Einweg ist Irrweg : 59 Botschafter für Plastikfreiheit

„Plastikfrei – Wir sind dabei.“ So steht es auf den Bechern, die Nicoline Henkel in der Ratsversammlung verteilte.
„Plastikfrei – Wir sind dabei.“ So steht es auf den Bechern, die Nicoline Henkel in der Ratsversammlung verteilte.

Die grünen Becher, die gestern im Rat verteilt wurden, sollen helfen, das Mehrwegsystem schmackhaft zu machen. Und den Müllberg zu verringern. Denn bislang werden in Kiel 31 000 Coffee-to-go-Becher verbraucht. Täglich, wohlgemerkt.

shz.de von
05. Juli 2018, 19:53 Uhr

Diese Aktion soll Maßstäbe setzen: Alle 59 Ratsfrauen und -männer erhielten gestern Nachmittag zu Beginn der Sitzung einen stabilen Trinkbecker ausgehändigt. „Kaffee geht Mehrweg“ heißt der Slogan dazu, die Ratsmitglieder sollen künftig für eine plastikfreie Landeshauptstadt werben.

Stadträtin Doris Grondke, die auch Umweltdezernentin ist, erklärte: „Ich wünsche mir, dass unsere Ratsmitglieder Botschafter eines nachhaltigen Konsums werden und den Becher immer dabei haben, wenn sie mobil Kaffee oder Tee trinken.“ Für die Grundlagen hat ein eigener, im vergangenen Jahr eingerichteter Runder Tisch bereits gesorgt: Rund 30 Cafés, Bäckereien und Imbissbuden in der Stadt akzeptieren den Becher mit der grünen Kappe als Trinkgefäß. Mit der Zeit soll diese Akzeptanz-Quote wachsen, das ist die Hoffnung der Initiatoren.

Ziel: Der Verbrauch an Einwegbechern soll spürbar eingeschränkt, in fernen Jahren vielleicht sogar eingestellt werden. Nicoline Henkel vom Umweltschutzamt hat ausgerechnet, dass allein in der Landeshauptstadt täglich 31 000 Coffee-to-go-Becher bestellt und nach dem Genuss weggeworfen werden. Das macht übers Jahr gerechnet satte elf Millionen Stück, die nach nur wenigen Minuten auf dem Müll landen.

Die Alternative heißt Mehrweg. Die gestern verteilten Becher der Firma Nowaste bestehen zu 100 Prozent aus natürlichem Rohstoff (aus „Baumsaft“, wie die Firma erklärt), gelten als spülmaschinenfest, hitzebeständig bis 110 Grad und theoretisch beliebig oft verwendbar. Zudem sind sie, sollten sie beschädigt werden, biologisch abbaubar. Die Becher wird es ab sofort auf allen Veranstaltungen der städtischen Umweltberatung zum Thema „Plastikfreies Kiel“ geben.

Klar ist natürlich aber auch: Ein Mehrwegbecher ist nur dann umweltfreundlich, wenn er zum Befüllen wieder mitgebracht wird. Das wiederum kann nicht immer gewährleistet werden, weshalb die Stadt gemeinsam mit den Kieler Kaffee-Verkäufern über ein Pfandsystem nachdenkt. Eine Realisierung ist noch nicht in Sicht. Dass also die Ausgabe der grünen umweltfreundlichen Becher nur ein erster Schritt ist, war allen Beteiligten bewusst.

Doch Stadtpräsident Hans-Werner Tovar lobt diese wichtige Initiative und bringt auch gleich den sozialen Aspekt ein in die Debatte um Umweltfreundlichkeit: „Kaffee-Mehrwegbecher und fairer Handel passen gut zusammen. Kiel ist seit fünf Jahren eine Fairtrade-Stadt. Deshalb werden im Rathaus fairer Kaffee und Tee ausgeschenkt.“

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