Mit Piper Malibu : 50.000 Kilometer – Zwei Kieler beenden ihre „Weltreise über den Wolken“

Karl Karbach (li.) und Karl-Hein Zahorsky: Glücklich in der Heimat gelandet.
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Karl Karbach (li.) und Karl-Heinz Zahorsky: Glücklich in der Heimat gelandet.

Zwei Kieler Hobbypiloten starteten Ende Juli zur Erdumrundung – und scheiterten dann fast an den Osterinseln.

shz.de von
25. November 2017, 16:46 Uhr

Kiel | „Wir haben jeden Tag mitgebangt“, sagt Heinz-Georg Böhling aufgeregt, „und jede Strecke live über das Internet mitverfolgt“. Der Hobbypilot war nur einer von vielen, die sich am Freitag gegen 14 Uhr trotz Regens am Flugfeld des Holtenauer Flughafens versammelt hatten. Sie alle warteten ungeduldig auf ein kleines einmotoriges Flugzeug: die Piper Malibu von Karl-Heinz Zahorsky. 20 Minuten – und noch kein Flugzeug in Sicht. Doch dann: „Da! Sie kommen!“, ruft jemand aus der wartenden Menge – einer Kulisse aus Regenschirmen, Rosen und Kameras. Am dunkelgrauen Kieler Himmel erscheint ein kleiner heller Fleck, der wird größer und größer.

Und dann setzt die Piper „Spirit of Kiel“ zur Landung in ihrem Heimathafen an – nach einer viermonatigen Weltreise und insgesamt 50.000 Kilometern Flug. Mit einem breiten Lächeln steigen die Kieler Piloten Karl-Heinz Zahorsky und Karl Karbach aus der Maschine, die sie einmal um den Globus getragen hat. Am 28. Juli waren der Berufspilot Karbach (67) und der Physiker – mit Berufspilotenlizenz – Zahorsky (70) aufgebrochen, die Welt zu umrunden. „Eigentlich wollten wir dafür ja nur zwei Monate unterwegs sein“, sagte Karl-Heinz Zahorsky lachend, „aber dann kamen die Oster-Inseln“.

Von Holtenau ging es für die beiden passionierten Flieger nach Kroatien und Ägypten, Sri Lanka, Singapur und Australien, über die Norfolk- und die Rarotonga-Inseln im Südpazifik bis nach Tahiti. „Wir haben wunderschöne Landschaften gesehen“, schwärmt Zahorsky.

Ein Blick aus der Piper Malibu „Spirit of Kiel“ während der Weltumrundung von Karl-Heinz Zahorsky und Karl Karbach.
foto: karbach
Ein Blick aus der Piper Malibu „Spirit of Kiel“ während der Weltumrundung von Karl-Heinz Zahorsky und Karl Karbach.
 

Die größte Hürde sollte der Flug zu den Oster-Inseln sein. Von Tahiti ging es zum Flughafen Mangareva und von dort die restlichen 2600 Kilometer weiter zur Osterinsel. Karbach: „Seit acht Jahren ist keiner mehr diese Strecke mit einem Kolbenmotor geflogen.“ Und vermutlich, ergänzt Flug-Kollege Karl-Heinz Zahorsky, waren sie auch die Letzten, die dieses Abenteuer mit einem Flugzeug dieser Art gewagt haben. Denn nur ein Zusatztank ermöglichte einen Flug über eine derart große Distanz.

Aus drei geplanten Tagen wurde dann allerdings ein achtwöchiger Aufenthalt auf den Oster-Inseln. Denn das zuvor bestellte Benzin war nicht eingetroffen. Erst nach zwei Wochen wurde der vermeintlich richtige Treibstoff geliefert. „Beim Start haben wir dann die schwarzen Rauchwolken hinter uns in der Luft gesehen“, erinnert sich Karbach. Nach einer Notlandung dann die Erkenntnis: Statt dem notwendigen AV-Gas wurde Kerosin in die Piper gefüllt.

Erst nach einer Überprüfung der Maschine und weiteren sechs Wochen Wartezeit konnten die Weltumflieger die Oster-Inseln verlassen. „Wir wollten nur noch weg“, sagt Karl Karbach lachend. So ging es weiter nach Chile und Brasilien und über den Atlantik zu den Kanarischen Inseln und über Spanien zurück nach Deutschland.

Karl-Heinz Zahorsky: „Es war ein großartiges Erlebnis. Über die Grenzen hinweg ist die Freiheit grenzenlos.“ Jetzt freuen sich Karbach und Zahorsky vor allem auf das eigene Bett, sagen beide einhellig.

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