Ruhestand : Adieu, Stadtrat Wolfgang Röttgers

Der Meister der Zahlen: Wolfgang Röttgers (vor einem Plakat mit alten Kieler Ansichten) hat den städtischen Haushalt in den letzten Jahren ins Plus gedreht.
Der Meister der Zahlen: Wolfgang Röttgers (vor einem Plakat mit alten Kieler Ansichten) hat den städtischen Haushalt in den letzten Jahren ins Plus gedreht.

Der Kämmerer, Kulturdezernent und Hobby-Kabarettist geht heute offiziell in Rente. Röttgers will sich aber weiterhin in der Städtepartnerschaft mit San Francisco engagieren – und auch der Bühne wird man ihn wohl demnächst erleben.

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28. März 2018, 17:59 Uhr

Heute ist sein letzter regulärer Arbeitstag. Wolfgang Röttgers, Stadtrat für Finanzen, Personal, Kultur und Ordnung bei der Landeshauptstadt Kiel, geht in Ruhestand. In den sechs Jahren seit 2012, in denen er mit Torsten Albig, Susanne Gaschke und Ulf Kämpfer gleich drei Oberbürgermeister erlebte, hat er den städtischen Etat „gedreht“: Aus dem erschreckenden Defizit ist mittlerweile ein erklecklicher Überschuss entstanden.

Röttgers, 1954 in Hasloh (Kreis Pinneberg) geboren und in Kaltenkirchen groß geworden, trat noch als Schüler in die SPD ein. Exakt am 19. November 1972 – es war der Tag jener Bundestagswahl, die den Sozialdemokraten um Willy Brandt mit 45,8 Prozent der Wählerstimmen den größten Erfolg ihrer Parteigeschichte einbrachte.

Jung-Genosse Wolfgang studierte Geschichte, Pädagogik und Literaturgeschichte in Hamburg, führte jahrelang das Büro des SPD-Bundestagsabgeordneten Günther Heyenn. 1988 begann er als Referent im SPD-Landesverband, war später abwechselnd Büroleiter für Marianne Tidick, Claus Möller und Lothar Hay. Als Persönlicher Referent folgte er Hay dann ins Innenministerium. Diese Position behielt er auch, als mit Klaus Schlie ein Christdemokrat den Ministerposten übernahm.

Röttgers kennt sie alle, weshalb ihn auch kaum jemand und kaum etwas aus der Ruhe bringen kann. Zeitweilig war es vielleicht der „leidige Umsatzsteuerfall“ (so Oberbürgermeister Ulf Kämpfer in seiner Abschiedsrede an Röttgers) um den Kieler Augenarzt Uthoff, der Susanne Gaschke zu Fall brachte und im Rathaus zu Verwerfungen führte.

Wolfgang Röttgers besitzt eine ausgeprägte komödiantische Ader. Mit der Kabarett-Truppe der „Sta(a)tisten“ eiferte er einst – gewollt oder ungewollt – dem alten SPD-Lehrmeister Jochen Steffen nach, der als Kuddl Schnööf auf der Bühne stand. Röttgers will über aktuelle Bühnenpläne noch nicht sprechen. Nur so viel: „Ich bin eine Rampen-Sau.“ Soll heißen: Freunde, ich kehre zurück.

Wolfgang Röttgers ist zugleich ein großer Bewunderer des Seeadlers und deshalb Mitglied beim Nabu (Naturschutzbund). Und schließlich ist Röttgers beim Kulturforum Schleswig-Holstein aktiv. Dieser einst von Björn Engholm ins Leben gerufene Verein will – über das reine Veranstaltungsprogramm hinaus – zur Kultur-Debatte beitragen.

Trotz seines Faibles für Theater und Musik, für Literatur, Oper und Kabarett – für Röttgers stand der Haushalt immer an erster Stelle. Man spürt Genugtuung in seinen Worten, wenn er der Kommunalaufsicht jetzt Etats mit Überschüssen präsentieren darf. Das freut ihn auch für die Beschäftigten im Rathaus, die in Zeiten eiserner Haushaltsdisziplin „geknebelt“ wurden.

Röttgers will sich als Pensionär auch in der jungen Städtepartnerschaft zwischen Kiel und (dem dreifach größeren) San Francisco engagieren. Er spricht von einer „Herausforderung“, wenn es um die Begegnung auf Augenhöhe geht.

In der einen oder anderen Form wird Röttgers der Verwaltung also erhalten bleiben. Das gilt insbesondere für das Jubiläumsprogramm 100 Jahre Kieler Matrosenaufstand, das unter seiner Federführung entstand. Für den 6. Mai steht die Eröffnung der zentralen Ausstellung im Schifffahrtsmuseum an. „Ich hoffe, ich werde eingeladen“, sagt Wolfgang Röttgers mit einem leichten ironischen Lächeln um die Lippen.

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