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Masterplan Wohnen : 9000 neue Wohnungen in zehn Jahren

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gemeinsam mit Hauseigentümern, Wohnungswirtschaft und Mieterverein will die Stadt Kiel der Wohnungsbau ankurbeln. Gestern wurde der Masterplan Wohnen im Rathaus von allen Beteiligten unterschrieben – unterschiedliche Interessen wurden vorerst zurückgestellt.

Die Landeshauptstadt will den Wohnungsbau in den nächsten Jahren kräftig vorantreiben. Das Ziel sind 9000 neue Wohnungen bis zum Jahre 2025 – dafür wurde gestern im Rathaus der sogenannte „Masterplan Wohnen“ verkündet. Gemeinsam mit der Stadt haben Vertreter der Wohnungswirtschaft, der Hausbesitzer und des Mietervereins das ehrgeizige Papier unterschrieben. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) lobte den Konsens, dem lange, durchaus strittige Gespräche vorausgegangen waren: „Das passiert nicht jeden Tag, das ist einmalig in Schleswig-Holstein.“

Hintergrund ist der erwartete Bevölkerungszuwachs. Die Planer im Rathaus rechnen mit einem Plus von 10  000 Menschen in der nächsten Dekade. Sie drängen ebenso auf den Wohnungsmarkt wie jetzige Bewohner, die noch keinen angemessenen Wohnraum gefunden haben. Insbesondere im Bereich preiswerter (Geschoss-)Wohnungen sieht die Stadt Nachholbedarf.

An der Hörn und in Neu-Meimersdorf im Süden, auf dem MFG-5-Gelände zwischen Holtenau und Friedrichsort sowie auf dem Anschargelände in der Wik sind erste Flächen ausgemacht, wo mehr Hochbau in unterschiedlichen Preisklassen entstehen könnte. Zudem nennt der Masterplan die Lückenbebauung als kurzfristig greifende Maßnahme, später könne die Innenhofbebauung folgen. In bestimmten Quartieren wie etwa in Gaarden sei wiederum ein spürbares Wohnraum-Plus nur möglich mit dem Ausbau von Dachgeschossen oder der neuen Nutzung bisheriger Gewerbeflächen.

„Gut für Kiel – gut für alle“ befand Sönke Bergemann von Haus & Grund. Er möchte „die Privaten als Bauherren wiederentdecken“. Helmut Knüpp vom Bezirk Mitte im Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) sprach von „gemeinsamer Verantwortung“. Verena Herfort von der Landesgruppe im Bundesverband freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) warnt gleichzeitig vor zu viel städtischem Ordnungsrecht bei den Projekten, das könnte die Energien bremsen. Und Holger Zychski (Verband der Immobilienverwalter) setzt darauf, dass die Stadt für ihre eigenen Grundstücke keine unangemessen hohen Preise ansetzt.

Das sieht auch Jochen Kiersch vom Mieterverein ähnlich, bezahlbares Wohnen sei nur möglich bei bezahlbaren Bodenpreisen. Kiersch erinnerte aber auch daran, dass nach den Zahlen des Statistischen Jahrbuchs in Kiel 139  600 Haushalten lediglich 132  000 verfügbare Wohnungen gegenüberstehen. Kiersch hält deshalb das Konzept im Masterplan im Prinzip zwar für richtig, aber für zu kurz gegriffen. Insbesondere im sozialen Wohnungsbau sieht der Mieterverein erhebliche Defizite, hier fehle die langfristige Perspektive.

Sozialdezernent Gerwin Stöcken freute sich gestern, dass mit den Unterschriften unter den Masterplan „die Zeit der Auseinandersetzungen vorbei ist“. Ihm geht es um das Ausbalancieren der verschiedenen Interessen. Wie wichtig dem Oberbürgermeister die Wohnungsfrage ist, wurde gestern ebenfalls deutlich. Ulf Kämpfer, seit einem Jahr erster Mann im Rathaus, erklärte wörtlich: „Am Erfolg im Wohnungsbau werde ich mich messen lassen, wenn in ein paar Jahren die Wiederwahl zum Oberbürgermeister ansteht.“
 

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erstellt am 31.Mär.2015 | 20:42 Uhr

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