Ausstellung mit Biss : 350 Jahre Kieler Museen und Sammlungen

Als Schleswig-Holstein noch dänisch war, kam dieser präparierte Stummelaffe nach Kiel. Er hat sich 170 Jahre lang sehr gut gehalten.
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Als Schleswig-Holstein noch dänisch war, kam dieser präparierte Stummelaffe nach Kiel. Er hat sich 170 Jahre lang sehr gut gehalten.

Vor 350 Jahren war nicht nur die Geburtsstunde der Kieler Universität. Auch die Anfänge für das wissenschaftliche Sammeln, Einordnen und Ausstellen fällt in diese Zeit. Mit öffentlichen Obduktionen sorgte der Universalgelehrte Johann Daniel Major für Aufsehen. Sein erstes „Objekt“ war der Körper eines gehängten Straftäters.

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23. Januar 2015, 13:15 Uhr

Was haben die Metallbügelbrille des Dichters Friedrich Hebbel (1813 bis 1863), die steinerne Kruke aus dem früheren Fischerdorf Ellerbek und der weißschwarze Stummelaffe mit dem gebleckten Gebiss gemeinsam? Sie alle gehören zu einer Ausstellung, die morgen im Warleberger Hof eröffnet wird und sich mit „350 Jahre Sammlungs- und Museumsgeschichte“ beschäftigt.

Vom etwas sperrigen Titel sollte man sich nicht täuschen lassen. Die Ausstellung hat Biss. Sie ist sorgfältig zusammengestellt, übersichtlich aufgebaut, zudem mit einem ansprechenden Katalog versehen, und liefert einen profunden Überblick über die Museumsgeschichte an der Förde – die verwoben ist mit der 350-jährigen Universitätshistorie.

Als Urahn gilt der Universalgelehrte Johann Daniel Major. Er hat im 17. Jahrhundert die erste wissenschaftliche Sammlung in seinem „Museum Combrium“ angelegt und auch den ersten Botanischen Garten in Kiel begründet. Für Aufsehen sorgte er seinerzeit, weil er – ausgerechnet im Saal der Theologen – öffentliche Leichensektionen vornahm. Die erste Obduktion, das ist belegt, fand statt an einem erhängten Straftäter.

Im 19. Jahrhundert besaß Kiel „eine reichhaltige Museumslandschaft“, wie Dr. Doris Tillmann erklärt, die Leiterin des Warleberger Hofes. Das Völkerkundemuseum und die Zoologie-Sammlung gehören dazu, das Theatermuseum, die Kunsthalle und das Museum für Vaterländische Altertümer. Vieles wurde später nach Gottorf abgegeben, einiges im Krieg zerstört. Heute lagern 50  000 Exponate in den Magazinen – die Ausstellung (dienstags bis sonntags, jeweils 10 bis 17 Uhr) liefert sehenswerte Einblicke.

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