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Kiel-Elmschenhagen : 30 Flüchtlinge leben bald im Wohncontainer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Für die Stadt ist es nur eine Notlösung - und eine auf Zeit: In einer neuen Wohncontainer-Anlage auf dem Kieler Ostufer sollen ab nächster Woche 30 Asylbewerber unterkommen. Die Kapazitäten lassen sich verdoppeln.

shz.de von
erstellt am 23.Apr.2014 | 06:16 Uhr

Es riecht ein bisschen nach den schmalen Holzbetten, die seit kurzem in den Zwölf-Quadratmeter-Zellen stehen. Sie sind noch mit Folie abgedeckt. Dazu kommt je Einheit ein Kühlschrank, ein Tisch, zwei Stühle und pro Person ein kleiner Kleiderschrank. Funktional und schlicht, aber neu. Durch die Fenster fällt Sonne in die Container-Zimmer an der Stadtteilgrenze zwischen Ellerbek und Elmschenhagen. Sie lässt das neue Metall-Zuhause für 30 Flüchtlinge so hell und freundlich aussehen, wie es eben für eine Notunterkunft auf Zeit möglich ist. Die Stadt Kiel präsentierte das noch unbewohnte Gebäude aus 26 Einheiten im Ellerbeker Weg gestern der Öffentlichkeit.

Noch fließt kein Wasser, und die Stadtwerke müssen die Stromversorgung abnehmen. Ab kommender Woche wird aber Leben einziehen in die neue Container-Anlage mit insgesamt acht Duschen, zwei Küchen und Gemeinschaftsraum. Dann sollen 30 Asylbewerber, vermutlich aus Syrien, dem Irak und Afghanistan, dort Platz finden. Sie kommen aus Kieler Hotels, in denen derzeit aufgrund von Platzmangel übergangsweise noch 13 Flüchtlinge wohnen, sowie aus der Erstaufnahme-Unterkunft des Landes in Neumünster.

Für die Landeshauptstadt hat sich mit der Fertigstellung eine Versorgungslücke geschlossen – vorerst. Schließlich müssen die Kommunen Asylsuchende aufnehmen. Derzeit sind es durchschnittlich zehn bis zwölf pro Woche, 2013 kamen mehr als 450 Flüchtlinge nach Kiel – fast eine Verdoppelung der Zahlen im Vergleich zu 2012. Die fünf städtischen Unterbringungen sind voll. Und die Zahlen werden steigen – auch durch die geplante Familienzusammenführung vieler Syrer.

Deswegen hat die Stadt vorgesorgt: Innerhalb von ein bis zwei Wochen lässt sich die Container-Unterkunft um eine zweite Etage aufstocken, die Kapazitäten damit verdoppeln. „Eine Aufstockung wird notwendig sein, da braucht man kein Hellseher zu sein“, sagte Manfred Wagner, Leiter des Amtes für Wohnen und Grundsicherung. Dafür wurde das Fundament erneuert – vor 20 Jahren haben dort schon einmal ähnliche Unterkünfte gestanden. Die Fertigstellung hat deshalb nach Angaben von Wagner auch länger gedauert als gedacht. Ursprünglich sollte die Anlage bereits im Januar aufgebaut werden.

Die Kosten belaufen sich laut Wagner pro Jahr auf 90 000 Euro, 70 Prozent davon trägt das Land. Der Christliche Verein sozialpädagogischer Initiativen Kiel wird die Menschen betreuen, dafür gibt es in dem Gebäude ein eigenes Büro. Ehrenamtler wie Ehrenfried Schmock von der Trinitatis-Gemeinde kümmern sich außerdem intensiv um die Asylbewerber.

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