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Urteil : Acht Monate Haft für Rentner (68)

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Landgericht Kiel hebt den Freispruch des Amtsgerichtes Eckernförde auf. Der Mann, der vor drei Jahren in Strande seine Bekannte verprügelt hatte, erhielt am Mittwoch eine Bewährungsstrafe. Außerdem muss er seinem Opfer 1000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Hat er, der ehemalige Lehrer (68), aus Frust über das frühe Wecken seine Gastgeberin (72) verprügelt? Hat er damals, im August 2013 in Strande (Kreis Rendsburg-Eckernförde), die Frau ins Badezimmer gedrängt, auf sie eingeschlagen und sogar unter Wasser gedrückt? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das Kieler Landgericht gestern in einer Berufungsverhandlung. Während das Amtsgericht Eckernförde den Angeklagten aus Mangel an Beweisen noch freigesprochen hatte, kam der Richter gestern zu einem anderen Urteil. Wegen gefährlicher Körperverletzung erhielt der Angeklagte eine Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung, zudem muss er seinem Opfer ein Schmerzensgeld in Höhe von 1000 Euro zahlen.

Im Verfahren stand zunächst Aussage gegen Aussage. Der Angeklagte sprach davon, dass die Frau – eine gute alte Bekannte – mit ihm nach einem durchzechten Abend in die Badewanne gestiegen sei. Sie sei dann aber plötzlich ohnmächtig geworden, er habe sie vor dem Ertrinken gerettet. Dabei sei ihr Kopf gegen die Wanne geschlagen, was die blutigen Verletzungen im Gesicht erkläre.

Ganz anders die Darstellung des Opfers: Ihr Gast habe sich fürchterlich betrunken, sie selbst habe am Wodka nur genippt. Der torkelnde 68-Jährige habe sich dann auf dem Gästebett schlafen gelegt. Das aber gefiel ihr ganz und gar nicht. Als sie ihn weckte und nach Hause schicken wollte, sei er wütend geworden. Er habe sie ins Badezimmer gezerrt, in voller Montur in die Wanne gestoßen, das Wasser aufgedreht, mit Fäusten und dem Duschkopf auf sie eingeschlagen, ihren Kopf unter Wasser gedrückt. „Er sagte in der ganzen Zeit kein einziges Wort“, erinnerte sich die Rentnerin an die Nacht vor gut drei Jahren. „Dann ging er.“

Allerdings auch nur wieder, um sich im Gästezimmer aufs Bett fallen zu lassen. Die Frau – schockiert, verletzt, aufgebracht und erschöpft – rief zunächst ihren Bruder und wenig später auf seinen Rat hin die Polizei an. Zwischendurch stellte sie fest, dass ihr Bekannter immer noch im Hause war. Sie weckte ihn erneut, diesmal machte der Mann sich ohne Widerrede auf die Socken. Die Polizei stellte bei ihm fünf Stunden später einen Blutalkoholwert von 1,4 Promille fest.

Entscheidende Grundlage für das Urteil war das Gutachten der Rechtsmedizinerin. Schwellungen, blaue Flecke, offene Wunden waren nicht nur im Gesicht des Opfers, sondern auch an Händen, Armen und Schultern vorhanden. „Ein einfacher Sturz würde die vielen Verletzungen der Frau nicht erklären“, bezweifelte die Ärztin die Version des Angeklagten.

Die Staatsanwältin forderte eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten sowie 3500 Euro Geldstrafe, die Verteidigung plädierte auf Freispruch. Das Urteil lief dann auf acht Monate sowie 1000 Euro Schmerzensgeld hinaus. In der Begründung wunderte sich der Richter, warum nicht schon die Vorinstanz das Gutachten der Rechtsmedizin entsprechend würdigte: „Das bleibt ein Geheimnis des Amtsgerichts.“  

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erstellt am 07.Dez.2016 | 19:15 Uhr

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