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Schleswig : Abflug von der A7: Was aus den Notlandeplätzen des Kalten Krieges wurde

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Autobahnen sollten im Notfall zu Flugplätzen umgebaut werden. An manchen Stellen sind die Plätze bis heute erkennbar.

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2016 | 15:22 Uhr

Schleswig | Wo heute Autos ihre PS auf die Straße bringen, donnerten 1972 Flugzeuge entlang: Auf der Autobahn 7 nahe Schleswig starteten und landeten vor der offiziellen Eröffnung der Straße Kampfjets und Transportmaschinen der Bundeswehr. Inzwischen ist der dortige Autobahn-Rastplatz Brekendorf Moor nach Angaben des Landesverkehrsministeriums das letzte noch originalgetreue Relikt der früheren Notlandeplätze der Luftwaffe in Schleswig-Holstein.

Die Luftaufnahme zeigt den Rastplatz Brekendorfer Moor an der Autobahn 7 in der Nähe von Owschlag. Zu Zeiten des Kalten Krieges sollten Kampfflugzeuge den Autobahnabschnitt und die Rastanlage  als Ausweichflugplatz nutzen, falls ihr Fliegerhorst zerstört wurde.
Die Luftaufnahme zeigt den Rastplatz Brekendorfer Moor an der Autobahn 7 in der Nähe von Owschlag. Zu Zeiten des Kalten Krieges sollten Kampfflugzeuge den Autobahnabschnitt und die Rastanlage als Ausweichflugplatz nutzen, falls ihr Fliegerhorst zerstört wurde. Foto: dpa
 

Während des Kalten Krieges sah das anders aus. Bundesweit hatte das Verteidigungsministerium seit Anfang der 1960er-Jahre zahlreiche Notlandeplätze bauen lassen, einer Zählung der Friedensbewegung aus den 80er-Jahren zufolge insgesamt 21 Stück. Bei den Plätzen handelte es sich um Autobahnabschnitte ohne Brücken, mit durchbetonierten Mittelstreifen, schnell abmontierbaren Leitplanken sowie besonders großen Parkplätzen an den Enden der Piste. Binnen weniger Stunden hätten Soldaten die Autobahn im Ernstfall an diesen Stellen zu Flugplätzen umfunktionieren sollen - mobiler Tower und Radaranagen auf Lastwagen inklusive.

Die Plätze sollten als Reserve dienen, falls die eigentlichen Flugplätze zerstört sind, erklärt Historiker Heiner Möllers vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam. Besonders in Norddeutschland habe es viele dieser Landeplätze gegeben. Als einen Grund dafür nennt er die geringere Anzahl an regulären Militärflugplätzen als im Süden. Zudem habe es wegen des in der norddeutschen Tiefebene einst erwarteten Angriffs durch den Warschauer Pakt einen größeren Bedarf solcher Flugplätze in Niedersachsen und Schleswig-Holstein gegeben.

Deckel zu unterirdischen Tanks am Rastplatz Brekendorfer Moor.
Deckel zu unterirdischen Tanks am Rastplatz Brekendorfer Moor. Foto: dpa
 

Leichte Militärflugzeuge wie die „Fiat G.91“, der „Alpha Jet“, die britischen „Harrier“ oder amerikanische „A 10“ sollten so von Norddeutschland aus schnell wieder ins Gefecht geschickt werden können, Truppen per „Transall“ verlegt werden können. Schwieriger sei das Starten und Landen für die Piloten nicht gewesen, sagt Möllers, allerdings habe wie auf einem normalen Flughafen auch darauf geachtet werden müssen, dass die Startbahn sauber war, damit kein Schmutz in die Triebwerke gelangen konnte. Mit dem Ende des Warschauer Pakts seien schließlich jedoch auch die Notlandeplätze „komplett aus der Mode gekommen“.

Offiziell habe das Bundesverteidigungsministerium die Plätze jedoch erst im Juni 1995 „als nicht mehr erforderlich“ eingestuft und aufgegeben, teilte ein Ministeriumssprecher mit. Die Plätze sollten demnach nach und nach zurückgebaut werden, Treibstofftanks und Telefonleitungen aus der Erde verschwinden, die großen Betonflächen aufgebrochen werden. Kosten der Plätze und des Rückbaus: unbekannt.

Auf insgesamt 17 Plätzen hatte die Luftwaffe nach Ministeriumsangaben zuvor geübt - jeweils nur auf neu gebauten Autobahnabschnitten, die noch nicht für den Verkehr freigegeben waren. Häufig kamen auch Flieger aus anderen Nato-Staaten. Das letzte große Manöver dieser Art fand 1984 auf der neu gebauten A29 nahe Ahlhorn in Niedersachsen statt.

An manchen Stellen können Autofahrer die einstigen Flugplätze auf der Autobahn noch erkennen. Auch in Ostdeutschland, wo nach Angaben des Verteidigungsministeriums sechs solcher Plätze betrieben wurden. Doch mit dem Ende der militärischen Nutzung der Plätze verschwinden die Spuren. Sonderausstattungen wie die steckbaren Leitplanken würden bei Reparaturen nicht wieder ersetzt, heißt es beispielsweise aus dem schleswig-holsteinischen Verkehrsministerium. Da in dem Bundesland zudem aktuell viele Lkw-Parkplätze benötigt werden, seien drei der einst vier auch militärisch genutzten Parkplätze bereits umgebaut. Nur eine von früher zwei Startbahnen ist noch gut sichtbar.

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