dauern. Die Kosten für den Abbruch – Birgit Kulgemeyer zufolge im sechsstelligen Bereich – wird die Stadt Kiel von der Eigentümerin eintreiben. Die Summe wurde 2012 in den Haushalt aufgenommen, da sich dieser Schritt bereits damals abzeichnete.

Wie hoch ist die Chance, dass die Stadt ihr Geld wiedersieht? Birgit Kulgemeyer von der Bauaufsicht gibt sich zuversichtlich: „Es gibt ja noch das Grundstück. Wir können unsere Belastung im Grundbuch sichern.“

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