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Gedenk-Veranstaltung : 70 Jahre nach dem Bombenangriff

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kiels Stadtarchiv will an Luftangriff der Alliierten im April 1945 mit allein 271 Toten im Moltkestollen erinnern. Ein Schülerprojekt hat sich damit auseinandergesetzt.

Es war womöglich das größte Drama der Kieler Stadtgeschichte: Am 3. April 1945 flogen die Alliierten einen schweren Luftangriff auf Kiel. Dabei zerstörte eine Bombe auch den Eingangsbereich des Luftschutzstollens Moltkestraße. 271 Menschen starben – darunter viele Frauen und Kinder.

Der Eingang zum Stollen ist schon lange zugeschüttet. Nichts erinnert am Fußweg mit dem klingenden Namen Himmelsleiter im Edel-Stadtteil Düsternbrook an den Moltkestollen. Auch die Erinnerung an den Angriff ist im Gedächtnis vieler Kieler verschüttet. Das will Stadtarchivar Johannes Rosenplänter ändern. Er war es, der die Hebbelschule, den Verein Mahnmal Kilian und die Kirchengemeinde Heiligengeist ins Boot holte, um eine gemeinsame Gedenkveranstaltung zu organisieren. Besonders die Zusammenarbeit mit der Hebbelschule war ihm wichtig. „Wie plant man eine Gedenkveranstaltung?“ – unter diesem Gesichtspunkt haben sich 20 Zwölftklässler aus dem sprachlichen Profil rund zwei Monate lang mit dem Thema auseinandergesetzt. Keiner der Schüler hatte bis dato von diesem „folgenschwersten Luftangriff auf Kiel während des Zweiten Weltkriegs“ (Geschichtslehrer Nils Lemke) gehört. Rosenplänter betont:„Es geht nicht um eine verengte Sicht auf deutsche Opfer, sondern ein historisches Ereignis in Kiel.“

Der Stollenbau unter dem Sternwartenhügel war zum Zeitpunkt des Bombardements gerade abgeschlossen. Durch die Detonation im wenig geschützen Eingangsbereich, so nimmt der Stadtarchivar an, strömten schnell giftige Gase ein. Nach letzten Erkenntnissen fielen demnach im Stollen, der für 2000 Menschen angelegt war, 271 Menschen in Ohnmacht und erstickten an den Gasen. 117 Opfer waren jünger als zehn Jahre alt, 88 Opfer im Kindergartenalter und jünger.

„Wir waren alle betroffen“, sagt Schülerin Hanna Polte, als sie mit den Fakten konfrontiert worden sind. Sie sahen sich die Totenscheine an. Ein Bild, das sich ins Gedächtnis von Zeitzeugen tief eingegraben hat, berührte auch sie: Die nahe des Stollens abgestellten verwaisten Kinderwagen.

Am Montag, 30. März, um 11 Uhr haben die Hebbelschüler ein Programm für die Gedenkveranstaltung am Ort des Geschehens (Himmelsleiter) entwickelt. 271 Grablichter mit Namen und Geburtsdatum werden aufgestellt, außerdem Luftballons für die getöteten Kinder aufsteigen. Es gibt eine Ansprache, eine Mitschülerin wird Trompete spielen, vielleicht werden Zeitzeugen kommen. Fest steht, dass Stadtpräsident Hans-Werner Tovar teilnimmt. Im Gespräch für ein nachhaltigeres Gedenken ist noch das Aufstellen einer Gedenktafel.

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erstellt am 28.Mär.2015 | 06:04 Uhr

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